Jahreshauptversammlung des TV 1861 Amberg
Vorstand nur zum Teil entlastet

American Football könnte bald eine weitere Sparte des TV Amberg sein. Mike Schmatloch, früher in diesem Sport beim Kraftsportclub und den Red Devils Kümmersbruck aktiv, erläuterte bei der Hauptversammlung, dass "sieben Leute von der alten Crew" gerne unter dem Dach des TV antreten würden. Über soziale Netzwerke hätten sich auch weitere Interessenten gemeldet. Ein Spielgeld gebe es zwar nicht, aber fürs Erste gehe es nur ums Training, und das sei auf einem Fußballfeld genauso möglich.
 
Ich kann die Staatsanwaltschaft auch nicht drängen.

Die Nachwehen des Ermittlungsverfahrens wegen nicht korrekt abgeführter Sozialabgaben und Steuern bei den Fußballern des FC Amberg bekam jetzt der TV Amberg zu spüren: Bei seiner Hauptversammlung konnte der Vorstand in Bezug auf die Finanzen nicht entlastet werden.

Diese in der mehr als 150-jährigen Geschichte des Vereins wohl einmalige Situation erklärte Vorsitzender Thomas Bärthlein am Dienstag im Sportpark-Restaurant damit, dass die von Zoll und Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Unterlagen erst vor kurzem wieder zurückgegeben worden seien. Deshalb habe keine Kassenprüfung erfolgen können. Somit sei auch eine Entlastung des Vorstands nicht möglich. Bärthlein sagte, er sei damit nicht glücklich, "aber ich kann die Staatsanwaltschaft auch nicht drängen".

Vor ziemlich genau einem Jahr, wenige Stunden vor Beginn der Generalversammlung 2015, hatte eine Razzia bei Verantwortlichen der Fußballabteilung stattgefunden, in deren Verlauf auch Bärthlein als Vorsitzender des Hauptvereins Unterlagen abgeben musste. Das Verfahren gegen den FC-Mäzen Helmut Schweiger war später gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Bärthlein betonte, anders als in einem Leserbrief in der AZ behauptet, habe er erst am 24. Dezember von der Staatsanwaltschaft die Mitteilung über die Einstellung bekommen.

Die Mitglieder machten am Dienstag aber von der Möglichkeit Gebrauch, den Vorstand in allen Aspekten seiner Tätigkeit, die von der Kassenprüfung nicht berührt sind, zu entlasten. Das geschah einstimmig - genauso wie die Wiederwahl der bisherigen Funktionsträger.

"Die Fusion findet nicht statt", berichtete Bärthlein zum geplanten Zusammengehen mit der SG Siemens. Einige Abteilungen der Sportgemeinschaft des Konzerns, die zum Jahresende aufgelöst wird, seien zu anderen Vereinen gewechselt: Volleyball, Tennis, Karate, Schach, Triathlon. "Für mich ist das ein bisschen ärgerlich, weil wir als Vorstand viel Zeit reingehängt haben." Wenn aber der Sport in Amberg insgesamt von dieser Kooperation mit anderen Gruppierungen profitiere, dann sei das auch in Ordnung. "Hauptsache, es wird Sport getrieben."

Für die noch verbleibenden SG-Sparten ist laut Bärthlein ein Wechsel als Ganzes zur entsprechenden TV-Abteilung vorgesehen. Beim Tischtennis ist dieses als "Verschmelzung" firmierende Verfahren bereits vollzogen. Sowohl Siemens als auch der TV brachten hier jeweils 50 Köpfe ein. Bei den Schwimmern ist die SG-Sparte schon aufgelöst, der Übergang der Mitglieder zum TV soll in den nächsten beiden Monaten erfolgen.

Doppelspitze möglich


"Wenn eine Abteilung komplett wechselt, werden wir keine Aufnahmegebühr verlangen", erläuterte Bärthlein die Vorgaben. Auch für die Höhe der Beiträge werde man eine Lösung finden, inklusive Satzungsänderung. Wie man die Verantwortlichen der SG in der Spartenleitung mit abbilde - zum Beispiel durch sofortige Neuwahlen oder eine Doppelspitze -, könne jede Abteilung für sich entscheiden. Von dort werde die Zusammenarbeit und das Klima bei den Gesprächen bisher als sehr positiv beschrieben. Man sei auf Ebene der Vereinsführungen in engem Kontakt, das nächste größere Treffen zur Klärung weiterer Fragen habe man am 19. Mai. Der endgültige Übergang der noch nicht verschmolzenen SG-Sparten sei für Januar 2017 ins Auge gefasst.

Ich kann die Staatsanwaltschaft auch nicht drängen.Thomas Bärthlein

Wo die Reise hingeht

Angemerkt von Markus Müller
Formal war es ein Grußwort, was Michael Cerny bei der Hauptversammlung des TV Amberg sprach, inhaltlich - er kommt ja aus der Wirtschaft - eher eine "Keynote": Der Chef sagt, wo die Reise hingeht.

Es sei nicht mehr selbstverständlich, bei einem Sportverein mit über 1400 Mitgliedern Leute zu finden, die bereit seien, im Vorstand Verantwortung zu übernehmen, sinnierte Cerny. Selbst das Ehrenamt fordere oft den ganzen Mann und einen Zeitaufwand, der neben der beruflichen Belastung gar nicht so einfach zu leisten sei. Da dürfe man durchaus über berufsmäßige Geschäftsführer nachdenken.

Daneben schilderte Cerny, was hinter der Sportpark-Idee, wie sie öfter im Stadtrat auftauchte, steckt: Auf der einen Seite ein wundervolles Sportgelände mitten in Amberg, auf der anderen eine demografische Entwicklung, die zwangsläufig dazu führe, dass sich noch mehr Vereine zusammenschließen. "Die Gespräche laufen sehr gut", deutete der OB an, dass diese Problematik bei vielen Verantwortlichen erkannt wird.

Da taucht dann natürlich schnell vor dem geistigen Auge ein Großverein auf, der nicht nur seine Verwaltung professionalisieren, sondern auch die existierenden Sportstätten optimal nutzen kann. Dass Cerny so eine Kooperation auch gegen zähe Widerstände durchsetzen kann, hat er nicht zuletzt bei den Eishockeyvereinen bewiesen.

FC finanziert sich selbstAls sehr positiv beschrieb TV-Vorsitzender Thomas Bärthlein die Erfahrungen mit der Spielbetriebs GmbH & Co. KG, durch die man vor einem Jahr die wirtschaftliche Seite der Fußball-Abteilung in eine juristische Person ausgegliedert habe: "Es läuft sehr, sehr gut. Das hätten wir schon früher machen sollen."

Das rechtliche Konstrukt hatte Dr. Manfred Postler entwickelt. Er erläuterte nun, die neue Gesellschaft finanziere den Spielbetrieb - unter anderem, indem sie die Namensrechte des FC Amberg auf die Amberger Sportpark GmbH von Hauptgesellschafter Helmut Schweiger als Vermarkter übertragen habe. "Soweit ich weiß, funktioniert es sehr gut mit den finanziellen Aufwendungen", sagte Postler.

Mit der Übertragung von Aufgaben an eine Gesellschaft wolle der TV erreichen, dass die Fußballer des FC Amberg - selbst wenn sie absteigen sollten - den Hauptverein nicht belasten "und uns in den Strudel hineinziehen, wie es mit dem alten 1. FC war".
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