Leserbrief
Denkmal muss bleiben, wo es ist!

Zum Vorschlag des ehemaligen Stadtrats Matthias Schöberl, das Kriegerdenkmal zu verlegen:

Gelände des Bürgerspitals, Storg/Forum, Tiefgarage, Bahnhof, Josefshaus - wir haben in Amberg wahrlich genug Probleme, die gelöst werden müssen und viel Geld kosten. Und jetzt noch eine völlig überflüssige Diskussion über das Kriegerdenkmal am Rathaus. Ein Schaufensterantrag von Matthias Schöberl, um sich wieder ins Gespräch zu bringen.

Das Kriegerdenkmal ist einer der historischsten Orte in Amberg. Eine Ehrenhalle aus den 20er-Jahren für die Toten des Krieges von 1870/71 und des Ersten Weltkrieges. Von Anfang an der zentrale Ort aller Gedenkfeiern - auch der unerträglichen Heldengedenktage der Nationalsozialisten. Nach dem Krieg gab es erstmals im September 1951 am Totensonntag einen "Tag der Opfer des Krieges" vor dem Ehrenmal. Bis heute jedes Jahr eine würdevolle Feierstunde mit Einbeziehung der Bundeswehr und der Veteranenverbände. Will man nun auf diese Feierstunden an diesem Ort verzichten und sie abseits bei der Georgskirche veranstalten?

Wenn man Anstoß an dem Denkmal nehmen will, dann sollte man einmal kritisch den Text der beiden seitlichen Tafeln aus den 50er-Jahren lesen. Auf Anregung des damaligen OB Josef Filbig wurden sie 1957 angebracht. Die Grundform soll an das "Eiserne Kreuz" erinnern. Die Tafel auf der linken Seite hat einen Text, der einer näheren Betrachtung wert ist: "Männer, Frauen und Kinder gaben im Felde, in der Heimat und in der Gefangenschaft ihr Leben für Deutschland". "Geben" drückt Freiwilligkeit aus. Ich glaube nicht, dass dies bei Kindern, ausgenommen fanatisierten Hitlerjungen am Ende des Krieges, der Fall war. Was heißt "für Deutschland"? So hat Goebbels geredet, wenn er diesen verbrecherischen Angriffskrieg Hitlers als Deutschlands Verteidigung vor dem Bolschewismus in der Bevölkerung darstellte.

Als Geschichtslehrer am Max-Reger-Gymnasium habe ich immer wieder Schüler auf diesen schwer lesbaren Text hingewiesen. Wenn man etwas entfernen will, dann diese Tafel, ersetzt durch eine Gedenktafel für gefallene Soldaten der Bundeswehr. Der alte Spruch in der Mitte "Den Toten zum Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung" hat bis heute Gültigkeit.

Das Denkmal an dieser Stelle zu belassen ist die einzige historisch vertretbare vernünftige Lösung und zeigt den Respekt vor den Toten und ihren Angehörigen. Außerdem kostet sie nichts. Eine kommerzielle Nutzung (welche?) an dieser Stelle - völlig ausgeschlossen!

Günther Rambach, Kümmersbruck

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