In Syrien riecht es ständig nach Blut

Sie haben eine schlimme Vergangenheit hinter sich, blicken aber trotzdem optimistisch und zuversichtlich in die Zukunft: In 15 Filmbeiträgen, jeweils zwischen zwei und fünf Minuten lang, haben junge Flüchtlinge ihr bisheriges Leben geschildert. Aber auch ihre Hoffnungen und Träume, die sie nach wie vor haben.

Eine Woche lang lief das multimediale Geschichtenprojekt "Here's my story" an der Berufsschule, am Freitagvormittag wurde das Ergebnis präsentiert.

Zuversicht für Zukunft


Wie Lehrer Martin Grill erklärte, hatte er sich mit seiner fortgeschrittenen Flüchtlingsklasse um dieses Projekt des Bayerischen Rundfunks beworben - und war genommen worden. "Es war toll, zu sehen, wie ihr gearbeitet habt", lobte er die Teilnehmer. "Ich bin wirklich stolz auf euch." Aus persönlichen Fotos, aber auch aus Aufnahmen eines Profis, aus O-Tönen und Texten sowie Musik zur Untermalung sind kurze Clips geworden. "Jeder Einzelne von euch hat seine Geschichte erzählt", fuhr Grill fort. Beeindruckt habe ihn, dass die jungen Menschen trotz der schlimmen Vergangenheit noch zuversichtlich in die Zukunft schauen.

Angst vor der Polizei


Entstanden sind in der Projektwoche mit Hilfe von vier erfahrenen Mediencoaches 13 kurze Filme. Über einen Jugendlichen aus Afghanistan, den Schlepper in Bosnien vergessen haben, der sich alleine fühlt, weder zu essen noch zu trinken hat, dafür aber große Angst vor der Polizei.

Ein anderer, ebenfalls aus Afghanistan, schildert die Überfahrt in einem Schleuserboot von der Türkei nach Griechenland. Trotz aller Strapazen und Ängste, die er durchstand, ist er froh, hier zu sein: "In Afghanistan wäre ich jetzt bestimmt schon tot." Er will in Deutschland den Hauptschulabschluss machen, danach eine Ausbildung. "Ich glaube, ich kann es hier schaffen." Ahmad ist aus Syrien, in Damaskus hat er Medizin studiert. Er hat ein großes Ziel: "Ich will mich mit dem Nervensystem und dem Gehirn befassen", sagt er. Deshalb möchte er hier ein Studium beginnen.

Sieben Monate im libyschen Gefängnis, ein im Mittelmeer in Seenot geratenes, mit 100 Menschen besetztes Flüchtlingsboot, der Verlust von Schulkameraden, die in Syrien gestorben sind, der Geruch von Blut, der ständig über dem geschundenen Land liegt: Die Jugendlichen schildern, weshalb sie ihre Heimat verloren haben und was sie auf ihrer Flucht nach Europa durchmachen mussten. Sie gestehen, dass ihnen ihre Familie am meisten fehlt.

Freunde und Fußball


Doch sie sagen auch, worüber sie sich freuen: Dass sie hier Freunde gefunden haben, mit Begeisterung Deutsch lernen, ins Fußball-Training gehen, gesund und glücklich sind. Einer der Jugendlichen ist froh, dass er hier eine Gitarre, die er sich so sehr gewünscht hatte, geschenkt bekam. Sie reden von ihren Träumen und Hoffnungen ("Dass bald Frieden in Syrien ist"), planen ihre Zukunft.

"Es hat uns gut gefallen und Spaß gemacht", sagten sie am Ende der Präsentation und überreichten kleine Präsente an alle, die sie in der Projektwoche begleitet hatten.

Wenn man das alles hört, denkt man sich: "Oh mein Gott, was haben diese jungen Menschen schon alles durchgemacht."Lehrer Martin Grill


Here's my story"Here's my story" ("Hier ist meine Geschichte") ist ein Projekt des Bayerischen Rundfunks für Mittelschul- und Flüchtlingsklassen an beruflichen Schulen in ganz Bayern. Die Teilnehmer erstellen laut einer Pressemitteilung digitale, autobiografische, multimediale Geschichten.

Sie erzählen in Wort und Bild von ihren unterschiedlichen kulturellen Wurzeln, von prägenden Erfahrungen, von ihren Berufs- und Lebensträumen. Sie lernen ihre Stärken kennen und werden sich klarer darüber, wo sie im Leben hinwollen.

In der Projektwoche waren Mediencoaches des BR an die Berufsschule gekommen, um die fortgeschrittene Flüchtlingsklasse zu unterstützen - bei der Entwicklung der Geschichten, der Auswahl von passender Musik und Bildern, beim Schneiden und Fotografieren. Die jungen Leute hatten die Möglichkeit, sich mit dem, was sie erlebt haben, auseinanderzusetzen und nach vorne zu schauen. (san)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.