Koordinierungstreffen der Oberpfälzer Volkshochschulen
Integration in der Turnhalle

Integrationskurse für Flüchtlinge besser koordinieren wollen Landrat Richard Reisinger (Fünfter von links) und die Vertreter der Volkshochschulen der Oberpfalz. Bild: Konrad

"Die Arbeit geht erst richtig los", sagte Richard Reisinger. Der Amberg-Sulzbacher Landrat beschrieb beim Vernetzungstreffen der Oberpfälzer Volkshochschulen die neuen Anforderungen durch die Flüchtlingskrise, denen sich die Bildungseinrichtungen stellen müssen. Die Schulen hätten zwar schon immer Integrationsarbeit betrieben, jedoch sei diese nun verstärkt nötig geworden, erklärte Reisinger im kleinen Sitzungssaal des Landratsamts.

Mit Winfried Ellwanger, dem dritten Vorsitzenden des Bayerischen Volkshochschulverbands, stellte Reisinger in der Runde das Handlungskonzept "Deutsch lernen an Volkshochschulen als Schlüssel zur Integration" vor. "Wenn die Menschen wandern, kann die Bildung nicht stehenbleiben", war daher auch das Motto der Veranstaltung.

Großer Bedarf an Kursen


Die VHS sei "der Libero im großen Team", erklärte Reisinger, der als Vertreter des Landkreistags im Vorstand des Verbands sitzt. Bis vor kurzem habe die Erstversorgung der Flüchtlinge noch im Vordergrund gestanden. Doch jetzt gebe es großen Bedarf an Integrationskursen. Ehrenamtliche, Jobcenter und Ämter hülfen bei der Integration zusammen. Nur so könne alles gelingen.

Bereits in den Turnhallen hätten die Volkshochschulen mit den Angeboten begonnen, lobte der Landrat. Es gebe aber noch Nachholbedarf bei der Finanzierung seitens des Kultusministeriums. "Wir wollen ja die Honorarkräfte und Ehrenamtler nicht verlieren", sagte Reisinger.

Die Volkshochschulen der Oberpfalz bieten unter anderem Alphabetisierungskurse, Sprachkurse, Integrationskurse und Kurse zur beruflichen Eingliederung an. Im Zusammenschluss wollen sie gemeinsame Projekte stemmen und sich kontinuierlich austauschen.

"Wir werden wohl noch in den nächsten zehn Jahren mit der Integration von Flüchtlingen beschäftigt sein", sagte Richard Scheuringer, Leiter der VHS im Landkreis Neumarkt und Mitglied des Vorstands des Bayerischen Volkshochschulverbands.

Probleme auf dem Land


Konkret ging es den Vertretern der Volkshochschulen um Schwierigkeiten bei der Betreuung der Flüchtlinge im ländlichen Raum. Hier seien die Transportmöglichkeiten hin zur VHS eingeschränkt. Flüchtlinge könnten sich die Bustickets nicht leisten, oft müssten Ehrenamtliche aushelfen. Die Vertreter klagten auch über Raum- und Personalprobleme und zum Teil über geringe Erfahrungen in der Organisation von Deutschkursen.

"Wir versuchen, aus dem Krisenmodus wieder herauszukommen", beschwichtigte Reisinger. "Jetzt können wir ein bisschen nacharbeiten." Scheuringer war noch ein weiterer Aspekt wichtig. Auch für die einheimische Bevölkerung müsse mehr getan werden: "Als Volkshochschulen sind wir der bildungspolitische Flügel der wehrhaften Demokratie", postulierte er. "Wir sind auch gefordert, mit unseren Angeboten zu zeigen, dass es auf komplexe Probleme, wie die Flüchtlingskrise, keine einfachen Antworten gibt."
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