Josef Hauer baut den Dachstuhl der Amberger Martinskirche nach
Hommage an die Zimmerer

Josef Hauer (76) in seiner Werkstatt in Parkstein. Fast fünf Meter ist das Modell des Dachtragwerks der Amberger Martinskirche lang. Bilder: upl (5)
 
Karl Müller (links) und Josef Kohl (rechts) hatten einen Schutzengel für Josef Hauer mitgebracht. Die Figur ist aus einem besonderen Holz geschnitzt. Bild: upl

Seit elf Jahren ist Zimmerer Josef Hauer in Rente. Doch immer noch geht er morgens in seine Werkstatt. Vormittags macht er Brotzeit und um 16 Uhr Feierabend. Fast so wie früher. Holzarbeit ist seine Leidenschaft geblieben. Die Balken allerdings sind ein bisschen kleiner geworden.

Genauer gesagt 15 mal kleiner. Denn im Maßstab 1:15 baut der Rentner aus Parkstein (Kreis Neustadt/WN) gerade den Dachstuhl der Amberger Martinskirche nach (wir berichteten). Es ist nicht das erste Modell eines imposanten Gebälks, das in der Werkstatt des 76-Jährigen entsteht. "Der Dachstuhl der Friedrichsburg in Vohenstrauß war auch nicht ganz ohne", erzählt Hauer. "Aber mit so einem mächtigen Tragwerk wie dem der Basilika habe ich es noch nicht zu tun gehabt."

3000 winzige Holznägel hat der Ruheständler geschnitzt. Sie haben die Größe von Zahnstochern. Rund 1500 Mini-Balken beschriftete und stapelte er. Hauer orientiert sich strikt an der Bestandsaufnahme, die das Amberger Statikbüro Landgraf um das Jahr 2000 herum vorgenommen hat. Die Statiker haben jedes einzelne in dem Dachstuhl verbaute Teil (sogar mit seinen Schäden) dokumentiert. "Normalerweise mache ich meine Modelle immer im Maßstab 1:10", erzählt der Holz-Liebhaber. "Aber bei der Martinskirche ging das nicht, die wäre sonst zu groß geworden." Der 1:15-Nachbau kommt immer noch auf eine Länge von fast fünf und eine Breite von etwas unter zwei Metern. Mittlerweile hat der Senior bereits rund 1500 Arbeitsstunden in das Projekt gesteckt. Etwa noch einmal so viele werden folgen. "Ende Oktober will ich fertig sein." Warum er sich dieses riesige Puzzle antut? "Nur aus Leidenschaft zum Beruf. Aus Respekt vor dem Handwerk", sagt der Zimmerer, der sogar seine Tochter dazu gebracht hat, die Meisterprüfung abzulegen. Noch heuer soll das Modell nach Amberg gebracht und ausgestellt werden. Lehrlingsausbilder Karl Müller will es auf jeden Fall in die Aula der Berufsschule holen. Auch die Handwerkskammer hat schon Interesse signalisiert.

Emotionen in der WerkstattKarl Müller aus Amberg und Josef Kohl aus Massenricht wollen das Modell des Basilika-Dachstuhls dauerhaft der Öffentlichkeit präsentieren. "Wir suchen noch nach einem geeigneten Ort", erklärt Müller, der an der Berufsschule die Zimmerer unterrichtet. Auf jeden Fall will er den Nachbau seinen Auszubildenden zeigen. "Dann können die jungen Leute die Zimmermannskunst der vergangenen Jahrhunderte buchstäblich mit Händen greifen." Einzelne Gewerke sind nicht fest verbunden, so dass das Modell zu Anschauungszwecken teilweise auseinandergenommen werden kann. In der Werkstatt des Modellbauers gab es zwischen Sägespänen und Hobelmaschine vor wenigen Tagen einen emotionalen Moment: Müller und Kohl überreichten Josef Hauer eine Schutzengel-Figur, die aus einem nicht weiter verwendeten Balken des Original-Dachstuhls geschnitzt wurde. "Der Sparren hat fast 600 Jahre lang das Dach der Martinskirche getragen", sagte Kohl. "Wenn ein Schutzengel aus einem solchen Holz geschnitzt ist, dürfte eigentlich nichts schiefgehen." (upl)


Im BlickpunktDer Dachstuhl der Friedrichsburg in Vohenstrauß, das Gebälk der Parksteiner Kapelle, das Dachtragwerk des alten Rathauses in Weiden und sogar die eiförmige Aussichtsplattform in Neuschönau im Bayerischen Wald - die Liste der Modellbau-Projekte Josef Hauers ist lang. "Jedes Bauwerk hat seinen eigenen Charakter", sagt der 76-Jährige, der die Zimmermannstechniken der vergangenen Jahrhunderte wohl auch noch im Schlaf aufzählen und erklären könnte. 2005 ging Hauer in Ruhestand. Seitdem hat er schon 26 Dachstühle imposanter Gebäude nachgebaut. Vor drei Jahren präsentierte Hauer seine Werke bei einer Ausstellung in Parkstein. Mit dabei: das Gebälk der achteckigen Haube des Martinsturmes. 2014 schon fertigte der Zimmerermeister dieses Modell im Maßstab 1:10 an. Es befindet sich in der Martinskirche, die allerdings wegen Renovierungsarbeiten im Innern des Kirchenschiffes derzeit geschlossen ist.

Weitere Informationen:
www.josef-hauer.de
1 Kommentar
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Oliver Endres aus Amberg in der Oberpfalz | 05.08.2016 | 14:44  
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