Marienheim catert nicht mehr für externe Kindergärten und Schulen
Ende der Essenslieferungen

Küchenleiterin Maria Weigl (Mitte) bereitete gemeinsam mit ihrem Team täglich die Essenslieferungen für elf Schullen und Kindergärten vor. Die Boxen und Eimer sind nur ein Teil der zwei Chargen, die mit dem Auto ausgefahren wurden. Ende August wird das Catering eingestellt. Die Entscheidung trafen Heimleiter Wolfgang Hiemer (links) und Caritas-Geschäftsführer Günter Koller (rechts). Bild: roa

Das Marienheim kocht ab August nicht mehr für externe Kindergärten und Schulen das Mittagessen. Elf Bildungseinrichtungen in Stadt und Landkreis kamen bislang in den Genuss des Caterings. Sie müssen sich künftig einen neuen Essenslieferanten suchen.

Erst rief Köchin Maria Weigl ihre "Kunden" persönlich an. Dann teilten Caritas-Geschäftsführer Günter Koller und Heimleiter Wolfgang Hiemer den Schulen und Kindergärten die Entscheidung per Post mit. "Schade, schade, schade", so sei durchweg die Reaktion gewesen, erzählt Hiemer. Begründet wurde der Schritt offiziell durch die erforderliche EU-Zulassung, die weitere Kontrollen und Dokumentationen erforderlich machen würden. Allerdings sind eine ganze Reihe an weiteren Problemen mitverantwortlich, wie beide auf Nachfrage der AZ erläuterten. "Die EU-Zulassung ist eigentlich nur der Aufhänger", sagte Koller.

Pionierarbeit geleistet


Vor fünfeinhalb Jahren sei mit dem Catering für externe Kindergärten und Schulen begonnen worden. "Wir haben in diesem Geschäft quasi Pionierarbeit geleistet", sagte Koller. Damals seien Aufwand und Ansprüche weitaus niedriger gewesen als heute. Was hat sich geändert? Hiemer winkte ab. Zwei Kangoo-Kofferraumladungen voll Essensboxen täglich, inklusive zweier Personen, die mindestens zwei Stunden damit beschäftigt sind, die Mahlzeiten anzuliefern - der Heimleiter spricht aus Erfahrung. Erst kürzlich sprang er für diesen Job ein, da jemand krankheitsbedingt ausfiel. "Allein kann man das nicht stemmen, die Boxen sind viel zu schwer. Außerdem muss man zum Teil damit enge Kellertreppen nach unten gehen. Oder für die Anlieferung Stufen nach oben."

Nicht geeignet wäre auch das Auto, das bereits "in die Jahre gekommen und durchgerüttelt" sei. Das Schlichten der ausgelieferten Boxen und die Rückgabe der leeren Behälter gleiche täglich einem logistischen Tetris-Spiel. Sie seien unhandlich und es erfordere einen "unglaublichen Arbeitsaufwand" diese zu desinfizieren. Und natürlich stieg die Anzahl der Essen jährlich - seit Beginn fast um das Doppelte. Werbung gemacht habe das Marienheim dafür nie. "Das lief alles durch Mund-zu-Mund-Propaganda." Parallel dazu stiegen auch die personellen Anforderungen, unter anderem durch das kleinteilige Aufteilen des Essens.

Würde das Marienheim so weitermachen wie bisher, wären nicht einmal mehr die Ausgaben für den Lohn gedeckt. Allein 3000 Euro hätte der Heimleiter mehr Einnahmen gebraucht, um alle Kosten für das externe Catering zu decken. Die Preise pro Mittagessen lagen zwischen 1,10 und drei Euro. "Das hat mit Wirtschaftlichkeit nichts mehr zu tun." Mittlerweile gebe es auch Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, Bildungseinrichtungen mittags zu verpflegen. Das sei damals, vor fünf Jahren, anders gewesen. "Es ist schade, aber es geht einfach nicht mehr anders", sagte Küchenleiterin Maria Weigl, die an diesem Vormittag seit 6.15 Uhr das Mittagessen für Hunderte Kinder und Senioren vorbereitete: Rindsgulasch mit Nudeln.

Konzentration auf Heim


"Wir wollen uns wieder mehr auf unser Altenheim und die Bewohner konzentrieren", sagte Hiemer. Denn auch hier würden die Anforderungen in der Küche steigen, zum Beispiel durch spezielle Kostformen wie laktose- oder glutenfrei. "Wenn wir heute einen Speiseplan machen, dann hängt hinten eine ganze DIN-A4-Seite mit kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffen dran." (Angemerkt)

Unsere Küche konzentriert sich jetzt auf das Essen hier im Heim. Das ist unser Geschäft.Heimleiter Wolfgang Hiemer
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