Mit Meisterbrief zum Studium

Wer auf der Karriereleiter emporsteigen will, ist im Handwerk gut aufgehoben. Die Fachkräfteknappheit dürfte die Verdienstmöglichkeiten weiter verbessern. Und mit einem Meisterbrief lässt sich später sogar ein Studium aufnehmen. Maschinenbaustudent Stefan Lindner macht's vor.

Aufgewachsen in einem Landwirtschaftsbetrieb in Floß denkt Stefan, Jahrgang 1991, sehr pragmatisch: "Sollte ich das Studium nicht schaffen, kann ich jederzeit als Kfz-Mechatroniker-Meister arbeiten. Ein Abiturient, der im Studium scheitert, steht mit leeren Händen da."

Kein Bürojob

Mit dieser sehr plausiblen Argumentation begründet der Maschinenbau-Student Stefan Lindner seinen persönlichen Berufsweg. Zurzeit steht er im vierten Semester an der Ostbayerischen Technischen Hochschule, OTH, in Amberg. Während die meisten seiner Kameraden von der Hans-Scholl-Realschule in Weiden zur Fachoberschule wechselten, machte Stefan zuerst einmal eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker. "Auf keinen Fall wollte ich einen Bürojob", begründet er seine Berufswahl.

Schon während der Ausbildung reifte in ihm die Idee, später nicht in einer Kfz-Werkstatt zu arbeiten, sondern zum TÜV zu gehen. Deshalb begann er, unmittelbar nach seiner Lehre, im Jahre 2012 sofort mit der Meisterausbildung bei der Handwerkskammer in Bayreuth. Doch auch mit dem Meisterbrief in der Tasche stellte Stefan fest: "Die besseren Chancen beim TÜV hat der Ingenieur."

"Vertiefte Praxis"

Geradezu ideal auf ihn zugeschnitten war deshalb das Angebot des TÜV für ein duales Studium. "Studium und Praxisabschnitte in den Semesterferien wechseln sich ab und ich bin finanziell abgesichert", freut sich Stefan. Eine abgeschlossene Ausbildung hat er ja schon, deshalb wählte er das duale Studium in der Alternative "Vertiefte Praxis".

Keine Angst vor Mathe mehr

In einem von der Hochschule angebotenen einsemestrigen "Propädeutikum" konnte er in Mathematik, Physik und Deutsch Wissensdefizite gegenüber Abiturienten wettmachen. Aber: "Ich hätte das bisherige Studium auch ohne diese Vorbereitung geschafft", meint Stefan sogar. Seine ursprüngliche "Angst vor Mathe" habe sich längst gelegt. Gegenüber den Abiturienten fühlt er sich keinesfalls im Nachteil. "Von denen fallen bis zu 40 Prozent bei den Semesterprüfungen durch, ich habe die Mathe-Prüfungen sogar immer gleich beim ersten Mal bestanden." Allenfalls ein wenig mehr Allgemeinwissen gestehe er den Abiturienten zu. Er fühle sich als Handwerksmeister keinesfalls in einer Sonderrolle, sondern sagt: "Ich bin ein ganz normaler Student".

Praxissemester

Nach vier Theoriesemestern steht nunmehr das Praxissemester an: "Selbstverständlich mache ich das beim TÜV". Dort wird er auch die Bereiche kennenlernen, in denen er noch nicht gearbeitet hat, wie zum Beispiel die Labore. Und ab dem sechsten Semester stehe dann die Wahl des Vertiefungsfachs an. "Selbstverständlich nehme ich da Fahrzeugtechnik". Schon heute freut sich Stefan auf das OTH-Rennwagenprojekt "Running Snail".

Viele Studenten finden nach dem Studium auch wieder ins traditionelle Handwerk zurück. Denn: Eine klassische Ausbildung zum Handwerksmeister und Studium können sich auch hervorragend ergänzen.

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.oth-aw.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.