Im Teufelskreis der Drogen
Doppelter Boden im Schlafzimmermöbel

Rauschgiftfahnder filzten die Wohnung von oben bis unten. Doch auf den doppelten Boden in einem Schlafzimmermöbel kamen sie nicht. Darin lagen 200 Gramm Haschisch. Der Besitzer wurde jetzt von Polizisten vor das Schöffengericht geführt.

Was ist das für ein Leben? Mit 48 Jahren von Drogen abhängig, wegen Arbeitslosigkeit auf staatliche Unterstützung angewiesen und immer auf der Suche nach Geld, um die Sucht zu finanzieren. Der Amberger nahm Haschisch und Marihuana, brauchte außerdem Amphetamine. Also kaufte er in größeren Mengen auf dem Schwarzmarkt und empfing Kunden in seiner Wohnung, in der es offenbar einen schwunghaften Handel gab.

Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Peter Jung wurde jetzt eine Rechnung aufgemacht: 7,50 Euro für das Gramm Haschisch im Einkauf, 10 Euro im Verkauf. Machte 2,50 Euro Verdienst. Eine, wie es schien, eher mühsame Einnahmequelle im Vergleich zu dem, was beim Deal mit Crystal Speed oder Heroin auf der Verdienstseite steht.

Der 48-Jährige war geständig. Dem Erwerbslosen blieb auch nichts anderes übrig. Er gab ein ihm von Staatsanwalt Oliver Wagner vorgehaltenes Rauschgiftgeschäft sofort zu und räumte ein, was ansonsten in den Ermittlungsakten stand. Am 11. November vergangenen Jahres erschienen Fahnder in seiner Wohnung, setzten zur Durchsuchung an und stießen auf größere Mengen Haschisch. Eine Woche später rückten sie abermals an und filzten alle Räume. Bei ihrer Aktion kamen die Beamten auf ein Versteck, das sie vorher nicht gefunden hatten.

In einem Möbelstück, das im Schlafzimmer des Mannes stand, gab es einen doppelten Boden. Darin lagen 200 Gramm Haschisch, bestehend aus Fragmenten zweier Platten des Hanfprodukts. Danach kam der Amberger in U-Haft. Denn es bestand der dringende Verdacht, dass der 48-Jährige ein Dealer war, der Haschisch verkaufte, um seine Abhängigkeit bezahlen zu können. Seinen Lieferanten nannte der Mann im Prozess nicht. Wohl aber ließ er durchblicken, dass monatlich rund 100 Gramm verhökert wurden.

Die Wohnung des Ambergers wird nun längere Zeit verwaist sein. Die zur Verhandlung geladene medizinische Sachverständige Dr. Anna Wunder-Lippert (Nürnberg) empfahl eine längerfristige Drogentherapie.

Daraufhin verhängte das Schöffengericht eine Haftstrafe von drei Jahren und ordnete dessen Unterbringung in einer geschlossenen Entzugsmaßnahme an. Übersteht er sie bis zum Schluss, kann der Rest der Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Das Urteil entsprach den Anträgen von Staatsanwalt Wagner und Verteidiger Jürgen Mühl.
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