Marienstatue auf dem Mariahilfberg
Das Wunder von Amberg

Hinter der Marienstatue in der Winter-Linde verbirgt sich ein kleines "Wunder". Bild: Huber

"Wollen Sie die Geschichte hinter der Marienstatue wissen?", meldete sich eine nette Dame am Telefon. "Sie haben doch den Artikel zur Winter-Linde geschrieben." Im Umweltausschuss wurde vergangene Woche der Baum des Jahres vorgestellt, die Winter-Linde (AZ, 28. Februar). Sie ist in Amberg am Kreuzweg zum Mariahilfberg zu finden. In einer Höhle ihres Stammes steht eine Skulptur. AZ-Leserin Vera Pfleger kam diese gleich bekannt vor.

Sie schrieb eine Geschichte auf und schickte sie an die Redaktion: "Vor einigen Jahren klingelte es an meiner Haustür. Davor stand eine alte Dame mit ihrem Sohn und bat um Besichtigung unseres Anwesens in der Sechserstraße." Als Grund habe die Frau angegeben, dass ihre Vorfahren einst Pflegers Haus errichten ließen. Es gehörte einst zum Kummert-Keller (Anm. d. Red.: heute Schnitzel-Eck). "Dieser Kummert-Keller war früher der Kölbl-Keller und gehörte meiner Familie", erzählte die fremde Frau an der Tür.

Was das mit der Marienstatue auf dem Mariahilfberg zu tun hat? "Als wir in die Münchner Gegend zogen, haben wir das Haus verkauft. In der Fassade befand sich eine Madonnenfigur, die wir nicht mitverkaufen wollten. Also entschlossen wir uns, sie an einem Baum am Mariahilfberg zu befestigen. Eines Tages wurde der Baum von Jugendlichen angezündet und dadurch sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die Marienfigur verbrannte aber nicht und trug auch keinen Schaden davon. Die Amberger haben damals von einem Wunder gesprochen", erinnerte sich der Besuch. "Hi, hi, hi. Wir haben schon gewusst, dass es kein Wunder war", kicherte die Frau belustigt vor sich hin. Auf Pflegers verwunderte Nachfrage kam die Aufklärung: "Wissen Sie, die Mutter Gottes ist aus Eisen!" Die Geschichte wird von der am Baum angebrachten Tafel durchaus bestätigt. Sie berichtet von "frevelhaften Studentenhänden", die den Baum angezündet hätten.

Vera Pfleger sagt, sie habe nach der Begegnung mit der Frau nach dem Baum gesucht, an der die Marienstatue angebracht wurde. Die Frau aus München, die damals unvermittelt vor ihrer Haustür aufgetaucht sei, sei inzwischen längst verstorben. "Aber die Geschichten bleiben - wenn man sie aufschreibt", betont die Ambergerin.

Zum Kölbl-Keller gehörte früher übrigens auch eine Brauerei. Sie befand sich nur ein paar Hundert Meter entfernt, am Roßmarkt. Das dort gebraute Bier wurde in den Keller, der zum Teil heute noch besteht, transportiert und dort gelagert. Der Ausschank erfolgte im Kölbl-Keller, im Veranstaltungssaal und im Kastaniengarten. Oft ging es dort hoch her. Die gegenüberliegende Kaserne war natürlich von Vorteil für die Wirtschaft und das Kölbl-Bier.
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