Metzger macht auf Wirt und eröffnet geschlossene Traditionsgaststätte neu
Schittko übernimmt Schießl-Wirtshaus

Michael Schießl (links) legt den Betrieb seines traditionsreichen Wirtshauses an der Unteren Nabburger Straße in neue Hände. Es ist sein Nachbar Michael Schittko (rechts), der seine Metzgerei-Filiale gleich im Nebenhaus nach 30 Jahren zusperrt und stattdessen als Pächter das seit Ende Januar geschlossene Lokal weiterführt. Während Schießl hier hinter der Theke meist selber stand und ausschenkte, will Schittko künftig eher in der Küche tätig werden und für seine Gäste kochen. Wobei er an der Speisekarte

"Der Schießl hat zu." Diese Nachricht verbreitete sich Ende Januar wie ein Lauffeuer in der Stadt. Inhaber Michael Schießl sperrte sein beliebtes Wirtshaus quasi von heute auf morgen zu - aus privatem Grund. Die Geschäftsaufgabe kam so überraschend wie nun die positive Nachricht, dass es weitergeht. Mit einem neuen Pächter, der Michael Schittko heißt.

Das ist der Clou an diesem Wechsel. Denn bekanntlich betreibt Michael Schittko gleich im Nachbargebäude des Schießl-Wirtshauses in der Unteren Nabburger Straße 6 einen Metzger-Laden. Das heißt, auch dort hing seit Wochen ein orangerotes Schild im Schaufenster mit der unseligen Ankündigung: "Laden zu vermieten". Die Interpretation vieler Bürger dazu: "Meine Güte, auch der Schittko hört wohl auf."

Das stimmte zwar so nicht, sagt der Betroffene, gibt aber zu, vielfach im Geschäft auf dieses Thema angesprochen worden zu sein. Fakt ist nach seinen Worten, dass er den Mietvertrag für die 30 Jahre hier ansässige Filiale nicht mehr verlängert hat und andere Pläne schmiedete.

Neben einem Alternativ-Standort mit mehr Platz und in besserer Altstadt-Lage dachte der Metzgermeister darüber nach, in die Oberntrautstraße zurückzukehren, wo früher schon eine Schittko-Niederlassung war - im Gebäude, das heute seiner Schwester gehört. Dort hätte Michael Schittko nach eigenen Worten auf jeden Fall mit einem Ladengeschäft weitergemacht - zusätzlich zum Großhandelsverkauf und Produktionsbetrieb der Firma am Bergsteig.

Liefern und Feste bleiben


Letzterem bleibt er weiter treu, aber die Pläne für eine Metzgerei mit Imbiss am Eisberg - wo zuletzt Bull Döner angesiedelt war und kürzlich aufgab - sind ad acta gelegt. Denn der Amberger hat sich entschieden, das Schießl-Wirtshaus zu übernehmen und als Pächter selbst zu führen. Ganz ähnlich wie Michael Schießl will Schittko hier Vollzeit arbeiten und hat von daher schon keine Zeit mehr, einen weiteren Laden zu betreiben. Abgesehen vom Großhandel am Claudiweg, der feste Kunden samt Catering-Service weiter beliefern soll - auch bei Festen und Veranstaltungen will Schittko weiter vertreten sein. Dort wird also weder der Bratwurststand noch der Name der Metzgerei Schittko verschwinden. Im Gegenteil möchte der 51-Jährige die Handwerks- und Familientradition fortführen - sein Opa hatte die Metzgerei einst gegründet, die seine Eltern und später er übernahmen.

Zweites Standbein als Wirt


Doch Michael Schittko hat nun ein zweites Standbein, das ihm eigentlich per Zufall vor die Füße fiel, wie er sagt. Hätte Michael Schießl seinen Wirtshausbetrieb nicht eingestellt, hätte der Handwerksmeister und ausgebildete Fleischtechniker wohl nicht an die Möglichkeit gedacht, voll ins Gastronomiegeschäft einzusteigen. Doch weil neben der Metzgerei vor allem sein Catering-Service "artverwandt" ist und er außerdem leidenschaftlich gerne kocht, wurde diese Vorstellung für den Amberger immer konkreter.

Zumal das Objekt eben das benachbarte, bestens eingeführte Schießl-Wirtshaus ist, zu dessen Inhaber Michael Schittko seit Jahren eine gute Beziehung pflegt. So lag die Idee buchstäblich nahe, die mittlerweile unter Dach und Fach ist.

Eröffnung am 8. April


Der Pachtvertrag ist unterzeichnet, am Freitag, 8. April, um 10 Uhr wird das Schießl-Wirtshaus wiedereröffnet. Mit Michael Schittko als neuem Wirt, wobei der 51-Jährige, der auch Stadtratsmitglied ist, seine Aufgabe vor allem in der Küche sieht. Dort will er selber kochen, unterstützt von zwei Hilfen, die früher schon hier tätig waren und einer Auszubildenden, die er aus seinem Metzger-Laden von nebenan mitnimmt.

Personal kommt zurück


Während Letzterer heute Nachmittag nach dem Ostergeschäft schließt, können die fünf bisher im Wirtshaus beschäftigten Bedienungen an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Zur Eröffnung ist übrigens kein großes Aufhebens geplant, kein offizieller Akt mit Ansprachen oder Ähnlichem. Michael Schittko sperrt einfach auf, freut sich aber auf "alle Gäste, die schon immer gerne kamen und die neuen, die dazustoßen möchten". (Angemerkt/Hintergrund)
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