Kunstraub, dritter Akt
Aus dem Vaitl verschwindet schon wieder ein Bild

Wer weiß, wo dieses Kunstwerk jetzt ist? Wird dieses Bild zum Verkauf angeboten, sollte man schnell die Polizei holen: Es wurde aus dem Wild-Vaitl geklaut. Bild: hfz

Norbert Eichenseer hat ein Herz für Künstler. Seit der Wirt das Wild-Vaitl führt, bleiben die Wände nie kahl. Für Künstler ist die Kneipe am Viehmarkt eine willkommene Adresse. Hier können sie ihre Werke einem durchwachsenen Publikum präsentieren. Alt-Hippies und Abiturienten geben sich generationenübergreifend die Türklinke in die Hand. Aktuell hängen Werke aus der Feder von Michael Stoschenovsky.

Ein Haken ist allerdings leer. Das Bild verschwand von der Wand. "Ja, ich dachte, ich spinn'", sagt Wirt Eichenseer. Gegen 3 Uhr nachts hätten zwei Gäste den Stoschenovsky geraubt - während des Kneipenbetriebs. Sie rannten damit hinaus und waren kurze Zeit später über alle Berge. Während die übrigen Gäste, darunter der Amberger Künstler Sandro Maxim, noch über Gott und die Welt sinnierten, sei die Bedienung flugs hinterhergestürmt. Chancenlos. "Die können ganz schnell weg sein, wenn die zum Beispiel nach rechts oder über den Platz beim Schweinchenbrunnen abhauen", meint Eichenseer. Trotzdem will er den Dieben, die zuvor "noch nie" jemand im Vaitl gesehen hat und auf 20 bis 25 Jahre alt geschätzt werden, das Handwerk legen: mit einer Veröffentlichung des Bildes. Was die Räuber nämlich nicht wissen: Der Künstler hatte sein Werk fotografiert. "Ich bin entsetzt", sagt auch Michael Stoschenovsky. "Es war das Hauptbild der Ausstellung, mit 0,90 mal 1,20 Meter, "ein Riesending". Die Bilder-Serie Stoschenovskys nennt sich "New Work" und führt durch Metropole im Osten der USA. Seit Beginn der Vernissage im September präsentiert der 44-Jährige die farbenfrohe Kunst im Vaitl. Die Skyline und das Leben im "Big Apple" beherrschten die Leinwand. "An dem Bild habe ich vom Frühjahr 2015 bis zur Ausstellungseröffnung im Herbst gemalt", sagt der Amberger, der den Wert nicht beziffern will. Der Stoschenovsky ist nicht das einzige Werk, das bisher aus dem Wild-Vaitl gestohlen wurde. Karikaturist Marcus Trepesch erinnert sich an Oliver Kahn. Das Porträt des Fußballers wurde zur Europameisterschaft vor drei Jahren aus der Gaststätte gestohlen.

Allerdings ertappte eine Zivilstreife die Räuber mit dem Bild unterm Arm vor der Kneipe. Weniger Glück hatte Trepesch mit Thomas Müller. Der Held der Nationalelf diente ebenfalls als Vorlage für ein Trepesch-Porträt, war im vergangenen Jahr im Vaitl ausgestellt und verschwand während der Weltmeisterschaft. Der gemalte Müller ist bis heute nicht mehr aufgetaucht.

Michael Stoschenowsky hofft dagegen sehr, dass es noch irgendwelche Hinweise auf sein Bild gibt. "Vielleicht hat ja doch jemand die beiden gesehen." (roa)
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