Junge Migranten kümmern sich um ein Fleckchen Erde
Jugendgarten geht in den Winterschlaf

Die Beete sind abgeerntet, es ist zu kalt, um noch gemütlich im Jugendgarten am Lagerfeuer zu sitzen. Deshalb geht der interkulturelle Schrebergarten an der Vils in den Winterschlaf. Das heißt aber nicht, dass die jungen Migranten ihre regelmäßigen Treffen ebenfalls auf Eis legen - sie unternehmen natürlich auch außerhalb der Gartenzeit etwas gemeinsam. Bild: hfz

Einsam steht der Wohnwagen auf dem Areal, der Jugendgarten ist seit rund einer Woche verwaist - Winterschlaf ist jetzt angesagt. Seit dem Frühjahr hatten sich dort regelmäßig junge Menschen getroffen, vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund. Sie mähten die Wiese unweit der Vils, zäunten mit Hilfe von Auszubildenden der Bayerischen Staatsforsten das Areal ein und besprühten mit den Initiatoren des Modelabels "I am free" den Wohnwagen in bunten Farben.

Anna Weißmann, Mitarbeiterin des Jugendmigrationsdienstes CJD in Sulzbach-Rosenberg, die die Jugendgarten-Mitstreiter betreute, zieht eine positive Bilanz: "Wir sind sehr zufrieden, die Jugendlichen haben das Angebot sehr gut angenommen." Die jungen Menschen, die zwischen 14 und 27 Jahre alt sind, stammen ursprünglich aus Syrien, dem Irak und Eritrea. Regelmäßig bei den wöchentlichen Treffen im Jugendgarten waren rund zehn Leute. "Es gab aber auch Tage, da waren so um die 18 da", beschreibt Anna Weißmann den Spitzenwert an Teilnehmern.

Tauschbörse für Kleidung


Das Jugendgarten-Team intensivierte seine Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Altes Klärwerk und der Umweltwerkstatt. So nutzen die jungen Migranten das Sprachcafé im JuZ und nahmen am Kicker-Turnier teil, erzählt die CJD-Mitarbeiterin. Im Garten selbst liefen eigene Aktionen, zum Beispiel eine Klamotten-Tauschbörse mit dem Modelabel "I am free". Die jungen Leute bauten außerdem ihr eigenes Gemüse an. Tomaten, aber auch Gurken, Kürbisse und Kohlrabi. Sonnenblumen sorgten nicht nur für gute Sommer-Laune, sondern spendeten auch essbare Kerne. Besonders interessant fand Weißmann eine Mischpflanze, die der Jugendgarten als Spende erhalten hatte: oben wuchsen Tomaten, in der Erde die Kartoffeln.

Selbstverständlich verwertete die Gruppe ihr Gemüse auch. "Jedes Treffen endete mit einem leckeren Essen", berichtet Anna Weißmann. Es gab Gerichte aus unterschiedlichen Ländern, aber auch beliebte Klassiker wie Burger. "Die jugendlichen Migranten haben auch immer das probiert, was sie nicht kannten", sagt Anna Weißmann. So testeten die Hobbygärtner, wie eine gelbe Gurke schmeckt. Bis zur Ernte hatten die Jugendlichen sich aber fleißig um die Pflanzen kümmern müssen. "Da waren sie ganz froh, dass es im Sommer zwischendurch immer mal wieder geregnet hat", erzählt die Betreuerin. Denn mit einmal Gießen pro Woche wäre es sonst nicht getan gewesen. In den Allerheiligen-Ferien war die Gruppe letztmals für diese Saison im Jugendgarten. Gefeiert wurde eine After-Halloween-Party. "Da war es aber schon ganz schön kühl, obwohl wir den Grill angeschürt hatten." Der Jugendgarten geht zwar in den Winterschlaf, doch die Migranten werden sich weiterhin treffen, unter anderem beim CJD in Sulzbach-Rosenberg. Außerdem werden sie an Veranstaltungen im JuZ teilnehmen.

Freunde gefunden


Kommuniziert wird über Whats-App, über den Messenger verabreden sich die Teilnehmer auch außerhalb der Jugendgarten-Zeiten. "Da haben sich Freundschaften entwickelt", freut sich Weißmann, die an der weiteren Jugendgarten-Planung bastelt.
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