Leserbrief
Verantwortliche kuschen vor Investoren

Zu den Planungen für die Innenstadt und die Bahnhofstraße:

Es steht zu befürchten, dass die Stadt von der bisherigen Planung, nämlich dem Bau einer Anliegergarage auf dem Areal des Bürgerspitals, abrücken will. Die Verantwortlichen sind offensichtlich dabei, eine völlig obsolete Stadtplanung, den Bau einer öffentlichen Tiefgarage, wieder aufzugreifen. Obwohl Baureferent Markus Kühne den Vorschlag gemacht hat, am Eingang der Stadt, beim Bahnhof, eine auch baulich ansprechende Hochgarage zu entwickeln, und obwohl die Tiefgarage am Ziegeltor seit über 15 Jahren zu zwei Drittel leer steht, plant man offensichtlich allen Ernstes eine öffentliche Garage im Bereich des Spitalgrabens.

Man wird damit dauerhaft viel Verkehr in die engen Gassen der Altstadt lenken, mit all den bekannten Folgen: Lärm, Abgase ... . Es ist wie immer und überall: Die, denen die Verantwortung für die Geschicke der Stadt übertragen wurde, kuschen vor Investoren, statt selbst zu gestalten und schädigen mit fatalen, grundfalschen, auf viele Jahrzehnte nachwirkenden Entscheidungen das Gemeinwesen, dessen Wohlfahrt sie eigentlich nachhaltig zu mehren hätten. Wenn sich nach anfänglicher Euphorie irgendwann der Nebel lichtet, das dauerhaft Schädliche der Projekte und damit das Politikerversagen offensichtlich werden, haben sich die Verantwortlichen in der Regel längst vom Acker gemacht. Beispiele gibt es in der Republik landauf, landab zuhauf.

Eine Entscheidung für eine öffentliche Tiefgarage innerhalb der Altstadtmauern stünde für absurd veraltetes Denken und spräche jeder zeitgemäßen Stadtplanung Hohn. Es ist eine Binsenwahrheit, dass der Zeithorizont von Bürgermeistern, Stadträten, Politikern lediglich bis zum nächsten Wahltermin reicht. Mit den Begleiterscheinungen einer öffentlichen Tiefgarage in der Altstadt, einmal gebaut, müssten sich aber noch unsere Kinder und Kindeskinder herumschlagen. Die würden nur den Kopf schütteln über uns und unsere Zeit und unser Denken - so wie wir es heute tun, wenn wir an die Sünden der 60er-, 70er-, 80er-Jahre denken.

Die Altstadt Ambergs ist so klein, hat mit ihrer historischen Anmutung, auch mit der umschließenden Stadtmauer, ein Alleinstellungsmerkmal, das man herausstellen sollte, mit dem Ziel, einen Stadtraum zu schaffen für Menschen, die gerne hier einkaufen, flanieren, verweilen, sich wohlfühlen können, belästigt nur durch einen auf das Notwendige reduzierten Autoverkehr! Wer immer noch mit dem Auto in die Altstadt fährt, dem sollte klar sein, dass die Suche nach einem Parkplatz genauso lange dauert wie der kurze Fußweg von schon bisher vorhandenen Parkflächen rund ums Ei!

Karlheinz Brandelik von der Gewerbebau hat schon vor längerer Zeit in einem Referat dargestellt, dass das Parkplatzangebot in Amberg deutlich besser ist als in Weiden oder Regensburg! Warum also Steuergelder verschwenden für eine falsche Stadtraumpolitik? Stattdessen wäre Kreativität gefragt, um eine lebendige, vielfältige, umsatzstarke Innenstadtstruktur zu schaffen. Solange man alle Probleme auf die Chimäre Parkplatz projiziert, wird sich nichts ändern.

Achim Hüttner, Vorsitzender "Menschengerechte Stadt e.V."
Weitere Beiträge zu den Themen: Leserbriefe (395)Bahnhofstraße Amberg (6)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.