LED-Umrüstung bringt privat genutzte Laternen ans Licht, die aus öffentlicher Stromversorgung ...
Stadt knipst Bürgern das Licht aus

Nein, der Bub muss die Laterne hier in der Selgradstraße gar nicht mehr abschießen mit seinem Ball. Sie ist sowieso schon aus - abgeklemmt vom Tiefbauamt, das im Zuge einer Überprüfung für die LED-Umstellung auf etliche Lampen in Amberg gestoßen ist, die nach seiner Ansicht nur privaten Grund beleuchten. Nur wer hier künftig für Verbrauch und Wartung zahlt, bekommt weiter Strom von der Stadt. Bild: Steinbacher

Amberg geht ein Licht auf. Mit neuer LED-Technik, auf die die Straßenbeleuchtung im gesamten Stadtgebiet umgestellt wird. Doch für einige Bürger wird es finster. Weil das Tiefbauamt im Zuge der Umrüstung auf Laternen stößt, die nur privaten Grund erhellen und deshalb ausgeknipst werden. Ziemlich rigoros.

Daraus macht der Leiter der Behörde, Norbert Füger, kein Hehl. Er sieht darin nämlich eine Frage der Gerechtigkeit, die allerdings erst vor gut zwei Jahren in den Blickpunkt gerückt ist. Seitdem es die Stadt ins Visier genommen hat, auf die deutlich sparsamere Beleuchtung mit LEDs umzusteigen, ist das Tiefbauamt dabei, die rund 6400 Laternen in Amberg neu zu erfassen. Dabei wird nach Fügers Auskunft auch geschaut, "was hängt an welchem Strang" und was ist ans öffentliche Beleuchtungsnetz angeschlossen.

Lampen "stehen verkehrt"


Bei dieser Überprüfung, die bis September beendet sein soll, habe sich bis jetzt herausgestellt, dass 40 bis 50 Lampen "verkehrt stehen". Sprich: Sie werden zwar meist seit Jahren aus dem kommunalen Netz gespeist, beleuchten aber ausschließlich privaten Grund. Das ist laut Tiefbauamtsleiter vor allem an sogenannten Eigentümerwegen der Fall, für die in der Regel zwischen Stadt und Grundstücksbesitzern schriftliche Vereinbarungen getroffen wurden, die den Anschluss ans öffentliche Netz regeln.

Damit verbunden sei auch eine Kostenübernahmeregelung, nach der die Nutzer im Schnitt jährlich rund 35 Euro für den Stromverbrauch und weitere 35 Euro für die Wartung zahlen (in anderen Fällen bis zu 100 Euro im Jahr - oft teilen sich mehrere Grundeigner, die von der Beleuchtung profitieren, diese Ausgaben).

Über ein Jahr Hin und Her


Darüber hinaus gibt es laut Füger aber auch einige Fälle, wo zwar der Anschluss ans öffentliche Netz vorhanden ist, aber keine solche Vereinbarung existiert. Aktuelle Beispiele: Selgrad- und Goethestraße. Während in Letzterer gegenwärtig zumindest ein Anlieger signalisiert hat, für eine von drei betroffenen Laternen aufzukommen, ist es in einem südlichen Teilstück der Selgradstraße bereits zappenduster. Dort haben nämlich laut Füger nach über einjährigem Schriftwechsel weder der betroffene Grundstückseigentümer noch seine tangierten Nachbarn Bereitschaft gezeigt, die Vereinbarung abzuschließen. Als das zweifelsfrei feststand, klemmte die Stadt die Laterne, die an einer Garage befestigt ist, ab.

Einer der Anwohner schimpft darüber immer noch wie ein Rohrspatz, weiß der Tiefbauamtschef, der aber bei seiner Meinung bleibt: Wenn andere Bürger diesen Vertrag unterzeichnen und zahlen, könne man solche, die das nicht möchten, nicht kostenlos weiter bedienen. "Wir wollten den Leuten nicht einfach das Licht abschalten", verteidigt Füger die Entscheidung in Luitpoldhöhe und hebt hervor, dass die Betroffenen offenbar nicht recht glaubten, die Stadt würde bei weiterer Weigerung ihre Androhung wahr machen.

Keine Präzedenzfälle


Es kam dann trotzdem so, "weil wir es nicht als unsere Aufgabe ansehen, private Hinterhöfe zu beleuchten" (Füger). Im Sinne der Gleichbehandlung aller müsse das auch in der Selgradstraße gelten. "Da gibt es keine Unterschiede", betont der Behördenleiter und schildert, dass es einen bekannten Zahnarzt zu dessen Überraschung schon genauso getroffen habe wir jeden anderen. Dass keine anders gelagerten "Präzedenzfälle" geschaffen würden, habe man auch der Gebäudeeigentümerin in Luitpoldhöhe mitgeteilt. (Angemerkt)

HintergrundAuch wenn es bisher so war, dass die Stadt quasi private Straßenlaternen mit Strom versorgt hat, will sie jetzt "erkannte Fehler beheben". Das sagt Tiefbauamtschef Norbert Füger allen Bürgern, die sich fragen, warum sie nun bezahlen sollen, wenn sie es doch früher auch nicht mussten.

Für die Selgradstraße gibt der Behördenleiter zu, dass die Stadt nicht mal mehr weiß, warum sie die betroffene Lampe dort mit gespeist hat. Das war vermutlich schon seit der Eingemeindung des Stadtteils 1972 so. Doch: "Immer wenn wir solche Fälle in die Finger bekommen, handeln wir jetzt", macht Füger klar und kündigt an, dass das im Zuge der LED-Umrüstungs-Überprüfung noch weitergehen könne. Dann wird es allerdings billiger: Für die LED-Standorte seien künftig wohl maximal 50 Euro pro Jahr für Verbrauch und Wartung fällig. (ath)


Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, private Hinterhöfe zu beleuchten.Tiefbauamtschef Norbert Füger verteidigt das jetzt ans Licht gebrachte Vorgehen der Stadt
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 22.07.2016 | 18:33  
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