Mangelware Wohnraum
Flüchtlinge konkurrieren um knappe Wohnungen

Wir hoffen, dass die 23 Flüchtlinge, die derzeit bei uns sind, auf den Landkreis verteilt werden, wenn sie anerkannt sind. Sonst stehen wir vor einem großen Problem.
 
Nachdem Flüchtlinge anerkannt sind, müssen sie die Gemeinschaftsunterkünfte, wie hier in der Turnhalle der Barbaraschule, verlassen und sich eine eigene Wohnung suchen. Doch das ist nicht immer leicht. Archivbild: Huber

Der Wohnraum im Landkreis Amberg-Sulzbach ist knapp. Ein Problem, das schon bald erheblich größer werden könnte. Wird Flüchtlingen der Asylantrag anerkannt, müssen sie die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen und sich eine neue Bleibe suchen. Doch wo finden sie auf dem hart umkämpften Wohnungsmarkt eine passende Unterkunft?

Die Gemeinde Kümmersbruck beherbergt derzeit 76 Aslybewerber. "Die meisten von ihnen sind in Privathäusern untergebracht, die vom Landratsamt angemietet wurden. Nachdem sie anerkannt werden, müssen sie da aber raus", erklärt Gemeinde-Mitarbeiterin Judith Strobl. Die Frage "wohin" könne sie nicht beantworten. "Wir haben für sie im Gemeindebereich keine Wohnungen. Es gibt keinen sozialen Wohnungsbau in Kümmersbruck", erläutert Strobl.

Aktuell lebe ein anerkannter Flüchtling im Gemeindegebiet - doch der habe noch keine Wohnung gefunden. "Das ist schwierig, das Angebot gleich Null", bedauert die Gemeindemitarbeiterin. Nach der Anerkennung sei das Landratsamt für die Unterbringung und Verteilung zuständig, "das fällt dann nicht mehr in unseren Bereich". Ob private Wohnungen von Vermietern aus der Kommune zur Verfügung gestellt werden, sei nicht bekannt.

Ähnlich ist die Situation in Gebenbach. "Es gibt keine freien Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge", bedauert Bürgermeister Peter Dotzler. Zum einen habe man keine öffentliche Wohnungsgesellschaft, zum anderen seien die Wohnungen privater Anbieter vermietet. Deshalb setzt Dotzler auf eine - für die Gemeinde positive - Regelung der Residenzpflicht. "Wir hoffen, dass die 23 Flüchtlinge, die derzeit bei uns sind, auf den Landkreis verteilt werden, wenn sie anerkannt sind. Sonst stehen wir vor einem großen Problem. Notfalls müssten wir umliegende Gasthäuser anmieten, da die Menschen sonst obdachlos sind", erklärt das Gemeindeoberhaupt.

Rechtzeitige Regelungen


Es sei nötig, schnell Lösungen zu finden - auch in Zusammenarbeit mit Landrat Richard Reisinger. "Es darf nicht sein, dass diese Problematik auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen wird - deshalb müssen rechtzeitig Regelungen getroffen werden", fordert Dotzler.

Der Wohnungsmangel stellt ein erhebliches Problem dar - nicht nur in Kümmersbruck und Gebenbach. Auch anderen Gemeinden fehlt der Raum, um anerkannte Flüchtlinge unterzubringen. Einige Bürgermeister setzen daher auf eine Verteilung innerhalb der Stadt Amberg. Doch auch da sind entsprechende Unterkünfte Mangelware.

Immer wieder Kündigungen


"Aktuell haben wir 1600 Wohnungen in unserem Bestand - sowohl Alt-, als auch Neubau. Etwa 10 stehen davon momentan zur Verfügung", erklärt Susanne Donhauser, Mitarbeiterin des Wohnungsunternehmens in Amberg. Der Quadratmeterpreis liege bei allen Objekten unter fünf Euro. Anerkannte Flüchtlinge müssten sich direkt um eine Bleibe bewerben, "genauso wie deutsche Wohnungsinteressenten", erklärt Donhauser. "Seit kurzer Zeit erreichen uns mehr und mehr Anträge. Viele anerkannte Flüchtlinge kommen nicht alleine zu uns, sie haben beispielsweise Paten dabei, die ihnen beim Übersetzen helfen." Verfügbare Wohnungen seien knapp. "Allerdings werden zum Monatsende immer wieder Kündigungen von Mietern eingereicht. Die Personen und Familien auf der Warteliste rutschen dann automatisch nach - egal ob Deutscher oder Flüchtling".

Zahl variiert täglich


Elf freie Wohnungen gebe es im Moment im Bestand der Amberger Stadtbau - diese Zahl variiere aber täglich. "Insgesamt bieten wir 1630 Wohnungen an - in Schwandorf, Sulzbach und Oberviechtach. Ein Großteil ist aber in Amberg", betont Hermann Ehbauer, Leiter der Mietabteilung. Mindestens die Hälfte würde für Flüchtlinge in Frage kommen - "das sind vom Staat geförderte Sozialwohnungen". Mieter würden nach bestimmten Kriterien einer entsprechenden Wohnung zugeteilt: "Wir prüfen, ob Personen in eine bestimmte Wohngemeinschaft passen." Durch einen kulturellen Mix solle eine Ghetto-Bildung verhindert werden. Außerdem spiele die Haushaltsgröße eine Rolle und die Frage, ob die Menschen die Wohnung überhaupt wollen.

Der Wohnraum in Amberg ist begrenzt - Mietwohnungen sind heiß begehrt. "Zur Zeit ist die Lage aber nicht sehr kritisch, wir können das bewältigen. Aber zaubern können wir nicht. Politische Vorgaben ändern sich von Tag zu Tag. Das erleichtert unsere Arbeit nicht gerade", resümiert Ehbauer. Möglicherweise könnten private Wohnungseigentümer die Lage entschärfen. Wie viele es gibt, weiß der Leiter der Mietabteilung nicht. (Hintergrund)
Wir hoffen, dass die 23 Flüchtlinge, die derzeit bei uns sind, auf den Landkreis verteilt werden, wenn sie anerkannt sind. Sonst stehen wir vor einem großen Problem.Peter Dotzler, Bürgermeister der Gemeinde Gebenbach


Flüchtlinge im Landkreis und Stadt AmbergAktuell leben im Landkreis Amberg-Sulzbach 1187 Flüchtlinge, erklärt Christine Hollederer, Pressesprecherin des Landratsamtes. "Davon sind 81 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, 854 Personen wohnen in dezentralen Unterkünften - also Privatwohnungen", erläutert Hollederer. 123 Asylbewerber seien in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sowie 129 in einer Notunterkunft in Sulzbach-Rosenberg. 560 Flüchtlinge halten sich derzeit in Amberg auf, so Susanne Schwab, Pressesprecherin der Stadt. "35 von ihnen sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge." 240 Asylbewerber seien in vorhandenen Gemeinschaftsunterkünften beherbergt. (juh)
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