Interview mit Prof. Jens Wittfoht
"Eine Chance für die Stadt"

Prof. Jens Wittfoht. Bild: hfz

Wenn sich das Bürgerspital-Areal in den Spitalgraben und das Forum in die Neue Münze verwandeln, hat ein Büro maßgeblich die Finger im Spiel: Wittfoht-Architekten aus Stuttgart. Dort werden beide Projekte derzeit geplant.

Amberg/Stuttgart. Der Gründer des Büros, Jens Wittfoht (59), ist Professor für Entwerfen und Industrielle Methoden der Hochbaukonstruktion an der TU Darmstadt. Im Interview erklärt der gebürtige Kölner, welche Chancen sich durch die neue Überplanung links und rechts der Bahnhofstraße ergeben.

Zum zweiten Mal haben Sie den Wettbewerb gewonnen. Ist die Freude groß?

Jens Wittfoht: Natürlich haben wir uns gefreut. Der erste Wettbewerb lief ja schon 2010. Damals war die Vorgabe, ein Konzept für Betreutes Wohnen zu entwickeln. Im aktuellen Verfahren hatten sich die Bedingungen geändert.

Hatten Sie zwischen den Wettbewerben Kontakt zur Stadt Amberg?

Wir waren in einem engen Kontakt, natürlich mit Pausen, aber der Kontakt zwischendurch war da. Daher wussten wir auch vom Investoren- und Architektenverfahren und von der immer konkreter werdenden Idee, das Areal neu zu beplanen. Das Konzept, so wie der einstige Wettbewerb gedacht war, erwies sich als nicht aktuell. Da wir das Areal bereits kannten, wollten wir uns beteiligen und suchten uns einen Investor.

Welche neuen Bedingungen mussten erfüllt werden?

Der Wunsch vonseiten der Stadt war, dass das Quartier belebt wird. Wir gingen also den Fragen nach: Wie kann man das Quartier beleben? Was ist dort vorstellbar? Welche Konzepte können dort funktionieren? Wir entwickelten schließlich eine Kombination aus Handel und Wohnen.

Haben Sie mit Ten Brinke schon andere Projekte realisiert?

Nein. Wir haben zwar noch ein anderes Projekt, das ist aber noch in einem früheren Stadium.

Ihr Büro plant ja auch die Neue Münze, direkt gegenüber. Kommen die Planungen aus einer Hand?

Also erst mal kommen die Planungen natürlich aus einem Büro. Beide Verfahren wurden für uns entschieden. Das ist ein Vorteil für die Investoren. Absprachen können wir auf kurzem Wege koordinieren. Die Chance ist sehr viel größer, dass man maßgeschneiderte Prozesse entwickeln kann.

Das heißt, die Planungen erfolgen in enger Absprache miteinander?

Da muss man differenzieren. Natürlich gibt es zwei Investoren. Und es sind auch zwei getrennte Projekte. Beide Investoren stehen aber in Kontakt und tauschen sich aus. Das ist sehr gut für uns, denn da man kooperiert, kann man auch Synergien nutzen.

Können Sie die Richtungen beschreiben, wohin sich beide Projekte entwickeln?

Die Tendenz Wohnen und Handel ist bereits kommuniziert. Wie anteilig das jeweils sein wird, werden die weiteren Planungen bringen. Ein großes Plus ist, dass man überhaupt eine gemeinsame Antwort gefunden hat. Wir beschäftigen uns ja schon seit sechs Jahren mit der Situation. Ich muss persönlich sagen, ich finde, das ist eine Chance für die Stadt. Man merkt es an der Bahnhofstraße: Wenn man nicht aufpasst, entsteht ein Gefälle. Aber mit diesen beiden Projekten ist die Chance für die Stadt da, das Areal positiv zu bereichern und Amberg attraktiver zu gestalten.

Manche fragen sich, ob eine Tiefgarage mit Zufahrt in der Fußgängerzone sinnvoll ist. Was sind Ihre Planungen diesbezüglich?

Das ist momentan in der Diskussion. Wir haben im Vorfeld schon unglaublich viele Varianten durchgespielt. Jede Situation hat ihre Vor- und Nachteile. Das muss man abwägen. Generell wird diese Sache von der Stadt Amberg betreut. Wir haben das nur als eine Option untersucht.

Was ist Ihre Meinung?

Wir glauben, dass eine Einfahrt an der richtigen Stelle den Suchverkehr deutlich reduziert. Eine Einfahrt hat natürlich den Vorteil, dass man nicht zwei Tiefgaragen mit unabhängigen Zu- und Ausfahrten versorgen muss. Auch das wäre eine deutliche Verbesserung. Wenn man den Verkehr da abholt, wo er in der Stadt ankommt, ist es die beste aller Lösungen. Dass wir natürlich, wenn wir Flächen beleben, auch Parkplätze schaffen müssen, ist klar.

Spielt der Spitalplatz und die Nähe des Haupteingangs der Wirtschaftsschule eine Rolle?

Natürlich spielt der städtische Raum immer eine Rolle. Die Nutzung wird in enger Abstimmung mit den Beteiligten stattfinden. Wir haben erste Vorschläge gemacht. Ob die Investoren bereit wären, so etwas wie einen Kunstwettbewerb zu machen, muss erst entschieden werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.