Junger Asylbewerber absolviert Ausbildung in Freudenberger Handwerksbetrieb
Neuer Glückstag im Kalender

Stefanie, Peter jun. und Peter sen. Wünschmann (von links) freuen sich im gleichnamigen Freudenberger Familienbetrieb für Heizung und Sanitär über Amadou Embalo, der dort seit September 2015 eine Ausbildung als Anlagenmechaniker absolviert. Bilder: Royer (3)
 
Ich muss aber noch etwas mehr Muskelmasse aufbauen, sagt der Trainer. Ich esse viel, nehme aber nicht zu.

Es klingt unglaublich, ist aber doch wahr: Der 19-jährige Flüchtling Amadou Embalo hat den Teufelskreis aus Armut und Gewalt durchbrochen. Er kam aus Westafrika nach Bayern, wo für ihn künftig der 1. September als Glückstag gilt. Denn an diesem Tag übernahm den jungen Asylbewerber die Firma Wünschmann aus Freudenberg als Azubi.

-Sulzbach. Seinen Vater hat er gar nicht gekannt, seine Mutter ist tot. Irgendwo in seinem Heimatland Guinea-Bissau, das zu den ärmsten Ländern der Erde zählt, leben wohl noch einige Geschwister, wie viele weiß Amadou nicht. Er musste schon als Kind in der Landwirtschaft arbeiten, ein Onkel ließ nicht zu, dass er eine Schule besucht. Doch irgendwie schaffte er es, sich über ein brasilianisches Hilfsprojekt in einer Art Schule die Amtssprache Portugiesisch anzueignen.

Keine andere Wahl


Die unsicheren Zustände durch Militärputsch und religiöse Eiferer sowie der strenge Onkel ließen für ihn keine andere Möglichkeiten zu, als durch Flucht dieser misslichen und lebensbedrohlichen Lage zu entkommen. Sein Weg führte ihn ins westafrikanische Nachbarland Senegal, wo er sich ab 2011 zwei Jahre mit landwirtschaftlichen Jobs durchschlug. Von dort kam er mittels eines Freundes über Mauretanien, wo auch einige Sahara-Passagen zu bewältigen waren, und Marokko schließlich nach Spanien.

Auch dort herrschte unter den vielen Flüchtlingen, die meist ohne irgendwelche Papiere unterwegs waren, große Perspektivlosigkeit. Ständig lief er Gefahr, als illegaler Einwanderer aufgegriffen zu werden. Freunde machten es aber nach sechs Monaten möglich, dass Amadou Embalo mit einem Bus bis nach München gelangte. Einen Monat später kam er über einen Verteilungsschlüssel in Amberg an.

Praktikum vermittelt


Eine Bleibe fand er in einer Wohnung der Dr. Loew Sozialen Dienstleistungen in der Vilsstadt, die das Jugendamt als zuständige Betreuungsbehörde vermittelte. Um den Sprachunterricht und weitere schulische Bildung kümmerte sich das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) und das Kolping-Bildungswerk in enger Kooperation mit der Berufsschule Amberg. Dazu gehörte auch die Vermittlung von Praktikumsstellen durch Sozialpädagogin Andrea Schadl. Amadous Weg führte dabei im vergangenen Jahr zur Freudenberger Firma Heizung & Sanitär Wünschmann. Nach zwei Schnupperzeiten in diesem Betrieb, stand für den jungen Asylbewerber fest: "Hier möchte ich arbeiten!"

Dies machte schließlich Firmenchef Peter Wünschmann möglich. Zum 1. September 2015 trat der 19-jährige Flüchtling aus Westafrika seine dreieinhalbjährige Ausbildung als Anlagenmechaniker an. Beim Pressegespräch wird schnell deutlich, wie schwer es die Handwerksbetriebe in der Region mittlerweile bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden haben. Auch deshalb wurde Amadou von der Freudenberger Firma mit offenen Armen aufgenommen.

Echte Perspektive


"Wir sind wirklich überzeugt von unserem Amadou. Er hat ein offenes Wesen, ist fleißig und sehr wissbegierig", weiß Senior-Chef Peter Wünschmann, der für den jungen Asylbewerber auch nach der Ausbildung durchaus eine Zukunft in der Firma sieht. Diese Eindrücke herrschten aber nicht nur beim Lehrherrn vor, sondern gelten auch im Kollegenkreis und bei der Kundschaft, versicherte der Handwerksmeister. "Mir gefällt die Arbeit sehr gut, sie ist abwechslungsreich und ich habe schon viel dazugelernt", merkt der Auszubildende an, der auch seine Lehrer an der Schwandorfer Berufsschule und bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung lobt. "Wenn ich etwas nicht weiß, nehmen sie sich Zeit und erklären mir alles."

Auf die Risiken durch das noch laufende Asylverfahren angesprochen, wird Peter Wünschmann energisch: "Wir leisten hier beste Integrationsarbeit. Wenn Amadou kein Bleiberecht erhält, werden wir auf die Barrikaden gehen. Das wäre gegenüber ihm und uns als Lehrbetrieb mehr als ungerecht."
Ich muss aber noch etwas mehr Muskelmasse aufbauen, sagt der Trainer. Ich esse viel, nehme aber nicht zu.Amadou Embalo


FußballDie große Leidenschaft des jungen Flüchtlings ist der Fußball. Gegenwärtig kickt Amadou in der zweiten Mannschaft des FC Amberg. Auch dort ist er, wie überall, sehr beliebt und hat viele Freunde. "Ich muss aber noch etwas mehr Muskelmasse aufbauen, sagt der Trainer. Ich esse viel, nehme aber nicht zu", schmunzelt der 19-Jährige. (oy)
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