IG Metall feiert 125-Jähriges
Für die Gesellschaft viel erreicht

"Das Einkommen der Eltern bestimmt über die Bildungschancen der Kinder." Zitat: Jürgen Ganss

Am 5. Juni 1891 wurde in Frankfurt der deutsche Metallarbeiterverband gegründet, die heutige IG Metall. Mit knapp 2,3 Millionen Mitglieder ist sie die größte Einzelgewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund.

Mit fünf Veranstaltungen feiert die IG Metall nach Angaben von Horst Ott, Bevollmächtigter der IGM in Amberg, in der Oberpfalz ihr 125-jähriges Bestehen. Vor Betriebsräten, Vertrauensleuten und Ehrengästen sagte er am Donnerstag im Großen Rathaussaal, dass die IG Metall in der Oberpfalz gut 16 000 Mitglieder habe. Aus der Gesellschaft seien Gewerkschaften nicht mehr wegzudenken. Viele der langjährigen Mitglieder würden sich an die großen Streiks 1954 und 1995 erinnern, mit denen Weihnachtsgeld und 35-Stunden-Woche erkämpft worden seien.

Siemens Spitzenstandort


Oberbürgermeister Michael Cerny erklärte, schon im Mittelalter sei der Raum Amberg und Sulzbach-Rosenberg das Ruhrgebiet der Oberpfalz gewesen. Heute habe Bayern unter den Bundesländern die größte Dichte industrieller Arbeitsplätze und innerhalb des Freistaates liege der IHK-Bezirk Regensburg an der Spitze. Stolz sei er, dass im IHK-Bezirk Regensburg die Stadt Amberg der Spitzenreiter sei und der hiesige Siemensstandort als Spitzenstandort in Deutschland gelte. Erzabbau und Metallverarbeitung hätten in der Region eine lange Geschichte, ebenso die IG Metall, die stolz auf ihre Tradition sein könne. Eine Zeitreise in die bedeutenden Streiks der Nachkriegszeit hatte Konrad Merkl zusammengestellt, die Stefanie Lengfelder, Annka Gräbner, Martina Ott und Werner Fick vortrugen.

In seinem Festvortrag erinnerte Jürgen Ganss, ehemaliger 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, an die Gründung des Deutschen Metallarbeiterverbands im Juni 1891 in Frankfurt. Dieser habe auch Versicherungsvereine, berufsgebundene Gesellenvereine, Bildungs- und Werkvereine an sich binden wollen, um eine Interessensvertretung für alle Beschäftigten in der Metallindustrie zu sichern. Trotz wöchentlicher Arbeitszeiten mit bis zu 80 Stunden habe ein Metallarbeiter im Jahr gerade einmal 572 Mark verdient.

Erst ab Juni 1906 habe es die erste DMV-Verwaltungsstelle in Leonberg gegeben. Trotz einiger Rückschläge, so Ganss, konnten Lohnerhöhungen durchgesetzt werden. Aber bei Arbeitsbedingungen oder -zeiten habe es keine Verbesserungen gegeben, so dass weiterhin vom frühen Morgen bis fast gegen Mitternacht gearbeitet wurde. Erste Streiks der Hüttenarbeiter in Leonberg und Haidhof habe die Hüttenleitung mit Entlassungen und Aussperrungen in Sulzbach-Rosenberg beantwortet, Streikführer seien wegen Landfriedensbruch verurteilt worden. Anfang der 1930er Jahre seien Wirtschaftskrise und das resultierende Massenelend der beste Nährboden für den Nationalsozialismus gewesen, fuhr Ganss fort. Gewerkschaften seien zerschlagen worden, Tausende von Metallern hätten in Zuchthäusern oder Konzentrationslagern ihre Leben lassen müssen. Der Wohlstand der heutigen Gesellschaft sei für die Gründer des DMV unvorstellbar gewesen. Das allgemeine Wohlstandsniveau sei heute deutlich höher, aber ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen sei in Deutschland seit 125 Jahren faktisch gleich geblieben.

Lehren aus der Geschichte


Aus der Geschichte müssten Lehren gezogen werden, "vor allem, wenn wieder auf Schwächere eingeschlagen wird". Musikalisch gestalteten die Feier das Trio Burst, Curtis Fink, Werner Wismeth sowie Tanja und Michael Dandorfer, die mit den "Moorsoldaten" an die Häftlinge im KZ Börgemoor im Emsland erinnerten.

Das Einkommen der Eltern bestimmt über die Bildungschancen der Kinder.Jürgen Ganss


Die Errungenschaften der GewerkschaftenNach dem Krieg sah die IG Metall nach Angaben von Jürgen Ganss, der früher 1. Bevollmächtigter in Amberg war, ihre Hauptaufgabe darin, die wirtschaftlichen, sozialen, beruflichen und kulturellen Interessen ihrer Mitglieder zu fördern und zu verbessern. Die Tariflöhne der Metaller seien von 1950 bis 1965 um 178 Prozent gestiegen, Frauenabschläge seien abgeschafft, die 40-Stunden-Woche, die paritätische Mitbestimmung und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall eingeführt worden. Fortschritte habe es beim Kündigungs- und Arbeitsschutz gegeben. Die Gewerkschaft habe die 35-Stunden-Woche und kürzere Arbeitszeiten durchgesetzt - und damit Hunderttausende neue Arbeitsplätze geschaffen. Neue Herausforderungen habe die Wiedervereinigung gebracht. Immer hätten Gewerkschaften die erreichten Standards gegen die Angriffe jener sichern müssen, die die Regulierung der Wirtschaft den Märkten überlassen wollen. (gfr)
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