Katholische Familie tritt vom Christentum zum Islam über
Um des Himmels willen

Die Kombination aus Dirndl und Hidschab mutet gerade im Islam nicht alltäglich an. Renate Hermann versteht sich als bodenständige Oberpfälzerin. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann und ihrer Tochter ist sie auch mit der Veröffentlichung eines Fotos einverstanden. Bild: privat
Vermischtes
Amberg in der Oberpfalz
07.09.2016
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Den früheren "Herrgottswinkel" in der Küche zieren heute Erinnerungsstücke aus dem Leben der Familie Hermann. Bild: cf

Noch im vergangenen Jahr sang Renate Hermann im katholischen Kirchenchor. Heute geht die ehemalige Pfarrgemeinderätin zum Freitagsgebet in die Moschee. Die Oberpfälzerin konvertierte zum Islam: "Aus Liebe zu Allah." Immer mehr Katholiken und Protestanten werden Muslime.

Amberg/Weiden. "Wir sind inzwischen so viele Konvertiten, dass wir während des Ramadans nicht mehr in die Moschee passen", erzählt die 36-jährige Tochter, die bereits vor fünf Jahren den Glauben gewechselt hat. Weiden, Amberg und Schwandorf würden jeweils zwei Moscheen mit Hunderten Plätzen zählen. Neben Mutter (63) und Tochter trat auch Vater Günter Hermann (65) zum Islam über: "Keineswegs aus Hass oder Wut, sondern der tiefen inneren Überzeugung wegen."

Das Haus in dem kleinen Ort im nordwestlichen Kreis Schwandorf wirkt so regionaltypisch wie die Anwesen in der Nachbarschaft. Erinnerungsstücke erzählen aus den früheren Lebensphasen: Im Flur spendet der "Gute Rat aus Kloster Banz" noch Weisheiten für den Alltag; ein stilisierter Notenschlüssel aus Edelstahl und ein fröhliches Gruppenbild veranschaulichen das Wirken in Kirchen- und Gospelchor.

Vorbei. Anstelle des Herrgottswinkels schmücken jetzt ein paar Utensilien wie selbstgemalte Blumenbilder die Küche. Dabei empfand sich Renate Hermann als durchaus engagierte Katholikin. Etwa 15 Mal pilgerte sie nach Altötting, sie kennt Lourdes, Rom und Santiago de Compostela. Ein Pilgerreise im Frühjahr 2015 "mit dem hiesigen Pfarrer" nach Israel brachte schließlich die Glaubens-Wende: "Das kann alles so nicht stimmen. Jesus ist nicht Gottes Sohn, sondern nur ein Prophet." Ehemann Günter ergänzt, dass die römisch-katholische Kirche "nur einen Zweig am Baum der Religionsgemeinschaften" darstelle. Heute betet Renate Hermann fünf Mal am Tag zu Allah. "Jeweils zehn Minuten kann man für Gott schon erübrigen."

Daheim Jeans und T-Shirt


Renate Hermann schildert die "unkomplizierte" Konversion: Einfach in Gegenwart einer muslimischen Zeugin (in diesem Fall ihre Tochter) das Glaubensbekenntnis des Islam beten. Die Mutter trägt eine Art Kopftuch, genannt Hidschab, der auch die Schultern bedeckt. Die Tochter, die ihren Namen nicht öffentlich machen möchte, verhüllt sich mit einem dunklen Nikab, der nur die Augen frei gibt: "Aus Schamgefühl, Respekt vor meiner eigenen Weiblichkeit und aus Liebe zu Allah." Den Nikab ("in allen Farbschattierungen, gekauft über Ebay") legt sie nur an, "wenn mich jemand sieht, der nicht nahe mit mir verwandt ist". Die Verschleierung geschehe ohne jeden Zwang.

Daheim greift die junge Frau gerne zu Jeans und T-Shirt. Für ihren Ehemann, einen griechischen Muslim, "style" sie sich regelrecht auf. Sie findet den Nikab frauenfreundlich: "Ich muss nicht meinen Körper zeigen, um Anerkennung zu ernten." So wie eine Frau das Recht besitze, sich auszuziehen, so habe sie auch das Recht, sich anzuziehen - "wie sie will".

"Ich bin doch Deutsche"


Inzwischen erfährt die Tochter jedoch "so viel Hass und Aggressivität" auf der Straße, dass sie im Nikab nicht mehr allein das Haus verlässt. Die islamistischen Terroristen seien jedenfalls keine Muslime: "Die fahren in die Hölle und bekommen bestimmt keine 72 Jungfrauen."

"Ich bin doch Deutsche und mit meiner Heimat Oberpfalz verwurzelt. Ich träume von einem Reihenhaus mit Garten." Statt Hosianna rufe sie allerdings "Allah ist groß": "Jesus war auch nicht blond und blauäugig - oder trug eine Lederhose". Die Lieblings-Fernsehsendung von Tochter und Mutter ist übrigens die Nonnen-Serie "Um Himmels willen".

Ich muss nicht meinen Körper zeigen, um Anerkennung zu ernten.M., 36-jährige Tochter des Ehepaars Hermann


Die Terroristen fahren in die Hölle und bekommen bestimmt keine 72 Jungfrauen.M., 36-jährige Tochter des Ehepaars Hermann


"Hass durch Gebrüll und Anspucken"Die zum Islam konvertierte Renate Hermann besucht in der nördlichen Oberpfalz die arabischen Moscheen. "Die meisten Flüchtlinge kommen aus arabischen Ländern und können mit einer türkischen Moschee nicht so viel anfangen. Die Predigten in den arabischen Moscheen sind auch auf Deutsch, was für uns Konvertiten gut ist. In den türkischen Moscheen wird nur türkisch gepredigt. Die Imame sprechen kein Deutsch. Die waren sogar der Meinung, man muss Türke werden, um zu konvertieren. Die nennen den Islam ,unsere türkische Religion.'" Renate Hermann bedauert auch, dass die türkischen Imame alle vier bis fünf Jahre ausgewechselt würden. Sie versichert, "dass weder in der arabischen Moschee in Weiden noch in jener in Schwandorf Hasspredigten oder Aufrufe zu Terror stattfinden". Sie erfahre auf den Straßen zum Teil offenen Hass durch Gebrüll und Anspucken. (cf)
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10 Kommentare
Sonja Kaute aus Weiden in der Oberpfalz | 07.09.2016 | 11:32  
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Roland Siegert aus Weiden in der Oberpfalz | 07.09.2016 | 13:22  
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Ludwig Dierl aus Waidhaus | 07.09.2016 | 16:41  
6
Peter R aus Weiden in der Oberpfalz | 07.09.2016 | 18:20  
Sonja Kaute aus Weiden in der Oberpfalz | 07.09.2016 | 20:16  
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 07.09.2016 | 21:39  
6
Fritz Mohn aus Alteglofsheim | 08.09.2016 | 02:02  
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Rene Kinderlein aus Sulzbach-Rosenberg | 08.09.2016 | 07:30  
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C. Schmitz aus Regensburg | 11.09.2016 | 23:49  
6
Berti Stählter aus Donaustauf | 12.09.2016 | 19:41  
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