Letzter Vortrag der 37. Erlanger Universitätstage
Big Data ist nicht wählerisch

Datengigantomanie bestimmt bisher die eher diffuse Vorstellung von Big Data, gibt Prof. Dr. Klaus Meyer-Wegener zu bedenken. Das allein brauche noch niemanden zu beunruhigen. Bild: Steinbacher

Um auf den Putz einer eigenständigen Denkleistung hauen zu können, da müssten die Mega-Rechner dieser Welt noch gewaltig dazulernen. Das sagt der Informatiker, für den D@tenfluten in einer Größenordnung von 1018 allein noch keinen Sinn stiften.

Exabyte heißt dieses sich normalen Vorstellungsvemögen entziehende Volumen von Speicherfähigkeit. Doch zumindest die Namen Zettabyte (1021) und Yottabyte (1024) gibt es schon. Die dazugehörigen Datenbanken noch nicht. Nur eine Frage der Zeit, meint Prof. Dr. Klaus Meyer-Wegener eher lapidar.

Der Lehrstuhlinhaber am Departement Informatik der Technischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) schloss am Dienstag die fünfteilige Vortragsreihe der 37. Erlanger Universitätstage ab. D@tenflut lautete das Thema und hatte, was die Publikumsresonanz betraf, offenbar einen Nerv des allgemeinen Interesses getroffen. Abhörskandale, Whistleblower im Exil, Cyberkriminalität, Shitstorms und personalisierte Werbeaktionen, all das gehört heute zum Alltag und schafft das Unbehagen, inzwischen freiwillig oder unfreiwillig permanent unter Beobachtung zu stehen. Auch bei den bisherigen Unitage-Referenten. Meyer-Wegener hingegen blieb eher gelassen in seiner Analyse der im Hier und Jetzt unüberschaubaren Aktivitäten der IT-gestützten Dienstleistungskonzerne.

Ein bisschen in Mode


Big Data geistere als ein großes Schreckgespenst durch die öffentliche Diskussion, konstatierte der Informatiker. Doch eher als Mode. Keiner wisse genau, was damit eigentlich gemeint sei oder beschrieben werden soll. Wenn es ausschließlich um die unvorstellbar gigantischen Schlünde von Datenbanken geht, so sieht allein darin Meyer-Wegener keinen Grund zur Beunruhigung. "Erst einfach alles speichern: Big Data als Aufgabe der Informatik" hatte er seinen Vortrag überschrieben. Bloßes Horten von elektronischen Klick-Protokollen, automatischen Logs oder sonstigen Spuren im Netz ergebe noch keinen Sinn.

Ohne Denken geht nichts


Erst wenn diese Daten in Korrelationen abgeglichen werden, setze ein Prozess in Richtung Auswertung ein. Doch der sei nicht minder hochkomplex und auf jeden Fall hinreichend bis akribisch definitionsbedürftig. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass die Daten technisch in Ordnung und überhaupt ver- oder abgleichbar (Äpfel und Birnen) sind. All diese Vorleistungen erbringt der Mensch mit der Formulierung seines Erkenntnisinteresses. Spuckt ein Rechner dann ein Ergebnis aus, ist auch das noch unverzichtbar interpretationsbedürftig.

Ein vielsagendes Standard-Beispiel geistert offenbar durch einschlägige Diskussionen. Meyer-Wegener enthielt es seinen Zuhörern nicht vor. So steht fest, dass Kunden, die Windeln kaufen auch überdurchschnittlich viel Bier kaufen. Und warum? So lange das auch Big Data nicht schlüssig und endgültig beantworten kann, ist es für den Informatiker mit der künstlichen Intelligenz noch nicht allzu weit her. Denn dem Menschen fielen viele und fantasievolle Erklärungen ein. Richtig müssten sie deshalb noch lange nicht sein.

Prof. Dr. Klaus Meyer-WegenerDatenmanagement ist das Spezialgebiet von Prof. Dr. Klaus Meyer-Wegener, der seit 2001 an der Technischen Fakultät der FAU einen Lehrstuhl innehat. Er ist Informatiker und hat sein Ingenieurs-Diplom an der Technischen Hochschule Darmstadt erworben. Sie gilt auf vielen Gebieten als renommiert, so dass die akademische Karriere von Meyer-Wegener nahezu vorgezeichnet schien. Die Universität Kaiserslautern und später die seit jeher in Technikerkreisen namhafte TU Dresden zählten zu Stationen des Informatikers. Der Übernahme eines Lehrstuhls an der FAU war dort von 1991 bis 1993 eine Professur mit dem Schwerpunkt Datenbanksysteme vorausgegangen.(zm)
Weitere Beiträge zu den Themen: Datenflut (4)Erlanger Universitätstage (5)
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