JVA Amberg bietet Häftlingen mehrere Formen von Ausbildung an
„Wir beuten die Gefangenen nicht aus“

Ausbildungsmeister Manuel Först (links) und die drei Mitglieder des Prüfungsausschusses, Klaus Schönberger, Theodor Weiß und Stefan Hüttner (von links), sind zufrieden mit den Gesellenstücken der fünf Lehrlinge. Der Waschtischschrank (Mitte) und das Hängeschränkchen (hinten, links) bekamen besonders gute Noten. Bilder: gf (3)
 
Die Schreiner-Azubis in der Amberger JVA lernen auch den Umgang mit den modernsten Maschinen.
 
Höchste Konzentration für millimetergenaues Arbeiten: Bei der Abschlussprüfung 2016 der Schreiner hatten die JVA-Insassen genau wie jeder Prüfling draußen nur sechseinhalb Stunden für die ihnen gestellte Aufgabe.

Auch Mittelschulabschlüsse können die Gefangenen in der JVA nachmachen. "Das ist wie Erwachsenenbildung, freiwillig, als Kurs angelegt; es dauert zehn Monate", erläutert Johannes Eisend, im Amberger Gefängnis seit zehn Jahren der Beauftragte für schulische Ausbildung. Sollten mehr Interessenten als Plätze da sein, gilt das Motto: "Jung und unqualifiziert hat Vorrang." Heuer waren von 15 Prüflingen 14 erfolgreich; 9 schafften den Quali, 5 den Mittelschul-Abschluss.

Die Prüfungen sind dieselben, die alle anderen Schüler auch ablegen, denn sie werden in Bayern zentral gestellt. Für die Abnahme ist die Luitpoldschule zuständig, weil die JVA in deren Sprengel liegt. Das heißt, die Lehrer von dort kommen hierher, um bei der Abschlussprüfung die Aufsicht zu führen und sie zu korrigieren. Bei einer kleinen Abschlussfeier überreichte heuer Maria Schuller, die Rektorin der Luitpoldschule, den Gefangenen die Zeugnisse und erlebte, wie dankbar sie den externen Lehrern sind.

Den Kurs in der JVA geben Johannes Eisend und ein Lehrer im Nebenamt: "Wir teilen uns den Unterricht in den Fächern." Auf der einen Seite, meint Eisend, müssten nicht alle Fortbildungsaktivitäten der Häftlinge abschlussorientiert sein. Englisch- oder Computerkurse könnten auch schon weiterhelfen; oder - "wir sind ja ein internationales Haus" - Deutschkurse für Straftäter mit Migrationshintergrund. Auf der anderen Seite gibt es für begabte Schüler sogar die Möglichkeit höherer Abschlüsse: Den für die Realschule kann man in Bayreuth erwerben (man muss also verlegt werden), selbst die Fachhochschulreife ist möglich oder ein Fernstudium. Letzteres geht allerdings nur von der JVA Würzburg aus. (ll)

Der Witz funktioniert nur hier: "Wir müssen auch unsere besten Leute entlassen." Und die freuen sich sogar noch drüber. Wir sind in der JVA. Aber heute spuken diese Gedanken in keinem Kopf. Alle sind hoch konzentriert - es läuft die Gesellenprüfung der fünf Schreinerlehrlinge.

Eigentlich ist alles wie draußen: die geforderten Arbeitsproben, die Bewertung durch den Prüfungsausschuss der Handwerkskammer, die Zeitvorgabe von sechseinhalb Stunden und dass man am Ende immer ins Schwitzen kommt. Selbst das Motto der Prüfer dürfte überall zu hören sein: "Was dem Kunden nicht gefällt, gefällt uns auch nicht", formuliert es Theodor Weiß. Der Schreinermeister ist schon rund 20 Jahre im Prüfungsausschuss dabei, genau wie seine Kollegen Klaus Schönberger (Schreinermeister und JVA-Beamter im Werkdienst) sowie Stefan Hüttner (Fachlehrer an der Berufsschule).

Letzterer meint, selbst die Teilnehmer der Prüfung seien eigentlich "nicht anders als draußen auch". Sie hätten erkannt, dass die Anforderungen heuer "sehr anspruchsvoll" seien, sagt Schönberger, und hängten sich alle voll rein. Einen Unterschied erkennt Heribert Hohlheimer, seit 30 Jahren Beauftragter für berufliche Bildung in der JVA Amberg: "Die Leute sind ihrem Ausbildungsmeister Manuel Först richtig dankbar." Seine Leistung ist auch innerhalb der Innung nicht zu unterschätzen: Mit fünf Mann bildet die JVA heuer ein Drittel der Schreinerlehrlinge für Amberg-Sulzbach und Amberg aus.

