Massive Beleidigungen per SMS: 22-Jähriger bekommt abermals eine Chance
Bewährung für Unbelehrbaren

Der 22-Jährige ist kaum zu berechnen. Er neigt zu körperlichen Gewalttaten, beleidigt andere mit den unflätigsten Ausdrücken. Trotz laufender Bewährung bekam er jetzt abermals eine Chance. "Wie viele noch?", fragten sich Beobachter des Prozesses. Diesmal ging es um etliche Beleidigungen und eine Bedrohung.

Unter verbalen Beschuss


Der junge Amberger hatte sich offenbar über eine Freundin geärgert und damit begonnen, die junge Frau samt ihren Eltern massiv per SMS unter verbalen Beschuss zu nehmen. "Hinterfotzige Schlampe" schrieb er, "rassistische Nutte" und "Ich klatsch' dich tot." Dann stellte er die Ex-Gefährtin über Facebook an den Pranger, bot sie anderen an und setzte seiner Attacke via PC auch noch Telefonnummern hinzu. Das ging so über Wochen hinweg. Mit vielen anderen Ausdrücken, die nicht druckreif sind.

"Warum?", wollte Amtsrichterin Julia Taubmann wissen und erfuhr, er habe sich über die Frau und deren Eltern geärgert. Was folgte, ließ erstaunen: "Ich wollte eigentlich nur meine Ruhe haben." Ruhe? Die Beleidigten hatten sich lediglich den über sie hereinbrechenden Unflat verbeten. Irgendwann mochten sie die Verbalattacken nicht mehr hinnehmen und stellten Strafanträge. Daraufhin begann die Staatsanwaltschaft, zu ermitteln und stellte fest, was auch die Richterin mit einem Blick in die Akten zur Kenntnis nehmen musste: Da war einer, der zu rüden Vorgehensweisen neigt, wenn nicht alles nach seinem Willen läuft.

Es gab fünf Vorstrafen. Auch dabei war schon eine Ex-Freundin mit üblen Ausdrücken belegt worden. Nicht genug damit: Eine weitere Bekannte hatte der 22-Jährige in einem jähen Zornausbruch geschlagen und gewürgt. Dafür waren Bewährungsstrafen ausgesprochen worden.

Zuvor hatte sich bereits ein Jugendrichter veranlasst gesehen, wegen anderer Delikte Dauerarreste zu verhängen. Und jetzt wieder Bewährung? Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht sah keinerlei Grund dafür. Sie beantragte 20 Monate Haft zum Absitzen und wollte in dieses Urteil eine 2015 verhängte einjährige Bewährungsstrafe einbezogen wissen. Verteidiger Ekkehard Zink hielt 17 Monate für ausreichend und stellte seinem Mandanten eine günstige Sozialprognose aus. Der Mann sei momentan auf einem guten Weg, bemühe sich aufgrund seiner Erwerbslosigkeit um ein Praktikum. Von daher könne man ihm noch eine letzte Chance geben.

Noch 200 Stunden offen


Die Richterin verhängte 18 Monate mit Bewährung und schickte den 22-Jährigen außerdem zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Aus einem vorangegangenen Urteil stehen übrigens noch 200 solcher Stunden offen. Der Mann hat sie bisher nicht abgeleistet und hofft offenbar darauf, dass diese mit körperlichen Anstrengungen verbundene Bürde irgendwann, wenn er einmal etwas verdienen sollte, in eine Geldauflage gewandelt wird.

"Sie müssen Prioritäten setzen in Ihrem Leben", hörte er mahnend von der Richterin. Doch viel wichtiger erschien ihm wohl: Er war erneut am Gefängnis vorbeigeschrammt.
Sie müssen Prioritäten setzen in Ihrem Leben.Richterin Julia Taubmann zum Angeklagten
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