Jahreshauptversammlung schrammt wegen lückenhafter Berichte an Eklat vorbei
Es beißt sich was im Tierschutzverein

Symbolbild: Unger
 
Ich will den Verein in die Höhe bringen und nicht kaputt machen. Er war ja schon fast kaputt.

"Ein Jahr lang war Friede im Tierschutzverein", sagt Vorsitzende Sabine Falk und schüttelt den Kopf darüber, dass das am Mittwochabend fast wieder in Gefahr geriet. Bei der Jahreshauptversammlung wurden erneut kritische Stimmen laut, die sich gegen den Kassenbericht und den fehlenden 2. Vorsitzenden richteten, der bereits im April 2015 zurückgetreten war.

Letzterer Umstand war zwar den meisten der über 40 Mitglieder in der Gaststätte Zur Alten Kaserne bekannt, aber es kam die Frage auf, warum keine Nachwahl für die Stellvertreter-Position angesetzt war. Gestellt wurde sie von Joachim Siegert, der Ende März 2015 als Gegenkandidat von Sabine Falk mit einer eigenen Vorschlagsliste für alle Vorstandsämter zu den Neuwahlen angetreten war. Er und seine Mitstreiter unterlagen knapp der anderen, von Falk angeführten Liste. Daraufhin zogen sich Siegert und sein Team zurück, nachdem sie schon zuvor angekündigt hatten, nur komplett und nicht "durchgemischt" mit anderen ins Rennen gehen zu wollen.

Laut Gericht nicht nötig


Das spielte am Mittwoch keine Rolle mehr. Dennoch wunderte sich Siegert, dass der Rücktritt des einstigen 2. Vorsitzenden Jörg Wimmer im Bericht der Vorsitzenden keine Erwähnung fand, zumal dieser schon wenige Wochen nach der letzten Wahl, also vor fast einem Jahr, erfolgt war. Sabine Falk sagte in der Versammlung zwar nichts zu Wimmers persönlichen und beruflichen Gründen, betonte aber, dass sie sich beim Registergericht erkundigt habe, ob eine Nachwahl erforderlich ist. Die Auskunft dort sei gewesen, dass das nicht zwingend nötig sei. Weil nämlich die Satzung des Tierschutzvereins Regelungen für diesen Fall nicht explizit festlege.

Dieser Mitteilung des für die Vereine zuständigen Gerichts hat die Vorsitzende nach eigenen Worten vertraut und deshalb eine Nachwahl nicht für notwendig gehalten und auch nicht für die Jahreshauptversammlung terminiert. Dass das so korrekt ist, zweifelte ein weiteres Mitglied in einem Redebeitrag an - außerdem blieb Joachim Siegert hart und forderte, sämtliche Mitglieder darüber ordentlich zu informieren und einen Nachwahltermin anzusetzen. "Okay, mach ma'", sagte Sabine Falk schon in der Versammlung und konkretisierte gestern gegenüber der AZ, dass sie per Rundbrief alle Mitglieder in Kenntnis setzen und gleichzeitig um Vorschläge bzw. tatsächliches Interesse für die Position des 2. Vorsitzenden bitten will.

Keine sofortige Nachwahl


Da liegt nach ihrer Ansicht der Hase im Pfeffer, dass sich vermutlich kaum jemand finden wird, der diese Funktion übernehmen will. Auch am Mittwoch erklärte sich nach Aufforderung spontan niemand bereit, auf den Plan zu treten. Aber eine Nachwahl wäre ad hoc wohl kaum möglich gewesen, weil sie nicht auf der Tagesordnung angekündigt war, wie ein Mitglied vor Rechtsfehlern warnend einwandte. (Angemerkt)

"Vize" fehlt und auch mündlicher Kassenbericht erscheint lückenhaftNeben der Diskussion um den 2. Vorsitzenden gab es auch Kritik am Kassenbericht. Der lag zwar schriftlich vor und wurde über die Tische in Umlauf gegeben, aber die mündliche Zusammenfassung von Schatzmeistern Heike Übler enthielt kaum Zahlen und Fakten im Vergleich zu Vorjahren. Auch das monierte Joachim Siegert, bekam aber wie ein, zwei weitere Mitglieder, auf konkrete Fragen, die verlangten Antworten.

So bestätigte Übler, dass der Tierschutzverein für die Stadt und den Landkreis 2015 mit dem Betrieb des Tierheims samt all seiner Kosten ein Defizit von rund 46 000 Euro machte. Aufgefangen werden konnte das nach ihrer Darstellung nur durch Spenden in Höhe von insgesamt etwa 57 000 Euro. Überhaupt seien diese Zuwendungen, teils auch Erbschaften, notwendig, um überleben zu können. Auf den Einwand, dass diese Einnahmen nicht planbar und jedes Jahr in nicht verlässlicher Höhe eingehen würden, entgegnete Übler mit Unterstützung von Sabine Falk, dass es fast allen Vereinen mit Tierheimbetrieb so gehen würde. Selbst in der benachbarten Großstadt Nürnberg sei das nicht anders.

"Das war schon immer so im Verein - ohne Spenden geht's nicht um." Außerdem hob Übler gestiegene Kosten durch die Einführung des Mindestlohns 2015 hervor und sie gab der Hoffnung Ausdruck, dass mit Inbetriebnahme der Katzenquarantänestation mit weniger kranken Tieren auch die Veterinärkosten in absehbarer Zeit sinken müssten. Das habe nur im vergangenen Jahr noch nicht so durchgeschlagen, sei aber für heuer zu erwarten.

Entlastung im wörtlichen Sinn bescherte dem Vorstand Hohenburgs Bürgermeister Florian Junkes, der als Revisor fungierte. Bei einer mehrstündigen Kassenprüfung seien keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Im Gegenteil sprach Junkes von einer "hervorragenden Buchführung, bei der jeder Cent ordentlich nachgewiesen ist". Mit vier Gegenstimmen erteilten die Mitglieder dem Vorstand daraufhin Entlastung.
Ich will den Verein in die Höhe bringen und nicht kaputt machen. Er war ja schon fast kaputt.Vorsitzende Sabine Falk
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