Kunststoff-Teilchen extra für Lebenshilfe konstruiert
Bohnenbad zum Wohlfühlen

Wohlfühlen im Bohnenbad: Es dient der Entspannung und vermittelt Geborgenheit. Es ist optimal für Menschen, die sehr eingeschränkt in ihrer Körperwahrnehmung sind. Aber auch motorische Fähigkeiten lassen sich mit den Bohnen trainieren. Bilder: Hartl (2)
 
So sehen die Kunststoff-Therapiebohnen aus, die speziell für die Lebenshilfe produzierte wurden.

In einer Kuhle voll Bohnen zu liegen und zu beobachten, inwiefern sich ihre Anordnung verändert, wenn man sich bewegt. Oder sie durch die Finger rieseln zu lassen, mit den Händen in ihnen zu rascheln. Das verbessert die Wahrnehmung und das Körpergefühl. Doch woher kommen die Bohnen dafür? Die Lebenshilfe hat eine Lösung gefunden.

Für ein Bohnenbad, das nicht nur in der Lebenshilfe, sondern auch bei der Ergotherapie oder bei Reha-Maßnahmen zum Einsatz kommt, wurden früher getrocknete Futterbohnen, auch Saubohnen genannt, verwendet. "Sie waren aber schon vor fünf Jahren immer schwerer zu bekommen", erinnert sich Michael Schuierer, Konrektor der Rupert-Egenberger-Schule. "Futterbohnen werden immer weniger angebaut." Ein weiterer Nachteil: Sie zu reinigen, macht viel Arbeit.

Kieselsteine nicht geeignet


Trotzdem bestückte die Lebenshilfe damit ein Bohnenbad, erst ein kleines Hand- beziehungsweise Fußbecken mit rund drei Kilo, später dann ein großes Becken, in das man sich auch mal reinlegen konnte. Für Letzteres wurden 300 000 Bohnen benötigt. "Nach einem Jahr war viel Leben im Bohnenbad", sagt Schuierer und erzählt von den Käfern, die darin rumkrabbelten. "Der ultimative Schlusspunkt war, nachdem der Kammerjäger da war." Dass das Bohnenbad der Lebenshilfe Geschichte war, bedauerten alle. Die Verantwortlichen diskutierten verschiedene Alternativen. Kleine Kieselsteine zum Beispiel. "Die sind kalt, schwer und hart", erklärt Inge Wendl. Heilpädagogin in der schulvorbereitenden Einrichtung. Die Variante wurde ebenso schnell wieder verworfen wie die Styroporflocken. Irgendwann war man beim Kunststoff angelangt. Die Idee war, bei einer Firma anzufragen, ob es einen Ausschuss gebe, den man verwenden könne.

Plötzlich ein Selbstläufer


"Die Teile durften nicht giftig sein, nicht verschluckbar und nicht scharfkantig", so Inge Wendl. Wie es der Zufall wollte, arbeitete eine gute Freundin von Eva Wendl, Erzieherin der inklusiven Krippe "Mittendrin", bei der in Hahnbach ansässigen Firma Kunststofftechnik Förster. "Ich habe sie gefragt, ob sie eine Lösung wüsste." Und Manuela Weiß kniete sich so richtig rein. "Plötzlich war es ein Selbstläufer", sagt ihre Freundin Eva Wendl. Weiß fragte ihren Chef, ob sie einen Prototypen fertigen dürfte. Und sie durfte. Sogar in ihrer Arbeitszeit und mit den Computer-Programmen der Firma. "Dann hat sie angerufen und gesagt, dass sie eine 3 D-Version der Kunststoffbohne habe", erinnert sich SVE-Mitarbeiterin Inge Wendl.

