Klaus Herdegen neuer Eigentümer
Lösung für Josefshaus in Sicht

Es war der allerletzte Versuch, das Josefshaus noch einmal mit Leben zu erfüllen. Im Juni 2009 spielten Discjockeys im großen Saal Hits aus den 80er und 90er Jahren. Drei Monate zuvor hatten die Stadträte eine grundlegende Entscheidung getroffen: Das Vorhaben, in dem 1996 geschlossenen Veranstaltungsort wieder eine dauerhafte Nutzung zu etablieren, war unwiderruflich vom Tisch. Bild: Hartl

Einst war es der kulturelle Dreh- und Angelpunkt Ambergs. Seit fast 20 Jahren steht es nun schon leer. Das Josefshaus gegenüber dem Kurfürstlichen Schloss ist zu einem Schandfleck verkommen. Doch jetzt scheint sich eine neue Nutzung für das Gebäude aufzutun.

Der ehemalige Veranstaltungssaal samt seiner Nebengebäude ist verkauft. Neue Eigentümer sind die Eheleute Heike Bogner und Klaus Herdegen, seines Zeichens Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Lüdecke, die sich auf Kupplungssysteme im Werkzeug-, Maschinen- und Anlagenbau spezialisiert.

"Kein Neubau"


Zu den konkreten Planungen wollte sich Herdegen noch nicht äußern. Er befinde sich derzeit in intensiven Abstimmungsgesprächen mit den zuständigen Stellen der Stadt. Er ließ aber durchblicken, dass er an eine weitgehende Sanierung des Bestandes und nicht an einen Abriss denkt.

"Es wird keinen kompletten Abbruch und Neubau geben", erklärte Herdegen. Unter anderem soll das Bild an der Fassade zum Kaiser-Wilhelm-Ring hin erhalten bleiben. Das Werk mit dem Titel "Vater Kolping begrüßt einen Handwerker" ist ein frühes Werk des Amberger Künstlers Michael Mathias Prechtl. Mit Herdegens Plänen dürfte in absehbarer Zeit wieder Leben in einen Leerstand an einem exponierten Punkt einkehren. Die zusehends verfallende Immobilie an der Straßenkreuzung neben Kurfürstlichem Schloss und Wingershof ist nicht nur den Touristikern der Stadt seit langem ein Dorn im Auge. Mehrfach gab es in den vergangenen Jahren im Stadtrat Anfragen zum Stand der Dinge.

Es wird keinen kompletten Abbruch und Neubau geben.Der neue Josefshaus-Eigentümer Klaus Herdegen

Das Gebäude steht schon seit fast 20 Jahren leer. Zuletzt war Markus Staufer (Baufirma Staufer, Rieden) Eigentümer des Komplexes.

Bis Mitte der 90er-Jahre herrschte in den Räumen des Josefshauses reger Festbetrieb. Schulen hielten dort ihre Abschlussbälle, Vereine ihre Faschingsfeiern, Parteien ihre Kundgebungen, Konzerte namhafter Künstler gingen über die Bühne.

Seit 1996 geschlossen


Mehr als 100 Jahre lang war das Haus mit der Kolping-Bewegung verbunden. 1997 musste der Betreiber, der Verein Kolpinghaus St. Josef, Konkurs anmelden und das Gebäude verkaufen. Seine Funktion als Veranstaltungszentrum übernahm das 1996 eröffnete ACC.

Nicht noch länger wartenAngemerkt von Thomas Kosarew

Die Stadt, die Zeitung, die Parteien, die Amberger - fast hätten wir es alle vergessen, das Josefshaus. In dem 1892 von der Kolpingsfamilie als Gesellenhaus eröffneten Gebäude spielte sich einst das gesellschaftliche Leben Ambergs ab. Nach der Schließung war der alte Saal aber über Jahre hinweg nicht mehr als ein Gebrauchtmöbellager. Das hat sich seitdem kaum geändert. Dem bisherigen Eigentümer Markus Staufer bot sich durch den Kauf die Chance, das Stadtbild positiv zu verändern, und der Riedener wollte sie auch nutzen: Parken, Arbeiten, Einkaufen und Wohnen - alles unter einem Dach. Davon war zuletzt vor drei Jahren die Rede. Geschehen ist nichts. Erklärt hat das der Bauunternehmer stets mit Aussagen wie diesen: "Ich bin schlicht und ergreifend nicht dazu gekommen, weil unsere Kundenaufträge natürlich vorgehen."

Amberg kann aber jetzt davon profitieren. Der Name Klaus Herdegen bürgt für Zuverlässigkeit und Qualität. Bestes Beispiel ist die von ihm initiierte Sanierung des Ensembles Vilsstraße13/Jesuitenfahrt 1. Die Frage ist nur, wie lange Amberg auf das neue Josefshaus warten muss und welche Nutzung dem Eigentümer vorschwebt. Mal ganz ehrlich: Wäre die leere Immobilie in der Bahnhofstraße noch immer das beliebte Kaufhaus Storg oder das belebte Forum, Wortgefechte und Diskussionen über das Josefshaus hätten unzählige Sitzungen des Stadtrats gefüllt. So aber ist ein Wahrzeichen in den Hintergrund gerückt. Doch das soll sich nun ändern. Applaus gab es im Josefshaus seit dem Bau des ACC (1996) nicht mehr. Darum wird es Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.
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