Kolumne: OTon
Endlich Samstag

Beim Sprint durch den Supermarkt gibt es viele "Hindernisse" zu überwinden. (Foto: dpa)

Manche Dinge mache ich am Wochenende ziemlich ungern. Dazu gehört unter anderem Einkaufen. Damit meine ich keine Shoppingtour durch die Stadt, bei der man stundenlang an den Umkleidekabinen anstehen muss. Hier lohnt sich die Warterei wenigstens und ich kann mir ein neues Teil in den Schrank hängen. Als Belohnung für meine Ausdauer, sozusagen.

Such das Gemüse


Leider lasse ich mein Geld nicht nur in Bekleidungsgeschäften,sondern auch in Lebensmittelläden. Wenn ich meine, bei H&M an meine Geduldgrenze gestoßen zu sein, belehrt mich ein Wochenendeinkauf in Groß- und Supermärkten immer wieder eines Besseren. Man könnte sich jetzt fragen, warum ich dann nicht schlauer werde. Genau das frage ich mich auch jedes Mal, wenn bei der Warterei an der Obstwaage meine Äpfel schon fast mehlig werden. Warum?

Manche verzweifeln an der Technik der Waage ("Warum bleibt die Zahl nicht stehen?"), andere wiegen Obst und Gemüse dreimal ab ("Niemals kostet das so viel! Das müssen wir nochmal kontrollieren"), und wieder andere fördern ihr Kind ("Du weißt doch, wie Brokkoli aussieht. Such die richtige Taste"). Oder wenn ich an der Wursttheke hinter jemandem stehe, der sich nach der Herkunft und artgerechten Haltung einer jeden Scheibe Wurst erkundigt.

Was war es nochmal?


Hat man sich endlich durch das Labyrinth aus Einkaufswägen geschlagen, die entweder mitten in den Gängen stehen oder im Schneckentempo vor einem herrollen, kommt das Schlimmste erst noch: die Kasse. Prinzipiell stehe ich an der falschen. Oder meint das jeder? Ich habe mir inzwischen abgewöhnt, mich an dem Band anzustellen, an dem die Schlange am kürzesten ist oder auf dem ersten Blick am wenigsten draufliegt.

Mein neues Kriterium: das Alter der Kunden. Je jünger, desto besser. Dann geht das meistens schneller. Aber von wegen: Letztes Mal landete ich hinter jemanden, der noch ziemlich jung und fit aussah. Seinen übervollen Wagen leerte er trotzdem in Zeitlupe aus. Irgendwann hat er es geschafft - und zieht aus dem Nichts eine riesigen Sack mit Pfandflaschen hervor. Leider war die Kassiererin die Ruhe in Person und das Ganze dauerte noch länger. Ich hätte ihm gerne dabei geholfen, alles wieder einzuräumen, aber ich hatte keine Hand frei. Endlich alles verstaut, fällt ihm noch ein, dass er noch Zigaretten braucht. Anscheinend ist er noch nicht lange Raucher: "Jetz fällt mir die Marke nicht mehr ein… Es war eine blaue Schachtel, glaube ich. Und weiß war dabei." Wenigstens konnte ich ihm helfen, dieses Rätsel zu lösen.

Mit weniger Geld und deutlich weniger Nervenstärke verlasse ich dann jedes Mal den Supermarkt. Und immer mit dem gleichen Entschluss: Nie wieder samstags einkaufen zu gehen. Wenn ich wenigstens eine Tüte mit Klamotten anstatt mit Lebensmitteln in der Hand hätte. Nächstes Wochenende verzichte ich darauf. Da gehe ich lieber shoppen.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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