Josef Hauer baut Dachstuhl der Basilika St. Martin nach
Gebälk zum Anfassen

Inzwischen hat Josef Hauer (links) aus Parkstein schon mehr als 1000 Stunden in das Modell des Dachstuhls gesteckt. Karl Müller begleitet das Projekt. Bilder: upl

Gäbe es die sieben Oberpfälzer Weltwunder - der Dachstuhl der Basilika St. Martin gehörte wohl dazu. Ein Zimmerermeister aus Parkstein baut das Tragwerk des Kirchendachs jetzt originalgetreu nach. Balken für Balken, Holznagel für Holznagel.

"Es ist schier unglaublich, was die Handwerker vor fast 600 Jahren geleistet haben", sagt der 76-jährige Josef Hauer. Im Februar hat der Ruheständler aus Parkstein (Kreis Neustadt/WN) damit begonnen, die komplette Dachkonstruktion der Martinskirche im Maßstab 1:15 nachzubauen. Und zwar genau so, wie sie seit dem Jahr 1440 in Amberg steht - mit allen Abweichungen vom Ursprungsbauplan.

Das Modell ist fünf Meter lang und 1,86 Meter hoch, es nimmt die komplette Werkstatt des ehemaligen Zimmerermeisters in Beschlag. "Beim Bau des Dachstuhls haben die Handwerker kein einziges Metallteil verwendet. Alles ist aus Holz. Auch die Nägel", erklärt Hauer. Deswegen hat er rund 2500 Holznägel von der Größe eines Zahnstochers geschnitzt. Mit ihnen verbindet er die einzelnen Holzstücke nach dem gleichen Prinzip, das die Vorfahren einst genutzt haben. Der Nachbau besteht wie das Original aus 1500 Einzelteilen (ohne Nägel).

Ein Platz in Amberg


Hauer orientiert sich an einem Plan, den das Statikbüro Landgraf vor etwa 15 Jahren angefertigt hat, um den Dachstuhl sanieren zu können. "Die Statiker haben damals den Zustand des Tragwerks genau dokumentiert, auch mit seinen Schäden", erklärt Karl Müller, ein Zunftkollege Hauers, der an der Berufsschule 38 Jahre lang die Zimmerer-Lehrlinge unterrichtet hat. Eigentlich hatte sich Müller für den Ruhestand selbst vorgenommen, das Basilika-Gebälk nachzubauen. "Aber da gibt's einen in Parkstein, der macht das besser als ich", sagt er. Die beiden verbindet nicht nur eine brennende Leidenschaft für das Handwerk, sondern mittlerweile auch eine enge Freundschaft. Dass das Dachstuhl-Modell nach seiner Fertigstellung nach Amberg kommt, ist bereits fest ausgemacht. Einen festen Ausstellungsort gibt es aber noch nicht. Auch Josef Kohl aus Massenricht ist vom Dachstuhl-Virus infiziert. Zusammen mit Müller will er das Juwel mittelalterlicher Handwerkskunst, gerade jetzt, nach der aufwendigen Renovierung, stärker ins Bewusstsein rücken. "Das Bauwerk ist leider noch nicht wissenschaftlich untersucht worden. Deswegen haben wir Kontakt mit einigen Hochschulen aufgenommen." Ein Professor der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg habe Interesse signalisiert, der Martinskirche mit seinen Studenten auf's Dach zu steigen.

Bis Ende Oktober


"Bis Ende Oktober werde ich schon noch brauchen", meint Hauer. Gerade ist beim Modell die Balkenlage - also der Boden des Dachstuhls - montiert. Bei seiner Beschreibung wird deutlich, welche Dimensionen das Original-Bauwerk hat. 48 Balken mit einer Länge von jeweils 40 Metern ragen von Außen- zu Außenmauer. "Das muss man sich mal vorstellen, was das für riesige Bäume waren. Solche Exemplare findet man heute ja gar nicht mehr", sagt der Zimmerermeister aus Parkstein. Jeden einzelnen dieser Balken hievten die Handwerker damals 20 Meter in die Höhe, bis zur Mauerkrone, und setzten ihn dann passgenau ein.

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Infos über den Modellbauer im Internet:

www.josef-hauer.de

Es ist schier unglaublich, was die Handwerker vor fast 600 Jahren geleistet haben.Zimmerermeister Josef Hauer.
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