Kleinraigering verschwindet
Stadt löscht Ortsteil aus dem Register

Kleinraigering: Da Stadtteil- und Straßenname identisch sind, soll die Ortsbezeichnung gelöscht werden und in Raigering aufgehen. Das ist der Stoff, aus dem lokalpatriotische Dramen sind. Bild: Hartl

Aufatmen. Auweia, das war knapp. Fünf zu fünf. Jetzt muss der Stadtrat ran. Hoffentlich kann dieses höchste Gremium der Grundfesten der kommunalen Selbstverwaltung "diesen Verlust an Heimat" (Helmut Wilhelm, Grüne) in letzter Sekunde noch abwenden. Schließlich gibt es einen "gravierenden historischen Grund" (dito), dass hier nicht bodenständige "Identität verloren geht" (Birgit Fruth, SPD).

Retro hier, retro dort. SUL wieder als Autokennzeichen einführen, damit in Wahrheit diese leidige Gebietsreform von 1972 endlich rückgängig machen und als bodenlose Dummheit eingestehen, und dann das: Kleinraigering soll aus dem Ortsverzeichnis als Stadtteil von Amberg, von der Landkarte quasi (!), verschwinden. Baureferent Markus Kühne hat diese Verwaltungsvorlage in den Hauptausschuss eingebracht. Unverfroren und offenbar unwissend, was er da eigentlich tut. Schlimmer noch, da konnte, musste gar der Oberbürgermeister ihm gerade noch rechtzeitig zur Seite springen. "Die Verwaltung verwendet den Stadtteil-Namen seit Jahren nicht mehr, und keiner hat's gemerkt" (OB Michael Cerny). Was?! Diese Rathaushengste haben still und heimlich diese Wiege einer ganz eigenen, vom Aussterben bedrohten Spezies des Ambergers schon lange ausradiert? So nicht, wirklich nicht!

Wer soll schuld sein? Der Computer, weil er die Straße Kleinraigering vom Stadtteil Kleinraigering nicht unterscheiden kann? Kein Wunder. Der ist ja kein Kleinraigeringer. Diese zugreisten Gscheidhaferl wieder. Da muss jetzt endlich der Stadtrat ein längst überfälliges Machtwort sprechen. Und der Cerny Michi bekommt auch schon kalte Füße. "Da freue ich mich auf den Stadtrat", trat er gleich den Rückzug an, nachdem er zuvor - natürlich versehentlich - für die Streichung gestimmt hatte.

Zur Ehrenrettung von Kühne mag noch angemerkt werden, dass ihm und seinem Amt ab und zu auch was Gscheites einfällt. Am Mittwoch hat er dem Bauausschuss präsentiert, dass Amberg wächst. Um 154 Quadratmeter. Wegen einer Grenzbereinigung mit Poppenricht. Da waren wir natürlich einstimmig dafür. (zm)
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