Kurfürstliche Schlosswache pflegt Soldatengräber
Ein später Ehrendienst

Herbstputz im Katharinenfriedhof. Die jungen Mitglieder der kurfürstlichen Schlosswache und Freiwillige des Bürgertreffs säuberten die dortigen Soldatengräber. Bild: Steinbacher

Mit Hingabe putzten die jungen Menschen die Gräber, obwohl sie keinen direkten Bezug zu den dort bestatteten Menschen haben. Sie erwiesen ihnen vielmehr einen Ehrendienst: Denn es sind die letzten Ruhestätten von Soldaten.

Es geht auf Allerheiligen zu, die Menschen gehen auf die Friedhöfe, um die letzten Ruhestätten ihrer verstorbenen Angehörigen herzurichten. Doch es gibt auch Gräber, um die sich ansonsten niemand kümmern würde. Zum Beispiel die Soldatengräber. Diese wurden bis vor zwei Jahren von Mitgliedern der Militärkameradschaft gepflegt. Angesichts des Alters der Freiwilligen - viele sind um die 80 - hatte sie dies schweren Herzens aufgeben müssen.

Im vergangenen Jahr sprang die Kurfürstliche Schlosswache ein. Auch heuer engagierten sich deren Mitglieder, darunter auch sehr viele Jugendliche, wieder für diese ehrenamtliche Aufgabe. "Es haben sich gleich genügend Leute gemeldet", erzählt Katharina Wennicke, die wie ihre Eltern Gabriele und Gerd in der Schlosswache engagiert ist.

Einjähriger der Jüngste


Rund 15 Leute versammelten sich, darunter auch einige Aktive vom Bürgertreff, am Katharinenfriedhof und säuberten die Soldatengräber sowie die dazugehörigen Kreuze. Der Jüngste, der mithalf, war gerade einmal ein Jahr alt. Auch Bürgermeisterin Brigitte Netta (SPD) schaute vorbei und unterstützte die Freiwilligen.

"In eineinhalb Stunden war alles erledigt", freut sich Familie Wennicke. Doch damit war die Arbeit längst noch nicht erledigt. Die fleißigen Helfer banden noch Kränze. Dafür hatten sie im Vorfeld fleißig Grünzeug (Blautanne, Eberesche, Thuja, Efeu und Hagebutte) gesammelt. Unterstützt wurde die Schlosswache laut Gabriele Wennicke von der Stadtgärtnerei, dem Forstamt und Privatleuten, die Grünzeug aus ihren Gärten zur Verfügung stellten.

Die Aktion ging im Gemeinschaftsraum des Bürgertreffs in der Alten Kaserne über die Bühne. "Letztes Jahr war es bei uns daheim im Keller", erinnert sich Wennicke. "Da war es total eng", sagt sie und freut sich, dass heuer beim Bürgertreff mehr Platz war.

Von 12.30 bis 20.30 Uhr banden die zehn Freiwilligen insgesamt 140 Kränze samt Schleifen. "Danach waren alle fix und fertig", sagt Gerd Wennicke über den anstrengenden Arbeitseinsatz. "Es war anstrengend, aber auch lustig", ergänzt seine Frau. Die letzten Ruhestätten der Soldaten im Katharinenfriedhof bekamen außerdem Grablichter, die mit elektronischen Kerzen bestückt sind. "Die leuchten bis ins neue Jahr hinein."

Im nächsten Jahr wieder


"Selbstverständlich machen wir das auch im nächsten Jahr wieder", erklärt Katharina Wennicke. Sie, aber auch ihre Eltern freuen sich, dass die Stadt die Aktion finanziell unterstützt. Und auch die Militärkameradschaft sei überglücklich, dass ihr Werk fortgeführt wird.

Die SoldatengräberIn den 127 Soldatengräbern auf dem Katharinenfriedhof befinden sich die sterblichen Überreste von Menschen, die im Krieg ihr Leben lassen mussten, der Jüngste war 16 Jahre alt. Jedes Grab hat ein Metallkreuz, auf dem zwei Namen geschrieben sind, davor stehen ein Gedenkstein und ein Behältnis für ein Grablicht. Außerdem gibt es ein Grabfeld für Soldaten aus der Ex-Sowjetunion und den ehemaligen Ostblock-Staaten. Auf einer Platte sind ihre Namen eingraviert. (san)
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