"Mir brennt hier der Kittel"

Es fehlen vier Millionen Euro. Spurlos verschwunden und bis heute nicht aufgetaucht. Bei einem Prozess in Amberg geht es um diese riesige Summe und um einen Finanzmakler, der sie in Form von Darlehen erhalten und dafür sehr stattliche Renditen zugesagt haben soll.

Der 54-jährige Angeklagte, einst für den in Weiden zu elf Jahren Haft verurteilten und hinter Gittern sitzenden Wolfgang S. (69) tätig, schweigt nach wie vor. Unterdessen sind zahlreiche Zeugen aus dem In- und Ausland vor dem Landgericht vernommen worden, die dem Makler offenbar vertrauten und ihm großteils sehr hohe Beträge gaben. Die Gelder, so hörten sie, würden als kurzfristige Darlehen gebraucht, um damit ein irgendwo lagerndes Finanzpaket in Höhe von 500 Millionen Euro auszulösen.

In der Verhandlung vor der Ersten Strafkammer werden gegenwärtig Dutzende von Mails verlesen, die verdeutlichen, dass der 54-Jährige mit Männern aus Großbritannien in Verbindung stand. Als er von seinen Darlehensgebern immer heftiger bedrängt und aufgefordert wurde, die Einlagen samt Renditen endlich auszuzahlen, wandte er sich an zwei Leute mit den Vornamen Jeffrey und James in England. "Mir brennt hier der Kittel", ließ er in einer Botschaft von der Vils an die Themse wissen, auch Wörter wie "Idioten", "A....loch" und "Kohle" kamen vor.

"Bitte unternehmen Sie etwas", wurde zum Handeln aufgefordert und tadelnd vermerkt: "So viele Intrigen und Lügen stinken zum Himmel." Dann folgte in einer der E-Mails die Vermutung, dass das Verhalten der Partner den Schluss zulasse, "dass Sie mit der Africa Connection zu tun haben". Damit war ein Begriff gefallen, der aufhorchen ließ. Die Africa Connection, in der Nachricht so bezeichnet, ist in internationalen Ermittlerkreisen besser bekannt als Nigeria Connection.

Dabei handelt es sich um eine weltweit ihr betrügerisches Unwesen treibende kriminelle Vereinigung, die mafios strukturiert ist. Hätte diese verbrecherische Organisation tatsächlich ihre Finger im Spiel gehabt, müssten die Geschädigten zwingend davon ausgehen, dass ihre Gelder nie wieder auftauchen. Vor dem Amberger Landgericht war bei den Vernehmungen angeklungen, dass sie bis heute hoffen, die gewährten Darlehen würden irgendwann wieder ihren Konten gutgeschrieben. Samt Zinsen natürlich, die bis zu sagenhaften 1000 Prozent in Aussicht gestellt worden waren.
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