LBV diskutiert über Rotwild-Management
„Da hilft uns der Wolf“

Nach ihren Vorträgen zu einzelnen Aspekten des Themas "Naturschutz und Jagd" stellten sich die Referenten auf der Bühne des ACC den Fragen der Zuhörer. Rechts der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Das Seminar des Landesbundes für Vogelschutz folgte am Sonntag auf die Delegiertenversammlung des Verbandes. Bild: Hartl

"Alle Naturschutzverbände fordern die flächige Verbreitung des Wolfs, aber das Rotwild darf nur auf einer Minifläche vorkommen." Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg erntete für diese Aussage Verständnis beim LBV-Naturschutzseminar.

"Die Forderung nach Auflösung der Rothirschgebiete ist für mich nachvollziehbar", meinte etwa der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Es sei unlogisch, Tiere daran zu hindern, hier zu leben. "Da hilft uns der Wolf ein bisschen, diese Diskussion zu führen."

Eine Frage lautete etwa, was passiere, wenn der Wolf in ein Rotwild- Wintergatter eindringe. Landesjagdberater Gerhard Zwirglmaier hatte diese Situation in seinem Heimatlandkreis Miesbach erlebt: Der Wolf tötete ein Tier, kehrte aber später nicht mehr zum Riss zurück. Das restliche Wild habe der Räuber derart in Schrecken versetzt, dass es die Umzäunung überwunden habe. "Mit dem Wolf werden die Rotwildschäden sicher nicht geringer", lautete Zwirglmaiers Schlussfolgerung.

"Vogel-Strauß-Taktik"


Ein einzelner Wolf im Gatter sei sicher nicht die große Katastrophe, meinte Eric Imm (Landesjagdverband Bayern). Aber mit einem ganzen Rudel sehe das schon anders aus. Bei der Verwaltung beobachte man in Sachen Wintergatter-Frage "eine Vogel-Strauß-Taktik".

Mit dem Thema Schalenwildmanagement beim Steinbock rückten die Alpen ins Blickfeld. Henning Werth, LBV-Gebietsbetreuer für die Allgäuer Hochalpen, stellte ein Projekt vor, das Steinbock-Sichtungen auswertete. Sie konzentrierten sich auf 1,4 Prozent der Alpenfläche Bayerns. Diese Verbreitungsgebiete lägen zu über 95 Prozent in der besonderen Schutzzone (C) des Alpenplans. Spontanen Applaus gab es an dieser Stelle, als Werth berichtete, der CSU-Umweltarbeitskreis habe tags zuvor auf seiner Landesversammlung eine Resolution verabschiedet, die sich gegen eine Aufweichung des Alpenplans wende.

Unterschiedliche Meinungen gab es, ob man die Störung der Tiere in den Alpen durch Touristen selbst im Winter erfolgversprechend eindämmen könne. "Schneeschuhtouren, das ist eine riesige Mode, aber man muss akzeptieren, dass es Ruhezonen braucht", sagte etwa Norbert Schäffer.

Mountainbiker unbeliebt


Anderen galt eine Ausdünnung des Wegenetzes in den bayerischen Alpen als Option. Zur umgekehrten Vorgehensweise hatte Henning Werth beobachtet: "Wer Wege sät, wird Mountainbiker ernten."

Bereits bei der Delegiertenversammlung am Samstag hatte der LBV ein Positionspapier zum Thema "Wald" verabschiedet. Es fordert mehr ungenutzte Waldflächen, Artenschutz im Wald durch Horstschutzzonen und Erhalt von Biotopbäumen sowie eine Beschränkung der Erschließung durch weitere Wege, die meist zu mehr Störungen durch Freizeitaktivitäten führten.

Das Positionspapier zur Jagd verlangt unter anderem die Beschränkung der Jagd auf Arten mit einem guten Erhaltungszustand, die generelle Verwendung bleifreier Munition sowie die Ausweisung großflächiger Ruhezonen in wichtigen Rastgebieten ohne Wasservogeljagd.
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