Kolumne OTon
Es ist nicht alles Gold, was rechnet

Das neue Digitalradio nebst Antennenkonstruktion in meinem Auto.

Jeder findet ja seinen eigenen Weg, um mit dem technischen Fortschritt umzugehen. Meine Devise ist: Technik erleichtert das Leben. Warum soll ich zum Beispiel in der Stadt einkaufen, wenn ich es im Internet machen kann, warum soll ich auf die Bank, wenn es Online-Banking gibt und warum soll ich mir CDs kaufen, wenn ich Musik streamen kann? Zugegeben: Bis Technik das Leben wirklich leichter macht ist es oft ein weiter Weg und manchmal klappt das auch überhaupt nicht.

Die Oberpfalz wird digitaler: Amberg koordiniert den Netzausbau für ganz Bayern, Pilkington aus Weiherhammer beliefert Apple und Siemens hat die Vorzeigefabrik für die "Industrie 4.0". Ich lasse mich da gerne mitreißen. Vor kurzem kaufte ich mir etwa ein brandaktuelles Digital-Radio fürs Auto. Der Einbau mit Hilfe eines Youtube-Videos: hatte noch funktioniert. Die Antenne bereitete mir aber schon Schwierigkeiten: Mittels selbstklebender Kabelbinder verstaute ich vier Meter Kabel irgendwie auf der Beifahrerseite und mit einigen Streifen Tesa klebte ich den Massepunkt an die Windschutzscheibe. Auf dem Bild oben sieht man das Ergebnis. Das war also diese neue Technik. Ich kam mir nicht besonders digital dabei vor.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

Digital-Radio nicht digital


Noch weniger "digital" verlief der erste Test: Es schien, als würden die neumodischen Digitalfunkwellen das Landleben nicht besonders mögen. Der Empfang brach während der Fahrt zwischen Bayreuth und Weiden ständig ab. Es fehlen wohl noch ein paar Funkmasten. Ich bin ernüchtert, und höre jetzt mit dem Digitalradio erstmal wieder UKW-Sender. Dabei ist "Digitalradio" ja eigentlich auch wieder so ein Trend, der nicht aufzuhalten ist. Der Bayerische Rundfunk etwa verlegt das komplette Volksmusikprogramm in den Digitalbereich. Und überfordert mit diesem Schritt wahrscheinlich alle Senioren, die sich die altbekannten Lieder gerne angehört haben.

Smartphones für Senioren


Rentner dürfen getrost ihr Leben abseits neuer technischer Trends führen, dachte ich zumindest immer und verstand die Entscheidung des BR nicht. Bis mir mein Opa verkündete, er wolle jetzt auch ein Handy haben: „Mit großen Tasten“, sagte er und seine Augen begannen zu leuchten: „Und mit Fotofunktion?“. Sein großes Hobby ist nämlich Brieftaubenzucht. Das macht er schon sein ganzes Leben. Er erklärte mir, er wollte da jetzt öfter mal Fotos machen und die seinen Freunden zeigen. Meine Oma war auch dafür: "Dann bist du endlich erreichbar, wenn du unterwegs bist." Also setzten wir uns zusammen an den Computer und suchten: Jetzt hat er ein grau-blaues Smartphone. "Brieftaubenfarben". Das ist wichtig, damit die Tiere nicht erschrecken. Es hat große Tasten und eine Kamera, wie er es sich gewünscht hat. Radio spielen kann es übrigens auch. Vielleicht kommen neue Technik, Volksmusik und Senioren ja am Ende doch wieder irgendwie zusammen, denke ich.
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