Hochzeit im Krankenhaus
Nottrauungen regeln in letzter Minute Sorgerecht für Kinder und Erbe

Manche Paare hatten es vielleicht schon vor, zu heiraten. Oft kommt etwas dazwischen. Ist einer der Partner schwer erkrankt oder verletzt, organisieren Standesämter und Krankenhäuser eine Nottrauung. Archivbild: dpa

Eine Hochzeit im Krankenhaus - für viele klingt das wenig romantisch. Doch wenn einer der Partner schwer erkrankt ist, lässt Standesbeamtin Katharina Wiesner alles andere liegen, um das Paar im Klinikum zu trauen.

Nottrauung nennt sich eine solche spontane Eheschließung, wenn einer der Partner in einer lebensbedrohlichen Verfassung ist. Davon gab es in letzter Zeit mehrere Fälle, sagt die Standesbeamtin.

"Das sind extrem emotionale Situationen", erklärt Wiesner. Zweimal innerhalb kurzer Zeit hat das Klinikum St. Marien Wiesner zu Nottrauungen gerufen. Diese findet im Patientenzimmer oder gar am Unfallort statt, wenn das Brautpaar nicht mehr ins Standesamt kommen kann. In einem der beiden Fälle hat Wiesner die Nottrauung geleitet. Bei der zweiten Hochzeit hat es nicht mehr geklappt, weil ein Arzt die Zeremonie abbrechen musste.

"Eine solche Hochzeit ist keine einfache Entscheidung", sagt Wiesner, die seit 2014 als Standesbeamtin bei der Stadt Amberg arbeitet. Manche Paare hatten sich bereits längere Zeit mit dem Gedanken getragen zu heiraten, es sei aber immer etwas dazwischen gekommen, erzählt sie. Als "ganz schlimm" empfindet Wiesner eine solche Situation. "Eigentlich ist eine Hochzeit etwas Schönes", meint sie. Doch im Krankenhaus oder am Unfallort sei das etwas ganz anderes: "Die Trauung findet nicht in dem Rahmen statt, den sich jeder wünscht." Trotzdem versuche sie, die Hochzeit so schön wie möglich zu gestalten.

Kurze Vorbereitungszeit


Oft möchte das Paar wichtige Dinge ordnen, bevor einer der Partner stirbt: "Ohne Ehe muss man alles extra regeln, bei Ehe läuft vieles automatisch", erklärt Wiesner. Der kranke Partner kann zum Beispiel das Erbe leichter verteilen. Es ist klar, wer sich um die gemeinsamen Kinder kümmert und das Sorgerecht erhält. Möchte ein Patient heiraten, haben die Ärzte im Klinikum St. Marien eine Liste mit den Kontaktdaten der Standesbeamten parat und informieren diese, weiß Klinikum-Sprecherin Stephanie Gräß. Dann muss der Standesbeamte in kürzester Zeit klären, ob irgendwelche Gründe gegen eine Ehe sprechen. Das ist laut Bürgerlichem Gesetzbuch zum Beispiel der Fall, wenn einer der Partner nicht geschäftsfähig, mit einer dritten Person verheiratet ist oder Geschwister sich trauen lassen wollen. In Zusammenarbeit mit anderen Behörden prüfe Wiesner dies.

Wenn eine Nottrauung anberaumt wird, dann selten von Senioren, sondern eher von Menschen mittleren Alters, die durch eine sehr schwere Krankheit oder einen Unfall lebensbedrohlich verletzt sind und bald sterben könnten, erklärt Wiesner.

Das Amberger Standesamt führt keine Statistik darüber, wie oft Nottrauungen geschlossen werden. "Jahrelang gibt es keine, dann plötzlich zwei kurz hintereinander", sagt Wiesner. Da eine Nottrauung eine sehr intime Situation darstellt, möchte sie die Anonymität der Eheleute wahren und von keinem konkreten Fall berichten. (Angemerkt)

Aufgabe der ÄrzteBei einer Nottrauung muss neben einem Standesbeamten immer auch ein Arzt anwesend sein. Der Mediziner bestätigt, dass der Patient geschäftsfähig ist. Denn laut Bürgerlichem Gesetzbuch dürfen nur geschäftsfähige Personen heiraten. Der Patient muss gesundheitlich noch in der Lage sein, die Folgen seines Handelns abzusehen. Ein Arzt kann die Trauung abbrechen, wenn der Patient aufgrund seiner körperlichen Verfassung nicht mehr begreifen kann, was gerade passiert. Auch müssen Arzt und Standesbeamter ausschließen, dass die Eheschließung nicht aufgeschoben werden kann (Personenstandsgesetz, §13, Absatz 3). (esa)
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