Motorradausbildung bei der Bundeswehr nur noch im Kraftfahrzeugausbildungszentrum Kümmersbruck
Den A-Auftrag hat nur einer

Der Ort im Standortübungsplatz, der beim Pressetag des Kraftfahrzeugausbildungszentrums als "Wasserloch" angekündigt war, hielt, was er versprach: Motorräder und Fahrer konnten ihre Belastbarkeit im Gelände zeigen. Zudem demonstrierte man so, warum es wichtig ist, in die Waschanlage in der Kaserne zu investieren (sie soll frostsicher werden). Saubermachen muss übrigens jeder seine Maschine selbst. Bild: Hartl
 
Wichtig ist, den Fahrschülern auf dem Motorrad die Angst zu nehmen, denn sonst verkrampfen sie und machen Fehler.

Hauptmann Matthias Schandri ist nur der Beifahrer im Kleinbus, doch er macht die Bremsbewegung mit, als rechts ein Transporter auftaucht. "Einmal Fahrlehrer, immer Fahrlehrer", bemerkt er lächelnd. Und auch Schandris A-Auftrag sorgt in der Schweppermann-Kaserne für gute Stimmung.

/Kümmersbruck. Denn der Hauptmann leitet das Kraftfahrzeugausbildungszentrum Kümmersbruck der Bundeswehr, und das hat seit kurzem ein deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal: die Motorradausbildung. Alle Soldaten, die den Dienstführerschein der Klasse A (Motorrad) machen, müssen seit Anfang des Jahres nach Kümmersbruck.

Das hiesige Kraftfahrzeugausbildungszentrum - es existiert seit 1994 - gewinnt damit eine Fahrzeugart zurück, die ihm zwischenzeitlich abhandengekommen war. Im Jahr sollen es 250 bis 300 Soldaten sein, denen hier die Spezialisten das Motorradfahren beibringen. Also etwa ein Drittel der 750 Führerscheine, die im Jahr 2016 geplant sind. Der Rest verteilt sich auf die Klassen B (Anfänger) und CE (Lkw mit Anhänger). Nur bei Letzteren erfolgt die Ausbildung ganzjährig. Für die Motorräder beschränkt man sich auf die Zeit von April bis November; in den Wintermonaten stehen dann die Kapazitäten für die Klasse B zur Verfügung.

Eines hat die Bundeswehr dabei dem Zivilleben voraus: Bei ihr kann man schon mit 18 Jahren auf die ganz schweren Maschinen. Draußen gilt die Regelung des Stufenzugangs über leistungsschwächere Motorräder oder die Altersgrenze von 24 Jahren für den Direkteinstieg in der unbeschränkten Klasse. Neu ist zudem, dass beim Bund nur noch für den vollwertigen Führerschein der Klasse A ausgebildet wird.

Dass die Fahrschüler bei der Bundeswehr mehr lernen müssen als in einer normalen Fahrschule, das war schon immer so: Sie üben hier ausgiebig den Einsatz im Gelände und sie beschäftigen sich tiefergehend mit der Technik ihrer Gefährte. Das ist nach Hauptmann Schandris Erfahrung durchaus ein Pluspunkt, wenn seine Schüler später mal im Zivilleben den hier erworbenen Führerschein nutzen wollen: "Viele Chefs sagen, die von der Bundeswehr sind mir lieber, die kennen sich mit den Fahrzeugen aus und wissen, was sie selbst daran machen können."

Bei den Motorrädern ist das aber wohl nicht der Grund, warum viel mehr Soldaten Interesse am Führerschein haben, als zugelassen werden können. Da dürfte die Faszination der Technik verantwortlich sein. Die Begeisterung wird am Beginn der Ausbildung aber regelmäßig auf eine harte Probe gestellt, "denn das ist Schwerstarbeit", sagt Oberleutnant Dieter Renninger, der Ausbildungsleiter. Die Fahrschüler machen Gleichgewichtsübungen, sie müssen das Motorrad - 200 Kilogramm schwer - schieben oder aufheben.

Eine besondere Herausforderung konnte man am Donnerstag beim Pressetermin beobachten: Es brauchte den Einsatz von drei kräftigen Männern, um eine BMW flottzubekommen, die sich im Schlamm festgesaugt hatte. Danach glaubte man Renningers Einschätzung: "Gelände ist eine Herausforderung und Belastung für Kondition wie Psyche." (Angemerkt/Seite 3)
Wichtig ist, den Fahrschülern auf dem Motorrad die Angst zu nehmen, denn sonst verkrampfen sie und machen Fehler.Hauptmann Matthias Schandri


KfAusbZDas Kraftfahrzeugausbildungszentrum wird geleitet von Hauptmann Matthias Schandri. Sein Stellvertreter und Ausbildungsleiter ist Oberleutnant Dieter Renninger. Seit 1994 wurden über 20 000 Fahrschüler ausgebildet. Das KfAusbZ besteht aus:

44 Mann Stammpersonal, davon 34 Fahrlehrer (darunter eine Frau)

12 Hallen für die Technikausbildung

einem Unterkunftsgebäude mit 136 Betten

einem Hörsaalgebäude mit drei Unterrichtsräumen

97 Fahrschulfahrzeugen (60 davon Motorräder) und 26 Anhängern. (ll)
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