Liegengeblieben bei Oberleinsiedl
Havarierter Bus gesucht

Alle drei Monate muss dieser Bus zur Sicherheitsprüfung (SP). Ende Mai, läuft sie aus. Das bedeutet, dass das Fahrzeug im März noch für sicher erachtet wurde.
 
Ein ungepflegter Allgemeinzustand ist das eine. Aber bei solchen Bildern stellt sich die Frage, ob nicht auch sicherheitstechnische Mängel vorliegen könnten. Dieser Vorfall wurde jedenfalls auf dem kleinen Dienstweg erledigt, schnell ein Ersatzbus besorgt und von dem Subunternehmer der RBO nicht gemeldet. Das hätte aber geschehen müssen. Bilder: hfz (2)

Auch Linienbusse sind vor technischen Defekten nicht gefeit. So weit, so gut und so geschehen am Donnerstag, 12. Mai, bei Oberleinsiedl. Ab jetzt wird es kompliziert.

-Sulzbach. "Wir können den herrenlosen Bus nicht zuordnen." Dieser Satz von stellvertretendem Landratsamts-Sprecher Harald Herrle verwundert erst einmal. Nach landläufiger Meinung ist sein Haus für die Schülerbeförderung zuständig. Ein besorgter Vater hatte der AZ kurz vor den Pfingstferien Fotos von einem bei Oberleinsiedl liegengebliebenen und auf einem Rastplatz abgestellten Bus zugeschickt, mit dem sein elfjähriger Sohn am Morgen zur Schule fährt. "Ich kenne den Bus", versicherte der Mann.

Vertrauenserweckend sehen die Aufnahmen nicht aus: Ein Rad ist abmontiert, das Fahrzeug aufgebockt. Mit einer Zange wurde an der Unterseite eine Leitung abgeklemmt, der Bus weist am Heck erhebliche Roststellen im unteren Bereich der großen Rückscheibe auf. Gleich daneben klebt eine Prüfplakette des TÜV Süd. Sie weist aus, dass 19 Tage, nachdem die Fotos entstanden sind, die Sicherheitsprüfung (SP) für den havarierten Bus am Monatsende abläuft. Der Vater, der die Aufnahmen machte, ist besorgt. "Das Wertvollste sind - beziehungsweise sollten - unsere Kinder sein", schrieb er, und jeder wird ihm wohl Recht geben.

Nichts bekannt


Auch an das Landratsamt hat der Mann die Fotos geschickt. Die hausinternen Recherchen dort ergaben laut Herrle, dass von einem liegengebliebenen Bus nichts bekannt war, dieser Vorfall aber wohl auch nicht in die Zuständigkeit der Kreisbehörde oder des dort angesiedelten Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) falle. Denn der ganz normale Linienverkehr, mit dem auch Schulkinder jederzeit fahren dürfen, unterliege nicht der Aufsicht durch das Landratsamt.

Herrle hatte gute Gründe für diese Annahme. In dem defekten Bus hing ein Schild, dass er im Auftrag der Regionalbus Ostbayern (RBO) unterwegs sei. Doch auch der Leiter der Amberger Außenstelle, Helmut Pfeffer, konnte mit dem Vorfall erst einmal nichts anfangen. In seinem "Meldebuch" steht kein Eintrag für den 12. Mai über einen defekten Bus der eigenen Flotte oder eines Subunternehmers.

Nicht gemeldet


Pfeffer wurde jedoch schnell fündig. Eine Art Ferndiagnose über den technischen Zustand des liegengebliebenen Busses wollte er sich nicht anmaßen. Doch den verantwortlichen, im Landkreis ansässigen Subunternehmer hatte er schnell ausgemacht. Der habe den Vorfall eingeräumt. Ebenso, aus Vergesslichkeit die RBO davon nicht in Kenntnis gesetzt zu haben. "Das hätte er aber tun müssen", wollte Pfeffer in diesem Punkt nichts kleinreden. Zudem kündigte er an, dass schon in den nächsten Tagen der Subunternehmer von dem in Weiden ansässigen technischen Betriebsleiter der RBO Besuch bekommen wird, um "genau diesen Bus" unter die Lupe zu nehmen. Auch einen TÜV-Termin gebe es schon, sei ihm versichert worden. Viel Zeit bleibt ja nicht mehr. Am nächsten Dienstag ist der 31. Mai, und da läuft die Sicherheitsprüfung ab.

Nicht älter als zwölf JahreFachkenntnisse sind nicht nötig, um beurteilen zu können, dass der liegengebliebene Linienbus bei Oberleinsiedl deutlich älter als zwölf Jahre ist. Das wird nicht mehr lange so sein.

Der ZNAS, so stellvertretender Landratsamts-Sprecher Harald Herrle, verbindet die Auftragsvergabe für von ihm subventionierte Linien mit der Auflage, dass das Baujahr der eingesetzten Busse nicht länger als zwölf Jahre zurückliegen darf. Damit wird eine einschlägige EU-Richtlinie umgesetzt.

Auch die RBO ist an diese Vorgabe gebunden, erzählt deren Amberger Niederlassungsleiter Helmut Pfeffer. "Das gilt aber nur für neue Vergaben." Linienkonzessionen, auch wenn sie an Subunternehmen weitergereicht werden, haben in der Regel eine Laufzeit von acht oder zehn Jahren. (zm)
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