LH-Besitzer Ogepar baut auf Bewährtes
Auf Fundamenten der Hütte

Olivier Babilon (rechts) ist der neue Geschäftsführer der Luitpoldhütte GmbH. Mit ihm am Tisch saßen unter anderem (von links) Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack, Ogepar-Akquise-Beauftragter Ewout Vandamme sowie der IG-Metall-Bevollmächtigte Horst Ott. Bild: Hartl


Sicht der IG MetallAuch wenn niemand genau sagen könne, was die Zukunft wirklich bringt, so sieht man bei der IG Metall die aktuelle Entwicklung bei der Luitpoldhütte (LH) positiv. Deren Erster Bevollmächtigter, Horst Ott, unterstrich dies am Dienstag, als er beim gemeinsamen Pressetermin mit der neuen Unternehmensführung erklärte: "Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die Zeit der Ungewissheit bei der LH vorbei ist."

Nach sehr intensiven Gesprächen mit den neuen Anteilseignern sei man seitens der Gewerkschaft und der Belegschaft bereit, Einbußen hinzunehmen, wenn Ogepar den beschriebenen Beitrag leiste, sprich in das Unternehmen investiere.

Dass diese Abmachung durchaus ihren Preis fordere, ließ Ott nicht unerwähnt. So sei vereinbart, dass die Belegschaft für einen Zeitraum von fünf Jahren ihre Arbeitszeit auf 37,5 Wochenstunden anhebe, gleichzeitig aber weiterhin lediglich für 35 Stunden bezahlt werde. Im Klartext: "Die Leute müssen mehr arbeiten für das bisherige Geld." Zudem werde drei Jahre auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet, es sei denn, das Betriebsergebnis erreiche ein Plus von fünf Prozent oder mehr. Dann müsse erneut gesprochen werden. "Dieser Verzicht ist der Beitrag der Kollegen", führte Ott ins Feld. Vor allem während des Umbruchs seien dies Opfer, um beim Kostenblock einzusparen.

Ogepar erscheint in den Augen des IG-Metall-Mannes ein "verlässlicher Partner". Und mit diesem seien zusätzlich ab 2017, verknüpft mit einer Laufzeit von vier Jahren, Tariferhöhungen von 2,0 Prozent nach jeweils zwölf Monaten vereinbart. Unabhängig davon, welche Entwicklung sich in diesen Jahren im Bereich der Metall- und Elektroindustrie vollziehe.

Positiv bewertete Ott zudem die Tatsache, dass Ogepar in der Stabilisierungsphase auf betriebsbedingte Kündigungen verzichte und die LH über ihre neuen Anteilseigner dem Arbeitgeberverband angehöre. (ben)

Die Ogepar-Gruppe mit Sitz in Luxemburg will die Luitpoldhütte (LH) - jetzt GmbH, einst AG - möglichst rasch in die Erfolgsspur steuern. Das entspreche der Philosophie des Familienunternehmens, versicherte der neue Geschäftsführer Olivier Babilon, der in seinem Heimatland Frankreich in Saint Dizier zudem die Gießerei Focast verantwortlich leitet.

In richtige Bahnen


Der 45-jährige Vater dreier Kinder betonte am Dienstag gegenüber Medienvertretern: "Wir sind nicht hierher gekommen, um zu klauen." Das Interesse sei von Beginn an gewesen, die Gießerei an der Sulzbacher Straße zu erwerben. Dass dies nun nach der überstandenen Insolvenz gelungen sei, darüber sei man bei Ogepar "sehr froh". Die Holding, das hob der Sprecher hervor, handle grundsätzlich nicht nach den Regeln von Fondsgesellschaften, sondern sei daran interessiert, die neu erstandene Amberger Tochter langfristig in die richtigen Bahnen zu lenken.

Ohne Details über die Art der Investitionen nennen zu wollen, unterstrich Babilon, dass beabsichtigt sei, insgesamt 15 Millionen Euro in das Werk zu stecken, über ein Fünftel davon noch in diesem Jahr. Der Franzose machte aber auch deutlich, dass die aktuelle Marktsituation kritisch sei und sich bis Ende des Jahres nicht unbedingt der große Silberstreif am Horizont ausmachen lasse. Dessen ungeachtet sei es das langfristige Ziel, die Hütte flott zu kriegen. Dass dies in der Anfangsphase durchaus mit Opfern seitens der Belegschaft verbunden sei, war für ihn unumstößlich.

Der Franzose sagte dies unter Hinweis auf die tags zuvor stattgefundene Betriebsversammlung. Dass er dabei in den Reihen der LH-Beschäftigten eine Vielzahl von Fragezeichen auf den Gesichtern erkannt hatte, war für ihn nur zu natürlich: "Die Menschen hier kennen uns nicht und sie wissen nicht, mit wem sie es bei uns zu tun haben."

Darauf hatte Babilon aber am Dienstag bereits die erste Antwort im Stile eines Machers parat: "Wir sind Leute, die sich nicht so viel zeigen, sondern uns sind die Fakten am Ende des Jahres wichtig." Und da sollte nach seinen Wünschen im Dezember 2016 auf jeden Fall ein positives Resultat stehen. Um dies zu erreichen, müsse man Kosten reduzieren und Prozesse exakt kontrollieren. Auch den Qualitätsstandard gelte es zu halten. Dass Ogepar dabei auf Bewährtes setze, war für den Sprecher klar: "Die Fundamente sind da, und darauf bauen wir." Dies sei sowohl in personeller Hinsicht als auch vom Know-how her so zu sehen.

Tradition hochhalten


Unterstützung erfuhr Babilon in dieser Ansicht von Ewout Vandamme, bei Ogepar zuständig für die Akquise von Unternehmen. Der Belgier mit niederländischen Wurzeln kündigte an, auf jeden Fall die Tradition der LH hochhalten zu wollen: "Es gibt noch das Firmenlogo, die Marke und die Bindung in der Region. Das brauchen wir auch, um die Zukunft sichern zu können."

Am Ende des Gesprächs ließ der in Reims wohnende Geschäftsführer Babilon wissen, dass kurzfristig nicht beabsichtigt sei, Aufträge von der Luitpoldhütte nach Frankreich abzuziehen oder umgekehrt. Auf längere Sicht indes sei nicht auszuschließen, dass Synergien dort genutzt würden, wo dies sinnvoll erscheine. Unterdessen habe er selbst bereits die ersten Kundenbesuche absolviert, um Aufträge an Land zu ziehen und die LH wieder auf Vordermann zu bringen. (Sicht der IG Metall)
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