Horrorunfall mit zwei Toten sorgt weiter für Gesprächsstoff und Betroffenheit
Kerzen und brennende Fragen

Schockierte Bürger drücken mit Ker- zen und Blumen ihr Mitgefühl aus.
 
Hinter den Brettern klafft ein Loch in der OTV-Hauswand. Bilder: wsb (2)

An der Unfallstelle liegen Blumen und es brennen Kerzen. Sie erinnern an die zwei Senioren, die hier am Samstag vor dem Gebäude von OTV am Beethovenplatz bei einem Horrorunfall ihr Leben verloren haben. Auch zwei Tage danach waren viele Bürger noch geschockt und es gab neben Betroffenheit manche Fragen.

Die wohl drängendste lautete: Was war die Ursache für die Handlungsunfähigkeit des 65-jährigen Hyundai-Lenkers, die zur Katastrophe mit den zwei überfahrenen Fußgängern führte? Wie gestern ausführlich berichtet, wurden die beiden Amberger - ein 81-jähriger Mann und eine zwei Jahre ältere Frau - von dem auf den Gehsteig schleudernden Geländewagen so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle starben. Dabei hatte das Verhängnis bereits auf der Katharinenfriedhofstraße rund 200 Meter vor dem Kreisverkehr am Beethovenplatz begonnen.

Kein Infarkt, kein Alkohol


Dort soll der 65-Jährige am Steuer das Bewusstsein verloren haben - der Wagen schoss quasi führerlos geradeaus Richtung Kreisel, wo er einen VW Polo nach heftigem Aufprall auf ein weiteres Auto schob, um dann auf der mittigen Verkehrsinsel eine fatale Drehung Richtung Bürgersteig zu machen. Während dieser Sekunden war der Amberger offensichtlich nicht in der Lage, zu reagieren - das, was passierte, abzuwenden. Von gesundheitlichen Problemen als Ursache sprach die Polizei schon am Wochenende.

Auch gestern blieb sie auf Nachfrage bei dieser eher allgemeinen Beschreibung, schloss aber gleichzeitig einige Gerüchte aus, die seit Samstag kursierten: Nein, der 65-Jährige hat keinen Herzinfarkt am Steuer erlitten, er stand auch nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Das endgültige Ergebnis der medizinischen Untersuchung - der Amberger befindet sich noch immer im Krankenhaus - lag der Polizeiinspektion gestern außerdem noch nicht vor. Doch mit diesem Thema gehen die Beamten in der Regel vorsichtig vor - auch "zum Schutz des Unfallverursachers", den vermutlich ein Gerichtsverfahren erwarte, bei dem solche Details erst in öffentlicher Verhandlung bekannt würden.

THW hilft OTV aus der Not


Einen tollen Job hat laut OTV-Studioleiter Christoph Rolf das Amberger THW am Samstag nach dem Unfall geleistet. Wie gemeldet, war der Hyundai in die westliche Hausmauer des Regionalsenders gekracht und erst dort zum Stehen gekommen. Auf etwa zweieinhalb mal zwei Metern stürzten sowohl Außen- als auch Innenwand dieser Ecke beim Haupteingang ein. Das THW sicherte und stützte die Mauer nicht nur, sondern sorgte auch für Ersatz der schwer in Mitleidenschaft gezogenen Stromversorgung, die hier liegt.

Der Ortsverband baute einen Generator auf, der das OTV-Domizil mit Elektrizität speiste. Nur so konnte das ansonsten stromlose Studio ab Samstagabend seinen Sendebetrieb wieder voll herstellen; auch das am Sonntag und dann mit Masse am Montag zum Dienst kommende Personal fand so funktionsfähige Arbeitsplätze vor. Wobei die eigentliche Arbeit mit dem Wiederaufbau der Mauer und der Reparatur der beschädigten Elektrik - auch die Gasheizung musste vorerst abgestellt werden - erst heute beginnt. Veranlasst wurde sie durch die Stadt, die Eigentümer des Gebäudes ist.

Trauer überwiegt Geldfrage


Pressesprecherin Susanne Schwab sprach von rund 50 000 Euro, die das Ganze wohl kosten wird. Das aber ist für sie und Rolf der geringste Verlust. Weit schwerer wiege der Tod der zwei Senioren und die Anzahl von vier Verletzten. Bei den OTV-Mitarbeitern herrschte gestern große Betroffenheit - und Beklommenheit schon beim Betreten des Studios, weil trauernde Mitbürger Kerzen und Blumen neben den Eingang gestellt hatten.
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