Josef Ströhl aus Hahnbach hat eine sehr schwierige Zeit erlebt - und überlebt
Mit Sport dem Krebs trotzen

Josef Ströhl mit Tochter Lisa bei der Amberger Running Night. Bild: hfz

"Wenn man selbst nichts dafür tut, wird man nicht gesund. Man muss immer vorwärts schauen. Es gibt immer einen Weg." Das sagt Josef Ströhl aus Hahnbach. Und der 58-Jährige sagt das nicht einfach nur so dahin. Er hat eine sehr schwierige Zeit erlebt. Und überlebt.

2009 wurde bei ihm ein Tumor im linken Auge diagnostiziert. Darauf folgten OP und Bestrahlung in der Berliner Charité. Der Tumor ist zwar noch da, aber er ist unter Kontrolle und kleiner geworden. Josef Ströhl lebt seitdem damit.

Im Oktober 2014 dann eine erneute Schreckensnachricht. "Eine Arbeitskollegin hat mich zu meinem Hausarzt gefahren, weil ich immer so schlapp und schnell müde war", erinnert sich Josef Ströhl. "Mein Arzt hat mich dann gleich ins Amberger Klinikum geschickt, mit Verdacht auf Herzinfarkt." Nach verschiedenen Untersuchungen und einer Magenspiegelung die Diagnose: Magenkrebs. "Das war furchtbar für mich. Eine Katastrophe", schildert Josef Ströhl seine Gefühle von damals. In einer Presse-Info erzählt das Klinikum seine Krankengeschichte.

Diese Geschichte war auch in der Tumorkonferenz des Onkologischen Zentrums am Klinikum St. Marien Thema. In dieser Konferenz beraten alle Experten, die an der Behandlung von Krebspatienten beteiligt sind, darüber, welche Therapie für den jeweiligen Patienten die optimale ist. In Abstimmung mit dem Patienten wird anschließend die individuelle Behandlung festgelegt. Im Fall von Josef Ströhl war das eine Operation: Ihm wurde der Magen komplett entfernt, dafür bekam er einen Ersatzmagen: ein Stück vom Dickdarm, das als Magen umfunktioniert wurde.

Nur ein paar Monate nach der Entlassung aus dem Klinikum dann die Hiobsbotschaft: Es wurden Metastasen festgestellt. "Daraufhin musste ich letztes Jahr von März bis Oktober einmal in der Woche in die Praxis für Hämatologie und Onkologie zu Dr. Fischer von Weikersthal zur Chemotherapie. Das Schlimmste war für mich eigentlich nicht die Chemo an sich, sondern zu sehen, wie schlecht es anderen Patienten geht. Das war sehr schwierig", erzählt Ströhl. Und deshalb möchte er Mutmacher sein - anderen Krebspatienten sagen, dass es sich lohne, weiter zu kämpfen. "Vieles ist Einstellungssache: Wenn man selbst mit der Geschichte nicht positiv umgeht, wird man es nicht schaffen. Wenn man nicht versucht, selbst gesund werden zu wollen, schafft man es nicht."

"Laufen befreit mich"


Beim Gesundwerden geholfen hat Josef Ströhl der Sport. "Meine Tochter hat mich zum Laufen gebracht - schon vor Jahren. Ich habe vor meiner Erkrankung Sport getrieben, noch während der Chemo habe ich damit wieder angefangen und jetzt mache ich das auch weiterhin. Es hilft dabei, immer nach vorne zu schauen. Das Laufen befreit mich, dabei kann ich alle Alltagssorgen vergessen, und die Gedanken werden frei. So kann man den Rest des Tages ein bisschen besser angehen."

Zweimal in der Woche versucht der 58-Jährige zu laufen. Die Distanz hängt davon ab, wie er sich gerade fühlt - und vom Wetter: "Wenn es zu heiß ist, schaffe ich es nicht. Ansonsten laufe ich meistens um die sieben Kilometer, manchmal zehn." Als Ansporn ist Ströhl seit einiger Zeit auch immer wieder bei verschiedenen öffentlichen Lauf-Veranstaltungen mit von der Partie: Im Mai hat er beim Landkreislauf 6,3 Kilometer absolviert, bei der Amberger Running Night hatte er sich die 10-Kilometer-Strecke vorgenommen. "Das war ein schönes Gefühl, das geschafft zu haben. Immer nur alleine laufen ist nicht das Wahre. Man will ja auch mal das, was man trainiert hat, bei einer Veranstaltung testen, ob es auch funktioniert." Das nächste Ziel hat er bereits anvisiert: einen Halbmarathon im kommenden Jahr.

Aufgeben kommt für Ströhl nicht infrage - nicht beim Sport und auch nicht wegen einer Erkrankung. "Der Sport hat mir beim Durchhalten sehr geholfen. Und ein paar gute Freunde und meine Frau. Sie waren immer da und haben mir gesagt, dass es weiter vorwärts geht. Einen großen Anteil an meinem Erfolg haben auch die Ärzte und Pflegekräfte des Klinikums und die Mitarbeiter in der Praxis von Dr. Fischer von Weikersthal, die sich so menschlich um mich gekümmert haben und alle wirklich hervorragend zu mir waren. Das hat meine Motivation, wieder gesund zu werden, sehr, sehr positiv beeinflusst, und dafür möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken."

"Ich habe es geschafft"


Bis auf ein paar Kleinigkeiten lebt Josef Ströhl, wie er selbst sagt, wieder völlig normal. Er kann wieder normal essen - nur ein paar Speisen wie fettes Fleisch oder Sahne sollte er meiden -, und er braucht regelmäßig Vitamin-B 12-Spritzen. Außerdem stehen immer wieder auch Kontrolluntersuchungen an. "Man geht schon mit einem mulmigen Gefühl da hin. Aber ich gehe immer davon aus, dass nichts festgestellt wird. Ich mache mir da keine Gedanken - damit kann man nichts ändern und man macht sich nur selbst fertig."

Vor kurzem erst war Josef Ströhl bei der zweiten Nachuntersuchung bei Dr. Fischer von Weikersthal: "Alles im grünen Bereich. Jetzt ist ein Jahr seit der letzten Diagnose vergangen und ich habe es geschafft", freut er sich. Seine Botschaft an andere Betroffene: "Viele Menschen beschäftigen sich viel zu sehr mit dem ,Ach, geht's mir schlecht!', anstatt mit dem ,Wie kann ich das ändern?'. Man muss immer positiv denken. Ich sage mir immer: Ich laufe nicht der Krankheit davon, ich laufe der Gesundheit entgegen."

Ich laufe nicht der Krankheit davon, ich laufe der Gesundheit entgegen.Josef Ströhl
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