Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen
Keine Chance für Blackout durch K.-o.-Tropfen

Meist geht es um häusliche Gewalt, doch heuer rücken die K.-o.-Tropfen ins Blickfeld. Der Notruf für Frauen des SkF organisiert dazu einen Aktionstag - an einem besonderen Tag.

Der Notruf für Frauen, den der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) betreibt, organisiert alljährlich eine Veranstaltung am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Meistens geht es dabei um häusliche Gewalt, heuer aber wird der Blick auf K.-o.-Tropfen und deren Auswirkungen gerichtet. Unterstützung bekommen die Organisatoren von Bürgermeisterinnen, den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Amberg und des Landkreises, vom Kinderschutzbund und den Soroptimistinnen.

In Discos und auf Partys


Geplant ist, am Freitag, 25. November, mit einem Infostand von 10 bis 13.30 Uhr in der Fußgängerzone (Rathausstraße; bei Pfarrbüro von St. Martin) Präsenz zu zeigen - und auch Flagge zu zeigen, denn große Transparente machen auf das Thema aufmerksam. Vor einiger Zeit sei eine Schülerin zu ihr gekommen, berichtete Christine Gunesch vom Notruf für Frauen. Auf einer Party sei ihr Gewalt angetan worden. Die junge Frau äußerte die Vermutung, dass K.-o.-Tropfen im Spiel gewesen seien.

Diese Substanzen rieche und schmecke man nicht. Sie würden vielfach heimlich in Getränke gemischt, in Discos, auf Partys, bei Feten. K.-o.-Tropfen bestehen aus einer Vielzahl von Substanzen, unter anderem Psychopharmaka und Narkotika. Zunächst fühle man sich wohl, sei etwas enthemmter, später werde man dann schläfrig und benommen. "Das kann bis zum Atemstillstand führen", sagt die Sozialpädagogin über die Gefahren.

Die Wirkung setze nach einer Viertelstunde ein und halte vier Stunden an. Charakteristisch sei der schlagartige Erinnerungsverlust (zwischen zwei und acht Stunden). K.-o.-Tropfen seien nicht nur bei Sexualdelikten im Spiel, sondern würden häufig auch eingesetzt, um Eigentumsdelikte verüben zu können. Wer K.-o.-Tropfen verabreicht bekommen habe, schäme sich oftmals dafür. "Das kommt den Tätern entgegen", erklärte Gunesch. Schnelles Handeln sei erforderlich, im Blut ließen sich die Substanzen nur bis zu sechs Stunden nachweisen, im Urin bis zu zwölf Stunden. "Wir wünschen uns, dass betroffene Frauen zu uns kommen." Gespräche könnten ein Stück weit Hilfe bringen und möglicherweise entschließe sich das eine oder andere Opfer doch, Anzeige zu erstatten. Christine Gunesch benannte auch das Delikt: Missbrauch von widerstandsunfähigen Personen.

Ärzte sensibilisieren


Beim Aktionstag ist auch der Kinderschutzbund mit "Kopfhoch.de", einer Online- und Telefonberatung für Jugendliche in der Oberpfalz, präsent. "Ich freue mich, dass wir dabei sein dürfen", erklärte Julia Mathes, die die Telefonberatung leitet. Neben Infos gibt es am 25. November alkoholfreien Glühwein. Die Gleichstellungsbeauftragen Eveline Süß (Stadt Amberg) und Roswitha Zeitler (Landkreis Amberg-Sulzbach) werden im Nachgang eine Handreichung für Ärzte bereitstellen, um diese zu sensibilisieren, dass sich hinter einem angeblichen Sturz durchaus häusliche Gewalt verbergen kann, und worauf sie besonders achten sollten.

Internationaler TagAlljährlich am 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Hintergrund ist die Verschleppung, Vergewaltigung und Tötung der drei Schwestern Mirabal im Jahre 1960 in der Dominikanischen Republik durch Militärangehörige des damaligen Diktators Rafael Trujillo. Frauen aus der Karibik und Mittelamerika initiierten daraufhin einen Gedenktag, um an jene Frauen zu erinnern, die Opfer von Gewalt wurden.

1999 griffen die Vereinten Nationen diesen Gedanken auf und riefen den Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen ins Leben. Weltweit geht es bei Aktionen am 25. November um Themen wie Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch, Sextourismus, Vergewaltigung, Beschneidung von Frauen, häusliche Gewalt und Zwangsheirat.

"Die meiste Gewalt erleben Frauen in ihrem häuslichen Umfeld, das Zuhause ist der gefährlichste Ort für sie", sagt Christine Gunesch, die den Notruf für Frauen des Sozialdienstes katholischer Frauen betreut. "Die meisten Verletzungen erleiden Frauen durch ihre Partner." (san)
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