Leserbrief
Ohne Rücksicht auf die Geschichte

Zu der Diskussion und den Berichten über die geplante Bebauung des ehemaligen Bürgerspital-Geländes und das künftige Aussehen der früheren Storg-Immobilie:

Wenn ich in die Amberger Zeitung blicke und das Bild der geplanten Neuen Münze sehe, zweifle ich an der Liebe unserer "Stadtregierung" zu unserem schönen alten Amberg. Kann man denn im Herzen und Eingangsbereich dieser Stadt einen solchen Klotz-, Protz-, Glas-, Betonbau errichten wollen? Und das alte Gesicht des Gebäudes ohne Rücksicht auf die Geschichte vernichten? Kann man denn nicht wenigstens die Fassade des ehemaligen Erwege-/Storg-/Forum-Gebäudes stehen lassen, aufhübschen und dahinter ein modernes Gebäude mit allen geplanten Einrichtungen einbauen?

Es wäre jammerschade um die Fassade mit den Arkadenbögen, hängen doch viel stadtgeschichtliche Erinnerungen daran. Man sollte mal die Amberger Bevölkerung nach ihrer Meinung fragen und nicht nur vom grünen Tisch aus entscheiden. Siehe Moedel-Bau am Marktplatz und Wöhrl-Bau am Eingang der Stadt.

Und wenn ich lese, unter diese Neue Münze soll noch eine Tiefgarage eingebaut werden, kommen mir vollends alle Zweifel an der Wirtschaftlichkeit. Haben wir rund um unsere Stadt nicht schon genug Tiefgaragen und andere Parkplätze? Und dann noch eine Tiefgarage gegenüber der Neuen Münze! Hallo, wo sind wir denn? Hat denn die Amberger Bevölkerung keine Beine mehr zum Laufen? Und für den Materialtransport zum Auto gibt es doch Trolleys, schöne moderne Rucksäcke und andere Hilfsmittel. Muss ich denn per Pkw bis in jedes Geschäft fahren können? Wir haben Tiefgaragen beim Ziegeltor, beim Kufü, direkt beim Bahnhof, das Parkdeck in der Marienstraße und eines auf der Kräuterwiese. Da sollte es doch möglich sein, einen freien Platz zu finden.

Noch ein Ärgernis ist mir in letzter Zeit aufgestoßen: unsere schöne kleine Spitalkirche. Wenn ich rund um dieses Kleinod gehe, fällt auf, dass man die Kirche nur noch durch Metallstreben vor dem Verfall schützen kann. Sie ist eine der ältesten Kirchen Ambergs. Der Schlussstein im Chor der Kirche trägt die Jahreszahl 1350, und unsere Amberger Pfarrherren wollen von dieser Kirche nichts mehr wissen, am liebsten würde man sie abreißen. Ich verstehe "die Kirche" nicht mehr, wenn man schon das Gebäude als Gotteshaus lästig empfindet, sollte man wenigstens die Substanz erhalten und als Denkmal pflegen. Wenn ich die Baumaßnahmen betrachte, wie die Bauleute mit ihrem Gerät und unserer kleinen Kirche umgehen, wie da die Gerüste und Materialien an den Grabdenkmalen anlehnen! Eine Schande, dass man da keinerlei Rücksicht mehr zu nehmen braucht.

Bernhard Hiersig, Amberg

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