"Manuela Weiß hat echt an alles gedacht", sagt sie. Sogar daran, dass die Anstoßpunkte (die Bohnen müssen ja aus der Form gestoßen werden) innen sind und somit die Außenseite glatt ist. Deshalb sind es auch halbe Bohnen, da dies sonst nicht funktionieren würde. "Auch der Kunststoff wird innen eingespritzt, deshalb sind die Bohnen wie in Nierenform gebogen", fügt Konrektor Schuierer an. "Es ist super-toll, was da entstanden ist", freut sich Lebenshilfe-Geschäftsführerin Karin Panek. Für die Produktion der Bohnen stellte die Firma Förster den Kunststoff zur Verfügung. Doch erforderlich war noch ein spezielles Werkzeug. Derjenige, der es anfertigte, erklärte sich bereit, dies zum Selbstkostenpreis von 3000 Euro zu tun. "Das mussten wir irgendwie finanzieren", erläutert Panek. In der Firma Baumann Automation fand die Lebenshilfe einen Sponsor. "Annette Baumann hat innerhalb kürzester Zeit zugesagt."

Voller Freude ausgepackt


Eine Woche lang produzierte die Firma Förster die 300 000 Kunststoff-Bohnenhälften - in Blau, Grün und Gelb. "Unsere Kinder haben sie mit Freude ausgepackt", erinnert sich Karin Panek. Befüllt hat die Lebenshilfe damit zwei Becken, eines ist so groß, dass auch Erwachsene reinkönnen. Das Bohnenbad ist für Menschen, die in ihrer Körperwahrnehmung sehr eingeschränkt sind, von großem Vorteil. "Es ist so vielseitig", sagt Michael Schuierer über die Vorzüge. Erfühlen, ertasten, aber auch sich entspannen: All dies biete das Bohnenbad. "Es vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit." Zudem ließen sich damit Sortierübungen - es sind ja drei Farben - machen. Darüber hinaus könne man die Bohnen in ein Gefäß schütten und so die Motorik trainieren.

Die Geschäftsführerin freut sich über das Engagement aller Beteiligten. Konrektor Schuierer pflichtet ihr bei: "Es ist ein Glück, dass wir Mitarbeiter haben, die sich Gedanken gemacht haben und selbst so aktiv geworden sind." Eva Wendl muss plötzlich lachen. Sie erinnert sich an den Ostersonntag. Bei einem Treffen schob ihre Freundin Manuela Weiß "plötzlich drei so Dinger" über den Tisch: Der Probedruck für die Kunststoff-Therapiebohnen. "Das war echt das Highlight des Abends."

Drei Fragen"Das erschien mir sofort machbar"

Amberg. (san) Manuela Weiß, Wirtschaftsingenieurin mit Schwerpunkt Kunststofftechnik, hatte die zündende Idee für das Bohnenbad der Lebenshilfe. Sie dachte nach, tüftelte rum und probierte aus: So entstanden die nierenförmigen Bohnenhälften aus Kunststoff.

Kunststoff als Ersatz für Futterbohnen - erschien Ihnen das sofort machbar?

Manuela Weiß: Ja, auf jeden Fall. Zunächst wurde angefragt, ob man für die Bohnen Kunststoff-Reste verwenden könnte. Das funktioniert nicht, weil das alles scharfkantig ist. Mir war sofort klar, dass man da eigenständige Teile aus Kunststoff anfertigen müsste.

Was war die Schwierigkeit bei der Umsetzung?

Es gab eigentlich keine, es funktionierte relativ reibungslos. Mein erster Entwurf kam gleich sehr gut bei den Verantwortlichen der Lebenshilfe an. Auch der Werkzeugmacher und die Firma Baumann als Sponsor sagten gleich zu, das war überhaupt kein Problem. Auch von der Zeit her ging es recht schnell.

Wie beurteilen Sie Ihr Werk?

Auf jeden Fall bin ich stolz darauf, gar keine Frage. Normalerweise setze ich ja das um, was die Kunden wünschen. Hier wurde umgesetzt, was ich selbst konstruiert habe. Das ist schon ein schönes Gefühl, wenn man dann das fertige Teil in der Hand hält, das ist ein ganz anderes Gefühl.
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