Selbst für Lebenslängliche


Vielleicht liegt es daran, dass die Schreiner (genau wie die Maler) in der JVA eine kleine Vergünstigung haben - für sie kommt der Prüfungsausschuss ins Gefängnis. "Da kann jeder mitmachen, auch wenn er lebenslänglich hat", macht Hohlheimer die Folge deutlich. Und was ist mit der Berufsschule? "Der Unterricht wird von uns abgedeckt, den machen die Meister hier."

46 Abschlüsse


Dass man sich in dieser Weise um die Häftlinge kümmert, ist ein gesetzlicher Auftrag. Demnach muss eine JVA geeigneten Gefangenen einen Schulabschluss (siehe "Das Gefängnis als Schulbank") und eine Lehre anbieten. In Amberg gibt es 30 Ausbildungsplätze. In den vergangenen drei Jahren brachten es hier 46 Häftlinge bis zum Gesellenbrief. Heuer absolvieren 16 ihre Prüfung.

Die gute Erfolgsquote hält Heribert Hohlheimer für ein "Verdienst der Gefangenen, die sich da reinsteigern können", aber auch der JVA-Bediensteten, die "mit am selben Strang ziehen". Manchmal muss man die Gefangenen erst motivieren, sich auf so etwas einzulassen. Andere dagegen möchten ihre Zeit sinnvoll nutzen oder - vor allem Ältere, wie etwa ein 45-Jähriger - begreifen eine Berufsausbildung als ihre letzte Chance. Das typische Alter der Azubis liegt laut Hohlheimer zwischen 25 und 35 Jahren. Sollten sich mehrere Bewerber für eine Lehrstelle interessieren, bevorzuge man meist den jüngeren.

Ausbildungsbeihilfe heißt in der JVA das Geld, das der Azubi erhält; im Durchschnitt 12,55 Euro. Davon bekommt er drei Siebtel für seinen Einkauf, vier Siebtel muss er für seine Entlassung ansparen. "Wir beuten die Gefangenen nicht aus", bemerkt Hohlheimer zur Differenz zwischen dem relativ geringen Lohn und den Summen, die man mit ihrer Arbeit möglicherweise erlösen kann. Der Tageshaftkostensatz - was ein Tag Haft eines Gefangenen den Staat kostet - liege bei rund 109 Euro.

Was die Ausbildung im Gefängnis wert ist, zeigt aber zuerst eine andere Zahl: Wie viele, die ihren Gesellenbrief hinter Gittern gemacht haben, bekommen nach ihrer Entlassung einen Job? Die ersten 20 Jahre sei es schwierig gewesen, dass ein Gefangener draußen unterkommt, gibt Hohlheimer zu. "Aber jetzt, wenn einer wirklich will, bekommt er draußen einen Arbeitsplatz." Vor allem in gefragten Berufen wie Metallbauer oder im Kfz-Bereich.

Da komme es sogar vor, dass Firmenchefs anriefen und fragten, ob nicht bald einer mit der gesuchten Ausbildung entlassen wird. Sicher eine gute Voraussetzung, um von der schiefen Bahn runterzukommen. Hohlheimer schränkt etwas ein: "Wenn er hier drin auch an seiner Persönlichkeit gearbeitet hat."

Die BerufeFür die Berufe Schreiner sowie Maler und Lackierer ist die JVA Amberg "zentrale Ausbildungsstätte". Mit 12 und 10 Ausbildungsplätzen bieten sie deshalb das größte Kontingent an. Für die anderen Berufe gibt es in Amberg meist nur ein bis zwei Lehrstellen: Bäcker, Maurer, Metzger, Elektroniker, Kraftfahrzeugmechatroniker, Metallbauer, Schneider, Zierpflanzengärtner sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Da die Berufe auch Modeströmungen unterliegen, gab es etwa schon seit vier Jahren keinen Interessenten mehr für die Ausbildung zum Metzger. Eine ernstere Einschränkung für die Berufswahl ist die Haft selbst beziehungsweise ihre Bedingungen: "Wer nicht raus darf zu Kursen, Lehrgängen oder Prüfungen, der muss halt einen Beruf nehmen, für den wir zentrale Ausbildungsstätte sind", verdeutlicht Heribert Hohlheimer. Da kann alles in der Haftanstalt erledigt werden.

Der große Vorteil der Schreiner ist, dass sie nach der Ausbildung in der Schreinerei der JVA weiterarbeiten können. Die fertigt Produkte für externe Kunden an, aber auch für den internen Bedarf. Hohlheimer: "Unsere Fenster machen wir alle selber." (ll)


Da kann jeder mitmachen, auch wenn er lebenslänglich hat.Heribert Hohlheimer über Berufe, für die die JVA zentrale Ausbildungsstätte ist
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