Martyrium in der eigenen Wohnung
Amberger quält Freundin fast 50 Stunden lang

Symbolbild: dpa

Das Martyrium der Frau dauerte fast 50 Stunden. Erst dann machten alarmierte Polizeibeamte den Übergriffen ihres Lebensgefährten ein Ende. Er hatte seiner Partnerin grundlos in der Wohnung festgehalten und übel zugerichtet.

Sie lebten zwei Jahrzehnte zusammen. Dann kam ein Freitag im November 2014, an dem die Frau ihren Partner von einer Seite kennenlernte, die sie nie vermutet hatte. Als ihr qualvoller Weg durch eine 50 Stunden dauernde Peinigung beendet war, verließ sie die gemeinsame Bleibe in Amberg und kehrte nie mehr zurück. Das Opfer ist bis heute nach Angaben seiner Anwältin Julia Lassmann-Rampf schwer traumatisiert.

Der heute 43-Jährige war seinerzeit von der Beerdigung eines auf tragische Weise ums Leben gekommenen Freundes zurückgekehrt. Seine Partnerin hatte ihn begleitet. Daheim rastete der Mann völlig unvermittelt aus. Was sich jetzt bei einem Berufungsprozess vor der 2. Strafkammer des Landgerichts verdeutlichte, war Horror pur. Die Frau bekam Faustschläge an den Kopf und auf die Augen, ihr wurde ein Messer an den Hals gedrückt, mit dem Tod gedroht und verboten, die Wohnung zu verlassen. Als sie ins Badezimmer flüchtete, setzte sich die Gewaltorgie fort: Schläge und Hiebe, wahllos gesetzt.

Grundlos in Rage


Keine Chance zur Flucht. Irgendwann holte ihr Peiniger eine Armbrust und schoss einen Pfeil auf sie. Er verfehlte sein Ziel. Der grundlos in Rage geratene Täter ließ nicht ab. Er wütete wie ein Berserker, zerschlug den Wohnzimmertisch und warf einen Brocken von dessen zerborstener Marmorplatte auf seine Lebensgefährtin. Mit Drohungen und Übergriffen vergingen Samstag und auch der Sonntag. Erst am Abend dieses dritten Tages gelang es der Frau, die Polizei zu alarmieren. Funkstreifenbeamte erschienen in dem Haus am östlichen Stadtrand, nahmen den Tobenden fest und stellten ein Waffenlager sicher: Schreckschusspistolen, Schwert, Luftgewehr, Bajonett und zahlreiche Patronen. Die Uniformierten wussten dabei, dass der Mann ein durch die Stadt Amberg erlassenes Verbot für den Umgang mit Waffen hatte. Bei ihm waren in der Zeit davor größere Bestände an Schwarzpulver beschlagnahmt worden.

Bei einer ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht hatte der 43-Jährige im Herbst vergangenen Jahres zweieinhalb Jahre Haft ohne Bewährung bekommen. Dabei musste das Opfer der Gewalttaten aussagen. Auch vor dem Landgericht, an das sich der Täter mit einer Berufung gewendet hatte, wäre sie als Zeugin geladen gewesen. Doch dieser von ihr befürchtete Auftritt blieb der Frau erspart. Der Angeklagte beschränkte seinen Einspruch auf die Strafhöhe. Damit gab er die Übergriffe in vollem Umfang zu. Für dieses Geständnis hatte ihm die 2. Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber eine im Vergleich zum Ersturteil niedrigere Ahndung zugesagt. "Allerdings kann es keine Bewährung geben", ließ die Vorsitzende anklingen.

Ohne Bewährung


Damit war der Antrag von Verteidigerin Mayumi Weinmann (Regensburg) zum Scheitern verurteilt. Sie wollte im Plädoyer eineinhalb Jahre zur Bewährung für ihren Mandanten, der 16 Vorstrafen zum Prozess mitbrachte. "Berufung verwerfen", verlangte Staatsanwältin Daniela Spies.

Die Strafkammer blieb bei der Zusicherung, dass bei einem Geständnis die Höhe der erstinstanzlich verhängten Ahnung niedriger ausfallen werde. Der 43-Jährige bekam für seine Exzesse samt der Verstöße gegen das Waffengesetz ein Jahr und acht Monate Haft Für eine Bewährung sahen die Richter keinen Anlass.
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