Luxusreise gebucht und nicht bezahlt
So gar nicht Ballermann

Das Nobelste war gerade gut genug. Die Reise in sonnige Gefilde hätte satte 22 000 Euro gekostet. Privattransfers, Hotelsuiten und Hubschrauberflug auf die Seychellen inbegriffen. Doch der Auftraggeber besaß keinen Cent, um diesen luxuriösen Trip zu bezahlen.

Der eher profane Amtsgerichtssaal, in dem es zur Verhandlung kam, nahm sich als Ambiente sehr bescheiden aus gegenüber den Quartieren, um die es in der Anklageschrift ging. Die Traumreise, Etappe für Etappe fast schon generalstabsmäßig geplant, mutete wie ein Drehbuch an, in dem sich üppiger Palmenbewuchs, sanfte Brisen und türkisblaues Meer mit gebräunten Menschen aus der High Society abwechseln.

Exklusive Wünsche


Es sollte schon etwas Einmaliges sein. Völlig außerhalb der Ballermann-Kategorien. Nicht zusammengepfercht in überhitzten Bussen und niemals in Quartieren der Kakerlaken-Kategorie. Darauf legte ein 60-Jähriger Wert, als er im Mai 2014 ein Amberger Reisebüro konsultierte und dort die exklusiven Wünsche für sich und seine Lebenspartnerin vortrug. Die Inhaberin nahm dies interessiert zur Kenntnis und begann, einen für die Ansprüche ihres Kunden maßgeschneiderten Plan auszuarbeiten. Das freilich war beileibe keine Reise aus dem Katalog.

Sogar per Helikopter


Die Auswahl glich einem touristischen Feuerwerk. Erst ein Zwischenstopp in Dubai, anschließend nach Mauritius und schließlich gar noch per Helikopter auf die Seychellen. Mit Hotels, die für ein paar Tage Aufenthalt durchaus bemerkenswerte 4000 Euro kosteten. Als die exklusive Route zusammengestellt war, bekam sie der 60-Jährige per Mail und segnete sie ab. Die Frage vor der Amtsrichterin Sandra Tofolini lautete nun: "War das eine Buchung?" Nein, sagte der wegen Betrugs angeklagte Mann und beharrte darauf: "Ich habe nichts unterschrieben."

Das aber, so stellte sich später im Urteil heraus, spielte keine tragende Rolle. Denn in der Mail-Nachricht war das Wort "Buchung" vorgekommen. Der 60-Jährige zahlte nicht. Er sei damals krank geworden, habe die Reise zusammen mit seiner Partnerin nicht antreten können, argumentierte er jetzt. Ansonsten hätte sein Vater die Reise bezahlt.

Die Nobel-Tour wurde storniert. Mit stattlichen Gebühren. Sie machten 5000 Euro aus. Vor der Richterin schilderte die Reisekauffrau nun, wie sie mühsam mit den Veranstaltern verhandeln musste, um den Betrag auf 750 Euro zu drücken. Auf dem blieb sie allerdings sitzen. Hinzu kam die Einbuße des eigenen Verdienstes.

Bedauerlich wurde es, als das Vorstrafenregister des 60-Jährigen zur Sprache kam. Er hatte als Hartz-IV-Empfänger ein Job-Center in Oberbayern um 50 000 Euro geprellt, saß auch schon hinter Gittern. Die Reststrafe hatte man zur Bewährung ausgesetzt. Dieses Damoklesschwert schwebte nun über dem Mann, der nach eigenen Angaben vom Vermögen seiner betagten Mutter lebt.

Wenn es nach dem Willen der Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch gegangen wäre, hätte der 60-Jährige für 14 Monate ins bescheidene Hotel "Knast" einrücken müssen. Gegen diesen Antrag stemmte sich Verteidiger Jürgen Mühl. "Es gab keine unterschriebenen Reisevertrag", argumentierte er und fügte hinzu, vor einem Zivilgericht hätte die Sache wohl kaum Aussicht auf Bestand.

Nicht hinter Gitter


"Freispruch", forderte Mühl. Doch das war weit entfernt von der richterlichen Meinung. Acht Monate mit Bewährung verhängte Sandra Tofolini und zeigte sich überzeugt davon, dass durch die Zustimmung des 60-Jährigen nach der ihm zugegangenen Mail es durchaus einen belastungsfähigen Kontrakt gegeben habe. Außerdem muss der Mittellose 1000 Euro an die Staatskasse zahlen.
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