Maden helfen bei Wundheilung
Tierische Therapeuten

In einem porösen Kunststoff-Beutelchen befinden sich die kleinen Larven der Goldfliege.

Immer mehr Menschen entwickeln Resistenzen gegen Antibiotika. Deshalb setzt das Klinikum St. Marien bei der Behandlung von schlecht heilenden Wunden neben der medikamentösen Therapie auch auf eine traditionelle Methode: den Einsatz kleiner Larven der Goldfliege, steril gezüchtet in speziellen Laboratorien.

"Vor allem Diabetiker und Patienten mit Brand- oder Operationswunden profitieren von der Madentherapie", erklärt Dr. Ioannis Rafailidis, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin laut einer Pressemitteilung des Klinikums.

Doch wie genau funktioniert die Methode? Was können die Maden bewirken? Und wann kommen sie zum Einsatz? Fragen, auf die Natalia Grohmann Antwort weiß. Die gelernte Gefäß-Assistentin hat eine Zusatzausbildung zur Wundexpertin und arbeitet seit vier Jahren mit den Larven. Die Maden werden in abgepackten Beutelchen, die aus einer porösen Kunststoffmembran bestehen, angeliefert. "Sie sehen ähnlich aus wie Teebeutel. Die Maden darin sind kaum zu erkennen", erklärt die 44-Jährige.

Das sei auch gut so, da es die meisten Patienten ein wenig Überwindung koste, sich die kleinen Tierchen aufsetzen zu lassen. "Wenn wir unseren Patienten allerdings die tollen Erfolge anhand von Vorher-Nachher-Bildern zeigen, sind sie in der Regel schnell vom Nutzen der Maden überzeugt", so die Gefäß-Assistentin.

Je nach Größe der Wunde werden so viele Beutel mit Pinzette nebeneinander platziert, bis die Fläche vollständig bedeckt ist. Danach wird die Wunde verbunden und die Arbeit der kleinen Helfer kann beginnen: Die kommenden 72 Stunden ernähren sich die reiskorngroßen Maden ausschließlich vom abgestorbenen Gewebe. Dafür sondern sie ein Sekret ab, das das Gewebe verflüssigt, so dass sie es anschließend als Nahrung wieder aufnehmen können. Auf diese Weise tragen die kleinen Larven den Wundbelag Schicht für Schicht ab. Dieser enthält oft krankmachende Keime, die durch die Enzyme der Maden abgetötet werden. Umgekehrt regen bestimmte Stoffe des Sekrets die Bildung von gesundem Gewebe an. So wird der Wundheilungsprozess gefördert.

HeilungsförderndDie Wundbehandlung mit Maden ist nicht neu. Schon die Maya-Indianer setzten die Larven ein, um Wunden zu reinigen und die Heilung so zu fördern. Mit dem Aufkommen von Antibiotika verlor die Methode lange Zeit an Bedeutung. Jetzt feiern die tierischen Therapeuten ihr Comeback in der Schulmedizin und werden als heilungsfördernde Ergänzung zur medikamentösen Behandlung verwendet.
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