Hubschrauber-Landeplattform am Klinikum Amberg eröffnet
Bereit für Christoph 80

Viel Platz über den Dächern des Klinikums: Auf dem roten "H" soll der Rettungshubschrauber landen. Die 28 mal 28 Meter große Plattform hat aus Gründen der Flugsicherheit kein Geländer. Bilder: Steinbacher (3)
 
Keine Regentropfen, dafür reichlich Weihwasser: Die Pfarrer Heinrich Arweck (links) und Ludwig Gradl segneten das Bauwerk in luftiger Höhe.
Amberg: Klinikum St. Marien |

Amberg hat jetzt einen neuen kleinen Flughafen: Über den Dächern des Klinikums hat Oberbürgermeister Michael Cerny am Donnerstag den Heli-Landeplatz in Betrieb genommen. Nächste Woche sollen die ersten Rettungshubschrauber auf der Plattform landen.

Wenn Christoph 80 in der Dämmerung das Amberger Klinikum anfliegt, dann orientiert sich der Pilot an der Befeuerung - an roten Leuchtfackeln, die entlang des Dachfirstes und am Turm des Heizkraftwerks montiert sind. Rings um die 28 mal 28 Meter große Landeplattform gehen dann die Scheinwerfer an. Vom Cockpit aus kann die Crew das Licht dimmen, um bei der Landung nicht geblendet zu werden. Der Hubschrauber-Landeplatz über dem Krankenhausdach funktioniert wie ein kleiner Airport.

Ein Jahr Verzögerung


Ganz oben, auf Ebene sieben, nahmen Oberbürgermeister Michael Cerny und Klinikumsvorstand Manfred Wendl am Donnerstagnachmittag die 3,7 Millionen Euro teure Einrichtung offiziell in Betrieb. Wendl lobte dabei die Planer und Arbeiter, die dieses komplizierte Bauwerk errichtet haben. "Natürlich wäre ich gerne schon ein Jahr früher zur Eröffnung hier gestanden", sagte er. Die Insolvenz der zunächst beauftragten Firma habe den Zeitplan aber erheblich durcheinander gebracht.

145 Tonnen Stahl


Die Investition sei richtig und notwendig, unterstrich Wendl. Der Trend steigender Patientenzahlen setze sich auch in diesem Jahr fort. "Die Patienten und die niedergelassenen Ärzte in der Region vertrauen auf die Leistungsfähigkeit unseres Klinikums", sagte er. Oberbürgermeister Michael Cerny pflichtete ihm bei. Wie Wendl dankte auch der Rathauschef den Mitarbeitern des Krankenhauses.

Den kirchlichen Segen erhielt die Plattform vom katholischen Regionaldekan Ludwig Gradl und dem evangelischen Pfarrer Heinrich Arweck. "Auch Gott hat Landeflächen", sagte Arweck und lenkte den Blick der Gäste über die Stadt. "Wir sehen die Dreifaltigkeitskirche, die Kirche auf dem Mariahilfberg. Hier landet der heilige Geist Gottes."

Im Tragwerk sind 145 Tonnen Stahl verbaut. Weitere 50 Tonnen wiegt die Plattform aus Aluminium-Teilen. Sie sind mit einer Spezialbeschichtung und Rillen versehen und neigen sich zur Mitte hin um ein Prozent. "So kann das Wasser ablaufen", erklärte Architekt Erhard Retzer. Eine Fußbodenheizung sorgt dafür, dass der Landeplatz im Winter eisfrei bleibt. Außerdem sind zwei Löschkanonen montiert, die pro Minute 500 Liter Wasser versprühen können. Der 8000 Liter fassende Tank ist auf Ebene vier untergebracht. In erster Linie wird der in Weiden stationierte Rettungshubschrauber Christoph 80 (Gewicht: 3,8 Tonnen) die Plattform anfliegen - und zwar in der Regel nur tagsüber. Das Bauwerk ist aber so angelegt, dass auch der fast dreimal so schwere Black-Hawk-Helikopter der US-Armee aus Grafenwöhr hier landen kann. Grundsätzlich ist das auch nachts möglich.

Zwei Jahre bis zur neuen Notaufnahme


Oben die Inbetriebnahme der Hubschrauber-Plattform - unten der Spatenstich für die Erweiterung der Zentralen Notaufnahme. Das Klinikum St. Marien ist Baustelle und wird es auch bleiben. "Das hört wahrscheinlich nie auf", erklärte Klinikumsvorstand Manfred Wendl. "Wenn dieses Projekt in zwei Jahren abgeschlossen ist, geht es mit der Sanierung der Operationssäle weiter."

Klinik verdoppelt Kapazität an der Witmaisterstraße


Zunächst aber ist der Fokus auf die Notaufnahme gerichtet. Sie erhält angrenzend an das Heizwerk an der Wiltmaisterstraße einen einstöckigen Neubau. Wenn dieser Ende nächsten Jahres fertig ist, wird der Altbestand saniert, so dass bei dem 9,84 Millionen Euro teuren Gesamtprojekt Anfang 2019 Vollzug gemeldet werden kann. Geht alles glatt, verfügt die Amberger Notaufnahme dann über die doppelte Kapazität an Behandlungszimmern, neue Schockräume und eine verbesserte Zufahrt. "Vorgabe war auch, den gehenden und liegenden Verkehr zu trennen", sagte Architekt Erhard Retzer. Für Patienten, die die Notaufnahme zu Fuß erreichen können, steht künftig ein separater Eingang zur Verfügung. Die Notaufnahme ist per Lift auch mit der neuen Hubschrauber-Landeplattform verbunden.

"In den vergangenen 15 Jahren ist die Zahl der hier behandelten Patienten um knapp 70 Prozent auf rund 25 000 pro Jahr gestiegen", erläuterte Wendl. "Die Erfahrung zeigt, dass wir mit weiteren kontinuierlichen Steigerungen rechnen müssen." Er dankte allen Partnern, allen voran dem Freistaat Bayern, der 5,82 Millionen Euro zuschießt.
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