Liebespärchen verließ Gerüst am Martinsturm zu Fuß
Rettung ohne Korb

"Der Feuerwehreinsatz kostet das Paar ungefähr 300 Euro. Und das müssen wir auch verlangen, weil wir keine Möglichkeit haben, das als Rettung einzustufen." Zitat: Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer

Das Liebespärchen, das am Sonntag gegen 1.30 Uhr auf dem Gerüst des Martinsturms herumkletterte, weil es "den romantischen Ausblick genießen wollte", provozierte damit einen Einsatz von Polizei und Feuerwehr (AZ berichtete). Einzelheiten dazu verrät Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer im Interview.

Herr Seegerer, wie lief denn die Rettung genau ab?

Philipp Seegerer: Die Polizei hat uns informiert, wir sollten den Turm ausleuchten. Das haben wir mit dem Teleskopgelenkmast gemacht. Der war mit 30 Meter an seiner äußersten Grenze, dass Paar war noch ein bisschen drüber. Wir haben es aber nicht mit dem Korb nach unten transportiert, sondern nur den Weg auf dem Gerüst ausgeleuchtet, damit die beiden sicher nach unten kamen. Rausgegangen sind sie an derselben Stelle, an der sie rein sind. Dort hat sie die Polizei in Empfang genommen.

War erkennbar, ob die beiden Angst hatten?

Angst nicht, aber große Augen hatten sie schon, als sie rauskamen.

Und wie haben die Feuerwehrleute das Ganze aufgenommen?

Für die war es eher ein lustiger Einsatz, aber die ernste Seite der Geschichte ist natürlich: Eigentlich ist unser Teleskopgelenkmast für die Rettung von Menschen da, und in der Zeit, in der er da genutzt wurde, wäre er halt für andere Einsätze nicht zur Verfügung gestanden.

Gab es solche Rettungen von Kirchtürmen oder anderen Gebäuden in Amberg schon öfter?

Wir haben mal einen Angetrunkenen von einem Baukran geholt, aber sonst wüsste ich nichts, und ich bin seit 1979 bei der Feuerwehr. Als wir die Einrüstung des Turmes damals mit abgenommen haben, hieß es aber schon, dass da wohl öfter mal einer unerlaubt raufgehen würde.

Die beiden Turteltauben müssen ja die Kosten des Feuerwehreinsatzes zahlen. Wie viel wird das sein?

Ungefähr 300 Euro. Und das müssen wir auch verlangen, weil wir keine Möglichkeit haben, das als Rettung einzustufen.

NachgefragtFür den nächtlichen Polizeieinsatz am Martinsturm entstehen dem kletternden Pärchen (sie ist 26 Jahre alt, er 23) keine Kosten, erläuterte auf AZ-Nachfrage Erster Polizeihauptkommissar Hans-Peter Klinger, der Sprecher der Polizeiinspektion Amberg. Die Polizei sei im Zuge ihrer Aufgabe der Gefahrenabwehr tätig geworden. Dafür würden keine Rechnungen gestellt.

Eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs ist den beiden Romantikern aber sicher. Denn wenn jemand eine Absperrung überwindet und in einen Bereich eindringt, den der Eigentümer ganz offensichtlich schützen will, dann werde das von der Polizei automatisch als Straftat an die Staatsanwaltschaft gemeldet.

Laut Klinger hätte man das allenfalls anders sehen können, wenn die beiden jungen Leute gleich runtergekommen wären, nachdem die Beamten sie dazu aufgefordert hatten. Sobald sie aber das Innere des Turms als Versteck genutzt hätten, habe am Hausfriedensbruch kein Weg mehr vorbeigeführt. (ll)


Der Feuerwehreinsatz kostet das Paar ungefähr 300 Euro. Und das müssen wir auch verlangen, weil wir keine Möglichkeit haben, das als Rettung einzustufen.Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer
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