Messerstecherei in Seugast
Sechs Jahre Haft für 19-Jährigen

Symbolbild: dpa
Der Messerstecher von Seugast (Kreis Amberg-Sulzbach) muss sechs Jahre hinter Gitter und hat danach zwingend mit seiner Ausweisung zu rechnen. Der zur Tatzeit 19 Jahre alte Kosovo-Albaner war in der Nacht zum 2. April letzten Jahres in einem von Asylsuchenden genutzten Mehrfamilienhaus über einen 17 Jahre alten Ukrainer hergefallen und hatte ihm fünf Stiche versetzt.

Nach einer sich über drei Prozesstage hinweg erstreckenden Beweisaufnahme vor der Jugendstrafkammer des Amberger Landgerichts bilanzierte Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier: "Der Angeklagte hat den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen." Strohmeier zeichnete die Geschehnisse des Tatabends nach und befand, der Kosovare habe aus nichtigen Gründen heraus zum Messer gegriffen. Dem blutigen Verbrechen war ein Wortwechsel zwischen dem Ukrainer und der 31-jährigen Freundin des Täters vorausgegangen. Dann sei der in dieser Unterkunft nicht gemeldete Mann gewissermaßen "als Rächer erschienen."

"Das Opfer hatte riesiges Glück", unterstrich der Anklagevertreter und stützte sich dabei auf ein rechtsmedizinisches Gutachten, bei dem sich ergeben hatte: Jeder der fünf Stiche, besonders ein sehr tiefer in den Hals, hätte tödlich enden können. Der Oberstaatsanwalt beantragte sieben Jahre Jugendstrafe wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung. Er fügte hinzu: "Er soll danach aus diesem Land entfernt werden. Solche wie ihn brauchen wir hier nicht."

Die Verteidiger Jürgen Mühl (Amberg) und Dagmar Ciccotti (Maxhütte-Haidhof) schrieben dem Opfer eine gewisse Mitschuld zu."Der 17-Jährige hat hier gesagt, er habe keine Gegenwehr geleistet", ließ Mühl anklingen und ergänzte: "Das glaube ich ihm nicht." Von daher liege kein Tötungsvorsatz bein Beschuldigten vor. Dagmar Ciccotti war gleicher Ansicht. Sie sah lediglich den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt und sprach sich für eine Freiheitsstrafe von
vier Jahren aus.

Drei Stunden lang beriet die Kammer. Dann verurteilte sie den Kosovo-Albaner zu sechs Jahren Haft. Der heute 20-Jährige habe den Tod seines Kontrahenten billigend in Kauf genommen, von daher sei es versuchter Totschlag und natürlich auch gefährliche Körperverletzung, sagte Richter Christian Frey in der Begründung. Frey zeichnete nach, wie die Stiche sehr zielgerichtet gesetzt wurden und er schilderte auch, wie der junge Mann aus dem Kosovo ("Er muss mit seiner Ausweisung rechnen") anschließend flüchtete, abtauchte und später bei einem Landsmann in einem Amberger Asylbewerberheim festgeommen wurde.

Der Angeklagte hatte während des Prozesses geschwiegen. Erst in seinem Schlusswort wurde er gesprächig und sagte: "Es tut mir leid, was geschehen ist. Ich wollte ihn nicht umbringen."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.