Militärhistorische Sammlung darf bleiben
Von Kaserne in Kleiderkammer

Vier Männer, ein Ziel. Stellvertretender Kommandeur, Oberst Maximilian Lindner, Fördervereinsvorsitzender Hubert Haas, Reinhard Schober (Leiter Bundeswehr-Dienstleistungszentrum) und Kommandeur, Brigadegeneral André Bodemann (von links), melden Vollzug. Die Militärhistorische Sammlung bleibt. Bild: hbe
 
Mehrere Tausend Exponate umfasst die Ausstellung, die von der Leopoldkaserne in die ehemalige Standortverwaltung umzieht. Bild: Heiner Bumüller

Hinter der Zukunft der Militärhistorischen Sammlung stand seit vier Jahren ein Fragezeichen. Nun ist eine Lösung gefunden. Doch die ist im Moment nicht mehr als ein Notbehelf und Provisorium. Vor allem beim Platzangebot müssen Abstriche gemacht werden. Auch der Zeitpunkt des Umzugs ist noch offen.

Von Hans Bernreuther

Das Stationierungskonzept der Bundeswehr von 2011 sieht die Verlegung des Stabes der Panzerbrigade 12 von Amberg in die Nordgaukaserne nach Cham vor. Diese Entscheidung bedeutete das faktische Aus für die Leopoldkaserne. Damit stellte sich den Mitgliedern des Fördervereins Militärhistorische Sammlung der Garnison Amberg, so lautet die genaue Bezeichnung, die bange Frage, was aus den vielen Tausend Exponaten wird, die teilweise auch privaten Leihgebern gehören.

Kommandeur wird aktiv


Auf Initiative des Kommandeurs der Panzerbrigade 12, Brigadegeneral André Bodemann, und seines Stellvertreters, Oberst Maximilian Lindner, kam nun der Kontakt mit Reinhard Schober, dem Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums, zustande. Dieses Gespräch brachte den Durchbruch. Waren von der Stadt bislang keine konkreten Zusagen erfolgt, bot der Dienststellenleiter an, die Sammlung in der ehemaligen Standortverwaltung unterzubringen. Konkret geht es um das Haus, das die Nummer vier trägt und den meisten ehemaligen Soldaten als Kleiderkammer ein Begriff ist. Bei einem Pressegespräch sagte General Bodemann deutlich: "Ohne das Entgegenkommen und die Unterstützung des Herrn Schober gäbe es immer noch keine Lösung." Ein Wermutstropfen existiert. Der Verbleib der Militärhistorischen Sammlung könne nur mittelfristig verbindlich zugesagt werden. Bodemann sprach deshalb auch von einer Not-, aber keiner Wunsch- oder Musterlösung.

Ein Drittel der Fläche


Die Sammlung müsse aus Platzgründen zu großen Teilen eingelagert werden, parallel dazu müsse das Dienstleistungszentrum zusammenrücken und dabei Einschränkungen in Kauf nehmen. Im Klartext: Der Sammlung, die derzeit auf fast 600 Quadratmetern untergebracht ist, stehen künftig nur noch etwa 200 Quadratmeter zur Verfügung. Und die befinden sich im dritten Stock. Ein Aufzug ist vorhanden. Das Gebäude werde in den nächsten Jahren aber generalsaniert. Ein genauer Zeitpunkt des Umzugs könne deswegen noch nicht festgelegt werden.

Nach den Worten des Vorsitzenden des Fördervereins, Hubert Haas, erfährt die Schau mit dem Umzug eine inhaltliche Neugestaltung. Neben einer Dauerausstellung sind wechselnde Sonder-Präsentationen geplant. Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden habe seine Unterstützung bei der Umsetzung angeboten. Wer am Konzept mitwirken will, meldet sich bei Haas unter 0178/2 66 63 52. (Kommentar)

Standortsuche zuvor zum Scheitern verurteiltVon Anfang an war klar, dass in der Kaserne in Cham kein Platz für eine derartig umfangreiche Präsentation sein wird. Zudem handelt es sich um eine standortbezogene Darstellung der Militärgeschichte Ambergs. Die Ideallösung wäre ein Verbleib in der Leopoldkaserne gewesen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben konnte als Hausherrin damals wie heute keine verbindliche Aussagen machen, was die weitere Nutzung betrifft. Es ist nach wie vor offen, wie es mit dem Gelände weitergehen wird. Als der Förderverein von höherer Stelle erfahren hatte, dass der ursprünglich anvisierte Umzugstermin im nächsten Jahr wegen baulicher Verzögerungen in Cham nicht gehalten werden kann, verschaffte ihm das wieder etwas mehr Luft. Mit der Stadt an seiner Seite, versuchte er von Beginn an eine Lösung zu finden. Es gab mehrere Gespräche und Besichtigungen, im Salzstadel und in der ehemaligen Steinhofkaserne. Nachdem sich in der Stadt selbst keine sichtbaren Erfolge abzeichneten, dehnte der Verein die Suche auf die nähere Umgebung aus. Aber auch hier gab es kein passendes Objekt. Als die Bemühungen ins Stocken gerieten, deuteten private Leihgeber bereits an, ihre Exponate wiederhaben zu wollen. Die Zukunft der Sammlung erschien ihnen zu unsicher. (hbe)

Geschichte verpflichtet

Kommentar von Thomas Kosarew

Mit ihren unzähligen Exponaten, die auf mehr als 600 Quadratmetern ausgestellt sind, sucht die Militärhistorische Sammlung ihresgleichen. In der Oberpfalz, im gesamten Freistaat gibt es keine vergleichbare Einrichtung. Die Präsentation, die 1985 von Ingo Dannullis, Oskar Braun und Gernot Bock aufgebaut wurde und zehn Jahre später von der damaligen Kaiser-Wilhelm- in die Leopoldkaserne umzog, gewährt den Besuchern einen detaillierten Einblick in die Garnisonsgeschichte von 1716 bis heute.

So erfahren Gäste beispielsweise, dass das 6. Infanterie-Regiment, das seinerzeit in Amberg stationiert war, während des Ersten Weltkriegs in der Nähe des französischen Orts Vimy einen Durchbruch englischer Truppen verhinderte. Diese Erinnerungen, die zeitgleich als Mahnung für nächste Generationen dienen, von der Bildfläche verschwinden zu lassen, wäre ein Verbrechen an der Geschichte, an der Historie Ambergs gewesen.

Den Verantwortlichen der Brigade und der ehemaligen Standortverwaltung ist es zu verdanken, dass Vergangenheit wieder eine Zukunft hat - im dritten Stock auf einem Drittel der gewohnten Fläche. Von einer Notlösung zu sprechen, kommt der Wahrheit schon sehr nahe. Zu dieser gehört auch die Feststellung, dass es zuletzt eher ruhig um die Standortsuche geworden war, nachdem sich zuvor mehrere Abgeordnete und Stadträte medienwirksam vehement um einen Verbleib bemüht hatten. Offenbar vergeblich.

Amberg hätte es gut zu Gesicht gestanden, die Sammlung als überregionalen Werbeträger für sich zu nutzen. Diese Chance ist im Moment vertan, aber nicht für immer. Noch ist es nicht zu spät für eine dauerhafte Lösung. Wenn man etwas wirklich will, findet man Wege. Und die führen nicht in den dritten Stock einer alten Kleiderkammer.

thomas.kosarew@zeitung.org

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