Integrations-Projektwochen am Amberger Beruflkichen Schulzentrum
Kreativität macht vieles leichter

Komponierte Dynamik, festgehalten als Moment eines stehenden Bildes: Michael Schober konnte seine Projektgruppe und deren fantasiereiche Begeisterung kaum bremsen. Bild: Michael Schober

Es lässt sich so leicht dahinsagen: Integration ist keine Illusion, sondern Arbeit. Sechs Wochen hieß es deshalb am Beruflichen Schulzentrum "Gemeinsam Brücken bauen". Vielgestaltiger hätten sie kaum sein können.

Mit der dritten und letzten Phase ging in dieser Woche das sechswöchige interkulturellen Projekt "Gemeinsam Brücken bauen" im Beruflichen Schulzentrum zu Ende. Am Anfang standen vier Wochen, während der sich drei Klassen der Beruflichen Oberschule (BOS) und drei Flüchtlingsklassen in 22 Doppelstunden näher kamen. Der Fantasie waren kaum Grenzen gesetzt.

So wurden unter anderem gemeinsam Papierbrücken gebaut, eine dreisprachige Stadtführung geplant und unternommen, theaterpädagogische Übungen absolviert, ein Fotorätsel erstellt, Geschichten erzählt oder einfach nur Ball gespielt. Erlebnispädagogische Elemente standen dabei jeweils im Vordergrund. Im Vorfeld wurden von der Zimmerer-Klasse von Karl Müller eine Holzbrücke und die Schattenspiel-Wand gefertigt, die oft zur Geltung kamen.

Inszenierte Schatten


In der zweiten Projektphase wurden zuvor entstandene Arbeiten nach und nach in der Aula ausgestellt und präsentiert. Am Ende dieses Teils stand ein Schattenspiel mit Musik zu dem Leitmotiv "Brücken bauen". Beeindruckend wurde es auf die ausladende Stoffwand projiziert, begleitet von einem international bestückten Büfett. Verbunden war diese Aufführung mit einem Empfang von Repräsentanten der Sponsoren. Ohne die Unterstützung der Sparkassenstiftung sowie Stiftung der Stadtwerke und des städtischen Kulturreferats wäre auch die dritte Phase nicht möglich gewesen, so die Verantwortlichen. Sie bestand aus interkulturellen Workshop-Tagen mit Kunst- und Animationsprofis.

Sprache ist Arbeit


Die motiviertesten 20 Schüler der teilnehmenden Flüchtlings- und BOS-Klassen absolvierten diesen abschließenden Teil. Gewonnen werden konnten als Dozenten beispielsweise das interkulturell arbeitende Poetry-Slammer-Duo Pauline Füg und Sulaiman Masomi, das sich naturgemäß auf die Förderung der sprachlichen Ausdruckfähigkeit konzentrierte. Für alle hieß das, den eigenen Wortschatz zu aktivieren, für die Nicht-Muttersprachler, ihn zu erweitern und sich in der Aussprache zu üben.

Die Theaterpädagogen Gundula Liebisch und Matthias Kehl arbeiteten mit den Schülern im Freien im Stil ihrer Lifedance-Tanztheaterprojekte in Regensburg und München, die sie bekannt gemacht haben. Handtrommeln kommt dabei eine große Bedeutung zu. Bewegungsspiele, bei denen man sich auch mal gegenseitig hochheben oder schnell reagieren musste, brachten zusätzlich Leben in die Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren.

Kunst muss wachsen


Die Woche ging weiter mit Achim Hüttners Naturkunstwerkbau, der nun direkt vor dem Beruflichen Schulzentrum steht. Eine filigrane Brücke zeigt, was vollbracht werden kann, wenn Menschen zusammenhelfen. Sie zeigt aber auch, wie zart und verletzlich neue Wege sind. Michael Schober hat mit seiner Kamera im Rahmen des Formates "Here's my story" schon mit Flüchtlingen am Beruflichen Schulzentrum gearbeitet. In den jetzigen Projekttagen holte er die Schüler nun in Gruppierungen vor die Kamera, um so starke, kontrastreiche Bilder zu komponieren.

Drastische Einsichten


Der Amberger Theaterregisseur Winfried Steinl ist nicht nur in der Region für seine professionelle Arbeit mit jungen Erwachsenen bekannt. Damit war er auch für dieses Projekt prädestiniert. Er führte die Teilnehmer mit viel Bewegung und Spaß, aber auch Disziplin und Strenge durch eine Vielzahl theaterpädagogischer Übungen. Dass während diesen Projekttagen mehrere Anschläge in Europa verübt wurden, hat allen umso drastischer vor Augen geführt, wie wichtig es ist, einander die Hand zu reichen und sich im gegenseitigen Verständnis zu üben. Und das war das Ziel des Projektes, betonten alle Beteiligten.
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