Mobilitätshilfe am Bahnhof
Wertvoller Dienst für Rollstuhlfahrer

Wolfgang Potsch bedient den Hublift, mit dem Rollstuhlfahrer Holger Link in den Pendolino gelangt, mit dem er nach Nürnberg und von dort aus weiter nach München will. Im vergangenen Jahr leisteten die Amberger BRK-Bereitschaften insgesamt 334 Mal diesen Service. Bilder: Steinbacher (2)
 
Einfach geht das alles nicht: Ehe Josef Preißl die Kette am Übergang lösen darf, um den Rollstuhl über die Gleise zu schieben, muss er den Fahrdienstleiter im Stellwerk kontaktieren. Dieser muss dann kurzzeitig die Strecke sperren.

Der Ruf nach einem barrierefreien Ausbau des Amberger Bahnhofs ist laut - doch seit Jahren verhallt er ungehört. Gut, dass es das BRK gibt.

Wertvolle Dienste für alle, die auf Hilfe angewiesen sind, leisten die Bereitschaften Amberg 1 und 2 des Bayerischen Roten Kreuzes. Allein im März waren Ehrenamtliche nach Angaben von Wolfgang Potsch, der Bereitschaft 1 leitet, bereits 51 Mal am Bahnhof, um diese Mobilitätshilfe zu leisten.

Holger Link, der im Rollstuhl sitzt, will mit dem Zug um 13.21 Uhr nach Nürnberg fahren. Ohne Hilfe gelangt er nicht zu Gleis zwei, ohne Unterstützung kommt er nicht in den Zug. Gegen 13 Uhr erreicht er den Bahnhof. Dort wartet schon Josef Preißl auf ihn.

Man kennt sich


Der Rentner gehört der BRK-Bereitschaft Amberg 1 an und ist einer von sechs Ehrenamtlichen im Team der Freiwilligen. Die beiden Männer kennen sich inzwischen, denn Holger Link fährt öfter mit der Bahn. Jetzt will er von Amberg nach Nürnberg und weiter nach München. In ein paar Tagen kommt er wieder zurück. Dann wird wieder jemand von der BRK-Bereitschaft warten, um ihm behilflich zu sein.

24 Stunden zuvor


Behinderte, Rollstuhlfahrer, aber auch Blinde, die die Unterstützung benötigen, müssen sich zunächst bei der Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn anmelden, dabei den Abfahrts- und Zielort angeben, erklärt Wolfgang Potsch das Prozedere. Im Idealfall sollte das 24 Stunden vor der Zugfahrt sein. "Definitiv muss der Fahrwunsch bis 20 Uhr am Vortrag angemeldet sein", erklärt der BRK-Mitarbeiter. Die Bahn schickt eine E-Mail mit den Vorstellungen der Kunden an den BRK-Kreisverband Amberg-Sulzbach. Wolfgang Potsch obliegt es dann, zu prüfen, ob er für die Zeitfenster Freiwillige findet. "Bis jetzt hat es immer geklappt." Angeboten wird der Dienst zwischen 8 und 20 Uhr. Das Rote Kreuz bestätigt der Bahn dann, dass es die Mobilitätshilfen leisten kann.

Gleise werden gesperrt


Josef Preißl schiebt Links Rollstuhl zum Übergang, wenige Meter entfernt von den Bahnsteigen. Dort greift er zum Handy und ruft den Fahrdienstleiter im Stellwerk an. Dieser veranlasst die Sperrung der Gleise. Erst jetzt darf Preißl die Kette am Übergang lösen. Sind er und der Passagier auf der anderen Seite, sichert er den Übergang wieder und greift erneut zum Mobiltelefon, um dem Fahrdienstleiter Bescheid zu geben, dass der Zugverkehr wieder freigegeben werden kann.

Preißl schiebt den Rollstuhl zu Gleis zwei. Dort steht bereits der Hublift. "Wenn die Abfahrt von Gleis zwei ist, brauchen wir ungefähr 20 Minuten", erklärt der Ehrenamtliche, "bei Gleis eins zehn Minuten." Holger Link, Josef Preißl und Wolfgang Potsch müssen an diesem Tag nicht lange warten, der Pendolino in Richtung Nürnberg ist pünktlich. "Ich fahre einmal im Monat her und wieder zurück", erklärt der Rollstuhlfahrer, als ihn der Helfer auf den Hublift schiebt und diesen dann an den Zug - jetzt kann Link in den Waggon rollen. "Tschüss, bis zum nächsten Mal", sagt Preißl und winkt.

Für das BRK-Mitglied war es an diesem Tag schon der zweite Einsatz am Bahnhof - jetzt geht es nach Hause. "Auftrag erledigt."

BarrierefreiImmer wieder wird der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs gefordert. Doch damit ist es nicht getan. Denn Rollstuhlfahrer kämen dann zwar besser zu den Gleisen, nicht aber in die Züge. "Das vergisst man immer in der Diskussion um den Umbau", erklärt BRK-Bereitschaftsleiter Wolfgang Potsch. "Das Probleme wäre erst gelöst, wenn die Elektrifizierung der Bahnstrecke käme und anderes Zugmaterial eingesetzt würde." Ähnlich sieht es Holger Link, der im Rollstuhl sitzt. Der Sulzbach-Rosenberger Bahnhof sei zwar umgebaut, doch in den Zug schaffe er es alleine nicht. "Das hilft mir nicht", sagt er. "Ich komme zwar besser zum Zug hin, aber genauso schlecht rein." (san)
Der Bahnhof in Sulzbach-Rosenberg ist zwar umgebaut, ich komme besser zum Zug hin, aber genauso schlecht in den Zug rein.Holger Link
Wenn die Abfahrt von Gleis zwei ist, brauchen wir ungefähr 20 Minuten, bei Gleis eins zehn Minuten.Josef Preißl
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