Interview mit Heinrich Scharf, dem neuen Bundesjugendleiter der Feuerwehr
Er brennt für die Feuerwehr

Heinrich Scharf (52) ist bei der Stadtverwaltung Amberg für das Feuerlöschwesen zuständig. Seit 1997 engagiert er sich für die überregionale Jugendarbeit der Feuerwehren und wurde jetzt zum Bundesjugendleiter gewählt. Bild: upl
 
Wenn es um überregionale Aktionen der Feuerwehr geht, steht immer wieder Amberg im Fokus. Warum? Weil Heinrich Scharf die Fäden in der Hand hält. So wie beim Start der Jahreskampagne zur Mitgliedergewinnung im vergangenen Jahr. Archivbild: Huber

Als Chef der Deutschen Jugendfeuerwehr vertritt Heinrich Scharf aus Amberg 250 000 Jugendliche zwischen Flensburg und Berchtesgaden. Wie geht das, für eine Viertelmillion junge Ehrenamtliche zu sprechen?

Scheinbar ganz einfach: Der städtische Sachbearbeiter für das Feuerwehrwesen sitzt in der Teeküche der Feuerwache am Schießstätteweg, hat die Hände zusammengefaltet und sagt mit ruhiger Stimme: "Wir müssen schauen, dass wir auch in Zukunft noch Nachwuchs finden." Im Interview hat der 52-Jährige erklärt, was er tut, um 18 000 Jugendgruppen zwischen Flensburg und Berchtesgaden auf Kurs zu halten.

Herr Scharf, Gratulation zur Wahl zum Bundesjugendleiter der Deutschen Jugendfeuerwehr! Jetzt haben Sie sicher ein Büro in Berlin?

Heinrich Scharf: Das Bundesjugendbüro ist in die Geschäftsstelle des Deutschen Feuerwehrverbandes in Berlin integriert. Bei uns sind fünf Mitarbeiter beschäftigt. Die kümmern sich hauptamtlich darum, dass der Laden läuft. Ich arbeite dagegen ehrenamtlich.

Das heißt, Sie müssen keine Wohnung in der Hauptstadt suchen.

Nein, ich bleibe natürlich in Amberg. Aber ich muss regelmäßig nach Berlin fahren oder an Tagungen irgendwo anders in Deutschland teilnehmen.

Was sind Ihre konkreten Aufgaben? Welche Projekte haben Sie sich vorgenommen?

Wir sind sehr aktiv im Bereich Inklusion. Dabei geht es nicht nur um Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, sondern um Randgruppen aus der Sicht des traditionellen Feuerwehrdienstes, also auch um Frauen und Kinder. Auch Integration ist ein großes Thema und die Förderung der Demokratie. Dafür wurde die Jugendfeuerwehr 2013 mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet.

Welche Rolle spielt das Thema Nachwuchsgewinnung?

Eine große. In Bayern und vor allem in der Oberpfalz verzeichnen wir immer noch anhaltenden Zulauf. Aber auch wir werden den demografischen Wandel in ein paar Jahren verstärkt zu spüren bekommen. Deshalb ist zum Beispiel gerade die Kampagne für die Kinderfeuerwehr angelaufen. Wir fangen nun flächendeckend früher an, für den Feuerwehrdienst zu werben.

Wie ist der Zulauf speziell in der Region Amberg-Sulzbach?

Unsere Jugend ist stark. Da sind wir sehr zufrieden. Bei der Jugendarbeit kam uns natürlich zugute, dass so renommierte Veranstaltungen wie der Deutsche Jugendfeuerwehrtag oder das Jugendleitersymposium des Weltfeuerwehrverbandes in Amberg stattgefunden haben.

Als Bundesjugendleiter gehören Sie auch dem Präsidium des Deutschen Feuerwehrverbandes an. Eine zusätzliche Belastung?

Ich sehe das nicht als Belastung. Zum einen ist es mir sehr wichtig, in diesem Gremium die Belange des Nachwuchses zu vertreten. Zum anderen habe ich ja auch persönlich etwas von dem Engagement. Ich erweitere meinen Horizont, lerne interessante Menschen und nebenbei viele Ecken Deutschlands kennen.

Sie haben aber gleich nach der Wahl erklärt, das Amt mit Ablauf der Amtsperiode wieder abgeben zu wollen. Warum?

Ich mache diese Arbeit ja schon eine ganze Weile. 2009 wurde ich zum stellvertretenden Bundesjugendleiter gewählt. 2014 habe ich die Leitung kommissarisch übernommen. Insgesamt bin ich schon fast 20 Jahre in der überregionalen Jugendarbeit aktiv. Ich möchte mich nach dieser Amtszeit wieder mehr meiner Familie widmen. Meine Kollegen im Verband wissen und akzeptieren das.

In Bayern und vor allem in der Oberpfalz verzeichnen wir immer noch anhaltenden Zulauf. Aber auch wir werden den demografischen Wandel in ein paar Jahren verstärkt zu spüren bekommen.Heinrich Scharf
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